Boden-Verschmutzung
Unter diesem Kindergarten liegt Arsen – seit Jahrzehnten spielen hier Kinder

Liesberger machen sich Sorgen um ihren Nachwuchs. Er geht in einem belasteten Gebiet in die Vorschule. Muss allenfalls ein Bodenaustausch in Betracht gezogen werden?

Dimitri Hofer
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Der Liesberger Kindergarten befindet sich in einem arsenbelasteten Gebiet.

Der Liesberger Kindergarten befindet sich in einem arsenbelasteten Gebiet.

Juri Junkov

Berno Meier und Raimund Steiner sind froh, ihre Kindheit ohne gesundheitliche Schäden überstanden zu haben. Die beiden Einwohner von Liesberg gingen einst in der Laufentaler Gemeinde in den Kindergarten. Heute setzen sie sich dafür ein, dass die Kinder künftig woanders im Dorf die Vorschule besuchen. Denn das Gebiet, auf dem sich der Kindergarten seit Jahrzehnten befindet, ist mit dem Halbmetall Arsen belastet.

Die Konzentration ist dort mindestens sechs Mal höher als in einem durchschnittlichen Baselbieter Boden. Bei Proben des Spielplatzes des Kindergartens wurden vom Kanton Baselland 210 Milligramm Arsen pro Kilogramm Boden gemessen. Gemäss internationaler Agentur für Krebsforschung kann Arsen beim Menschen Krebs auslösen. Das Halbmetall kann durch Nahrung, Wasser oder die Luft aufgenommen werden. Auch über Hautkontakt mit arsenhaltigem Boden ist eine Aufnahme möglich. Neben Liesberg sind auch in den beiden Nachbargemeinden Röschenz und Roggenburg sowie im Oberbaselbieter Dorf Buus erhöhte Arsenkonzentrationen festgestellt worden.

Es gebe einen alternativen Standort in Liesberg

«Die Gemeinde setzt die Gesundheit der Kinder auf das Spiel. Das ist absolut verantwortungslos», sagt Berno Meier. Er und Raimund Steiner haben Einsprache gegen Pläne der Gemeinde Liesberg erhoben, den bestehenden Kindergarten auszubauen. In seiner Einsprache gegen das Baugesuch schreibt Meier: «Das Gebiet ist stark mit Arsen verseucht und in der heutigen Zeit der falsche Standort.» Im Gebiet Seemättli in einem anderen Teil des Dorfes gebe es eine ausgewiesene Zone für öffentliche Gebäude, die sich hervorragend für einen Neubau des Kindergartens eignen würde.

Da die Einsprachen der beiden Liesberger den Beginn des Umbaus des Kindergartens verzögern, sind die Bagger bis anhin noch nicht aufgefahren. Dabei hat die Gemeindeversammlung im Rahmen des Budgets bereits 600'000 Franken für den Umbau genehmigt. «Die Kommunikation der Gemeinde ist lausig», findet Raimund Steiner. Da viele Liesbergerinnen und Liesberger nicht richtig über das Arsen informiert seien, sei noch kein richtiger Widerstand zu vernehmen gewesen.

Dass in Liesberg hohe Arsenkonzentrationen vorhanden sind, ist seit längerem bekannt. Im Jahr 2018 informierte der Kanton Baselland über Details. Für spielende Kleinkinder bestünde auf belasteten Böden eine Gefährdung durch direkten Bodenkontakt, hiess es damals. Auf Anfrage schreibt Andrea Bürki, Mediensprecherin der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion: «Das Arsen liegt geogen - also natürlicherweise - in den Böden vor. Es ist davon auszugehen, dass das Arsen während des Bodenbildungsprozesses vor Tausenden von Jahren aus dem Ausgangsgestein in den Boden gelangt ist.» Aufgrund der geringen Löslichkeit werde Arsen nicht ausgewaschen und bleibe in gleichbleibenden Konzentrationen in den Böden von Liesberg.

Ein Bodenaustausch soll in Erwägung gezogen werden

Nachdem die Messungen die hohen Arsenkonzentrationen im hinteren Laufental ans Tageslicht gebracht hatten, gab der Kanton Baselland der Gemeinde Liesberg einige Empfehlungen ab. Dazu gehörte auch eine Abtragung des mit Arsen belasteten Bodens: «Aufgrund des Alters der Kinder im Kindergarten sollte aus unserer Sicht - im Sinne einer vorsorglichen weitergehenden Massnahme - ein Bodenaustausch in Erwägung gezogen werden», erklärt die Sprecherin der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion. Auf den Anbau von Gemüse beim Kindergarten solle verzichtet werden. Generell müssten die Lehrpersonen informiert und sensibilisiert werden.

Der Fall liegt aktuell beim Baselbieter Bauinspektorat

Der Liesberger Gemeindepräsident Markus Wackernagel betont, dass der Fall aktuell beim Baselbieter Bauinspektorat liege und dass die Einsprachepunkte abgearbeitet seien. «Der Kindergarten besteht seit über 50 Jahren an diesem Ort», sagt er. Der Kindergarten verfüge über keinen Gemüsegarten und die Oberfläche sei mit Rasen bepflanzt. Arsen sei nur beim Verzehr der Erde für Kinder gefährlich. Es liege ein Beschluss der Gemeindeversammlung vor, den es zu akzeptieren gelte.

Die beiden Einsprecher Berno Meier und Raimund Steiner sind nicht bereit, den Entscheid zu akzeptieren. «In diesem Fall gehe es um das Wohl der Liesberger Kindergärtlerinnen und Kindergärtler», sagt Meier. Kein Kind solle in einen Kindergarten gehen müssen, der auf einem mit Arsen belasteten Boden steht.

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