Beide Basel
Trotz kleinem Budget mit der Kulturlegi ins Konzert oder in den Fitnesskurs

Damit einkommensschwache Personen an Kultur, Bildung und Sport teilnehmen können, gibt es für beide Basel neu eine Kulturlegi von der Caritas. Dieses Angebot soll der Isolation armutsbetroffener Menschen entgegenwirken.

Annika Bangerter
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In Basel-Stadt sind unter anderem die Stadtbibliotheken der GGG, die Allgemeine Musikgesellschaft Basel, die Programmzeitung und die bz am Projekt beteiligt. (Symbolbild)

In Basel-Stadt sind unter anderem die Stadtbibliotheken der GGG, die Allgemeine Musikgesellschaft Basel, die Programmzeitung und die bz am Projekt beteiligt. (Symbolbild)

Keystone

Ein Eintritt ins Theater? Unerschwinglich. Ein Zeitungsabonnement? Unbezahlbar. Ein Kurs im Fitnesscenter? Zu teuer. Die Türen zur Freizeitgestaltung sind häufig mit einem Zahlenschloss versehen. Wer nicht in der Lage ist, den entsprechenden Betrag hinzublättern, bleibt aussen vor. Als Konsequenz verlieren einkommensschwache Personen den Anschluss ans gesellschaftliche Leben und werden von Netzwerken, Wissen und Aktivitäten ausgegrenzt.

Um dieser Isolation entgegenzuwirken, hat die Caritas die sogenannte Kulturlegi lanciert. Armutsbetroffene Menschen können die Karte beantragen und erhalten dadurch stark vergünstigte Zutritte zu Kultur-, Sport- und Bildungsangeboten.

Erst wenige Partner in Basel

Die Kulturlegi selbst ist in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland kostenlos. Was in Zürich bereits 1996 eingeführt wurde, gibt es seit fünf Monaten auch in Basel. Die hiesige Projektleiterin Karin Vonwil sieht als Grund für die späte Einführung insbesondere die beiden langjährigen Angebote Colour Key und Familienpass, die jungen Erwachsenen oder Familien eine Vielzahl von Rabatten ermöglichen. Nicht berücksichtigt bei diesen beiden Projekten werden jedoch Erwachsene über 25 Jahre, die keine Kinder haben. Insbesondere sie sollen mit der Kulturlegi angesprochen werden.

Gegenwärtig ist die Palette der regionalen Partner im Vergleich zu anderen Städten noch stark limitiert. So sind in Basel-Stadt unter anderem die Stadtbibliotheken der GGG, die Allgemeine Musikgesellschaft Basel, die Programmzeitung und die bz am Projekt beteiligt. Darüber hinaus profitieren die Karteninhaber von verschiedenen nationalen Partnern, beispielsweise von der Migros Klubschule oder der Reka-Ferienhilfe.

Stelle neu geschaffen

Auf der Liste findet sich jedoch noch kein einziges Museum oder Theater der beiden Basler Halbkantone. Damit sich dies möglichst schnell ändert, wurde von der Caritas beider Basel Anfang Jahr eine 50-Prozentstelle ausschliesslich für die Kulturlegi geschaffen. Projektleiterin Karin Vonwil will nun «regionales Fleisch an den Knochen der Kulturlegi» bringen, wie sie lachend sagt. Dies bedürfe jedoch einer intensiveren Kontaktpflege als angenommen. Sie rechnet damit, dass aufgrund der geringen personellen Ressourcen eine jahrelange Aufbauarbeit nötig sein wird. Gegenwärtig wartet Vonwil auf verschiedene Antworten.

Ihre unmittelbaren Wunschpartner für ein breit abgedecktes Angebot sind unter anderem das Theater Basel, die Kaserne, Gsünder Basel und die Volkshochschule beider Basel. Karin Vonwil ist überzeugt, dass sobald das Angebot ausgebaut ist, auch die Nachfrage nach der Kulturlegi steigen wird. «Diese Woche wird in Basel die hundertste Karte ausgestellt. Im Vergleich zu den etablierten Regionen ist das eine bescheidene Zahl. Ich bin aber optimistisch, dass sich dies bald ändert.»

45'000 Karten in der Schweiz

«Immerhin profitieren schweizweit bereits über 45'000 Personen von der Kulturlegi», sagt Karin Vonwil. Als ehemalige Sozialberaterin der Caritas beider Basel ist sie bestens mit ihrer Zielgruppe vertraut und kennt die Nöte von armutsbetroffenen Menschen. Heute ist sie eine Schlüsselfigur, um ihren ehemaligen Klienten die Türen für eine Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben aufzustossen.

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