Strassenprojekt
Über dem grauen Tunnel wächst langsam der grüne Park

Der Grünstreifen über dem Schönthaltunnel der H2 hat bereits Formen angenommen. Die Veloroute und die Finnenbahn werden aber erst im Spätsommer 2014 eröffnet.

Boris Burkhardt
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Landschaftsarchitekt Guido Bossard (links) und Bauführer Manfred Rauter gestalten den Grünstreifen.
6 Bilder
1: Die Velobrücke über die Mühlerainstrasse wird erst im Spätsommer 2014 gebaut sein.
2: Die Kantonale Radroute führt entlang der östlichen Tunnelkante bis zur Wannenstrasse.
3: Im «Arboretum» entsteht der Freizeitbereich des Grünstreifens.
Der Grünstreifen über dem Schönthaltunnel
5: Auf dieser Phacelia-Wiese unterhalb der Ebenfeldstrasse ist eine Finnenbahn geplant.

Landschaftsarchitekt Guido Bossard (links) und Bauführer Manfred Rauter gestalten den Grünstreifen.

Nicole Nars-Zimmer niz

Man kann sich tatsächlich schon vorstellen, wie es im kommenden Sommer aussehen wird: Noch stecken statt der Bäume Holzpfähle im Boden, der Rasen wird durch kniehohe Wildblumen markiert und eine Schotterpiste gibt die Strecke vor, auf der im kommenden Jahr die Kantonale Radroute verlaufen wird. «Die Umgebung wird sehr profitieren von der Aufwertung des Grünstreifens», verspricht Landschaftsarchitekt Guido Bossard, während er mit dem Projektleiter des Kantons, Manfred Rauter, auf dem H2-Tunnel im Schönthal steht.

Seit diesem Sommer ist der Tunnel nur noch an wenigen Stellen sichtbar; ansonsten liegt das Bauwerk unter dem Erdreich verborgen. Mit ersten gestalterischen Elementen und Zwischensaaten haben die Landschaftsgestalter um Bossard und Rauter aber bereits vor der Winterpause festgelegt, wie der neue grüne Korridor im unteren Ergolztal aussehen soll.

Freizeitgebiet bei Mühlerainstrasse

«Das Naherholungsgebiet befindet sich im südlichen Teil des Grünstreifens», sagt Rauter auf Höhe des zukünftigen «Arboretums», direkt nördlich der Mühlerainstrasse. Eine von Wegen umrahmte Wiese soll den Frenken- und Füllinsdörfern ab nächstem Jahr Ruhe und Erholung bieten. Inwiefern die Wiese mit Kinderspielgeräten und Grills ausgestattet wird, muss laut Bossard zwischen Kanton und Gemeinden noch genau besprochen werden. Man wolle den Platz nicht zu früh zuplanen: «Freiräume müssen sich entwickeln. Es ist geschickter, man lässt eine gewisse Flexibilität für die zukünftige Nutzung.» «Arboretum» ist in der Botanik und Forstwirtschaft die Bezeichnung für eine Sammlung verschiedenartiger exotischer Bäume. Bossard will hier entsprechend Arten wie Silberahorn, Ginkgo, Libanonzeder, Blutbuche und Tulpenbaum setzen.

Das Erdreich, das nun den Tunnel bedeckt, wurde vor dem Bau an selbiger Stelle ausgehoben. Fein säuberlich wurde es nach Bodenschichten getrennt: unten der Ergolzschotter, in der Mitte der mineralische Unterboden und zuoberst etwa 20 Zentimeter Humus, der nun wieder sorgsam aufgetragen wird. Dabei mussten Bossard und sein Team Vorsicht walten lassen: Nasser Humus ist empfindlich und verträgt keine Belastung. Deshalb konnte erst nach dem verregneten Frühling mit Säen begonnen werden.

Veloweg bekommt Brücke

Das Wegnetz des Grünstreifens ist bereits jetzt angelegt. Die «Hauptstrasse» des Grünstreifens, ein vier Meter breiter Weg für Velofahrer, Fussgänger, Skater und Hundehalter, führt am Schauenburgerkreisel von der Rheinstrasse weg und verläuft dann entlang der Ostkante des H2-Tunnels, bis er in die Wannenstrasse mündet. Über diese Strecke verläuft die Kantonale Radroute, die über die Wannenstrasse an die alte Strecke direkt an der Ergolz entlang anschliesst. Der Weg wird im kommenden Frühjahr asphaltiert, vermutlich jedoch erst im Spätsommer für den Verkehr freigegeben – dann, wenn auch die Brücke über die Mühlerainstrasse fertiggestellt ist.

Ansonsten wurden alle früheren Querungen wieder hergestellt: die Bahnhofsunterführung, der Trülliweg und die Wannenstrasse. Der Trülliweg führt nun barrierefrei mit einer geringeren Steigung als früher die Böschung hinunter und entlang des Füllinsdörfer Schulhauses. Zwischen Trülliweg und Wannenstrasse ist eine von nur zwei Stellen, wo man den Tunnelbeton noch sehen kann. Hier bat die Gemeinde Füllinsdorf auf die Böschung zu verzichten, um den Platz für den Sportplatz zu erhalten.

Auf Höhe des Schulhauses wird eine Finnenbahn eingerichtet. Auf dieser Fläche hat Bossard Wildbirnen, -kirschen und -äpfel vorgesehen. Die lilablütigen Phacelien dienen jetzt als «Platzhalter» für die späteren Fettwiesen: Die auch als «Bienenweide» bekannte Pflanze verhindert, dass die Fläche den Winter über mit Unkraut zuwächst. Mit den Anwohnern der nahen Ebenfeldstrasse wird sich Rauter noch unterhalten: Sie dürfen ihre Wünsche einbringen, wie dicht die Begrünung entlang ihres Grundstücks ausfallen soll.

Nördlich der Wannenstrasse setzt sich der «Naturteil» des Grünstreifens fort. Ein Mergelweg führt hier zum Pumphäuschen. Bis zum nördlichen Tunnelportal werden Magerwiesen und Wäldchen eine attraktive Heimat für Insekten und Kleintiere bieten – während sich darunter die Errungenschaften der menschlichen Zivilisation durch Betonröhren zwängen.

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