Liesberg
«Trumps Strafzölle treffen uns indirekt»: Wie der US-Präsident die Baselbieter Wirtschaft beeinflusst

Zwar hat das in Liesberg ansässige Familienunternehmen nur wenige Kunden in den USA, die Aluminium Laufen AG trifft Trumps Verordnung dennoch hart.

Dimitri Hofer
Drucken
Teilen
Aluminium Laufen AG
14 Bilder
Aluminium Laufen AG
Aluminium Laufen AG
Aluminium Laufen AG
Aluminium Laufen AG
Aluminium Laufen AG In der Aluminium Laufen AG. Patrick Villiger, CEO
Aluminium Laufen AG
Aluminium Laufen AG Die Aluminium Laufen AG stellt pro Jahr 22'000 Tonnen Aluminium-Profile her.
Aluminium Laufen AG
Aluminium Laufen AG
Aluminium Laufen AG
Aluminium Laufen AG
Aluminium Laufen AG
Aluminium Laufen AG

Aluminium Laufen AG

Roland Schmid

Mit Sorge verfolgen die Verantwortlichen der Aluminium Laufen AG den von Donald Trump entfachten Handelskrieg. Um die heimische Wirtschaft zu schützen, hat der US-Präsident weltweit geltende Strafzölle auf Aluminium verhängt. Wer das Leichtmetall in die Vereinigten Staaten exportiert, muss saftig draufzahlen.

Zwar hat das in Liesberg ansässige Familienunternehmen nur wenige Kunden in den USA. «Uns trifft die Verordnung von Trump trotzdem hart – und zwar indirekt», erklärt Patrick Villiger, Geschäftsführer der Aluminium Laufen AG, auf Anfrage der bz. Aus Angst davor, dass der EU-Markt nun von Billig-Aluminium aus China überschwemmt wird, reagierte die Europäische Kommission. Ende April hat sie Überwachungsmassnahmen auf die Einfuhren bestimmter Aluminiumerzeugnisse in die Europäische Union erlassen. Für den Import von mehr als 2500 Kilogramm aus Drittstaaten in EU-Länder ist nun eine Einfuhrlizenz nötig.

Langsame französische Behörden

Obwohl die Massnahme erst seit Kurzem in Kraft ist, spürt die Aluminium Laufen AG bereits Auswirkungen. Rund die Hälfte der rund 22 000 Tonnen Aluminium-Profile, die jährlich in Liesberg entstehen, werden in die EU exportiert. Ein Grossteil davon landet in der Automobilindustrie und in der Baubranche in Deutschland und Frankreich. Das Einfuhrdokument muss von den EU-Importeuren, also den Kunden des Laufentaler Betriebs, bei den zuständigen Behörden beantragt werden.

Das klappe bei einigen Ländern problemlos, sagt Villiger. «Bei anderen ist es sehr mühsam und langwierig.» In Deutschland könne man die Lizenz elektronisch erlangen, weshalb das Prozedere im Normalfall nur ein bis zwei Tage dauere. «In Frankreich ist es anders», erklärt er. «Dort werden die Lizenzen auf postalischem Weg verschickt.» Bis sie vorliegen, vergingen mehr als zwei Wochen – und das sei inakzeptabel. Weil einzelne Waren deshalb erst verspätet ausgeliefert werden können, habe sein Unternehmen Umsatzverschiebungen zu erdulden.

Zwei Millionen Franken weniger

«Kunden der Automobilindustrie aus der EU weichen auf Lieferanten aus der EU aus, um die Aluminiumversorgung zeitgerecht sicherzustellen», sagt Villiger. Hochgerechnet auf ein Jahr schätzt der Geschäftsführer die Einbussen auf etwa drei Prozent – das entspricht rund zwei Millionen Franken. Und zusätzlich schmälerten die administrativen Aufwände die Marge spürbar. Personelle Konsequenzen hatte die Verordnung der EU bisher noch keine. «Denn allgemein ist die Konjunktur gut.» In den vergangenen Jahren ist es der Aluminium Laufen AG gelungen, sich von früheren Rückschlägen zu erholen. Als Folge der Aufhebung des Euro-Mindestkurses hatte das Unternehmen rund 50 Angestellte entlassen müssen.

Bundesrat soll verhandeln

Der Schweizerische Aluminium-Verband, dem landesweit 67 Firmen angehören, hat Mitte Juni ein Positionspapier zu den Ereignissen der letzten Wochen erarbeitet. Darin äussert sich die Branche zu den Folgen für die betroffenen Unternehmen: «Erste Anzeichen bestätigen das Risiko, dass sich die bestehenden und potenziellen Kunden mittelfristig im EU-Raum neue Lieferanten suchen, um dem erheblichen administrativen Aufwand zu entgehen und ihre Abhängigkeit von Schweizer Zulieferern zu mindern.»

Der Verband bittet den Bundesrat um eine Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission, «damit die Schweiz von den Überwachungs- und Schutzmassnahmen der Europäischen Union für die Einfuhr von Aluminium befreit wird». Dafür bietet man dem Bundesrat an, ihm relevante Daten und Informationen bereitzustellen und an Sitzungen teilzunehmen.

Patrick Villiger erwartet für seine 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass die Landesregierung Verhandlungen mit der EU-Kommission aufnimmt. Und vor allem, dass die Europäische Union ihre Warnung nicht wahr macht und sogar Kontingente und Zölle auf Aluminium einführt. «Das hätte für unser Unternehmen schwerwiegende Auswirkungen.» Genauso schlimm wäre es, wenn Donald Trump seine Drohung in die Tat umsetzt, und auch noch Zölle auf Auto-Importe erhebt.

Aktuelle Nachrichten