Münchenstein
Trotz Behinderung leidenschaftlich Hockey spielen

Jannis Affolter sitzt im Rollstuhl. Trotzdem spielt er leidenschaftlich Hockey. Er nimmt jede Bewegung der Mitspieler und des Gegners wahr und ist stets bereit, einen Schuss auf sein Tor mit einer starken Reaktion abzuwehren.

Nils Hänggi
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Jannis Affolter als Goalie im Training. An der Vorderseite des Rollstuhls festgemacht ist der T-Stick, ein befestigter Schläger. Juri Junkov

Jannis Affolter als Goalie im Training. An der Vorderseite des Rollstuhls festgemacht ist der T-Stick, ein befestigter Schläger. Juri Junkov

Juri Junkov/Fotograf

Jannis Affolter beobachtet in der Turnhalle des Tagesschulzentrums Münchenstein (TSM) konzentriert den Spielverlauf, er hat den Spielball stehts im Blick. Er nimmt jede Bewegung der Mitspieler und des Gegners wahr und ist stets bereit, einen Schuss auf sein Tor mit einer starken Reaktion abzuwehren. Der zehnjährige Junge, der im Rollstuhl sitzt, ist einer von wenigen, die in der Region Elektrorollstuhl-Hockey (E–Hockey) spielen. Jannis ist Goalie der Red Eagles; so nennt sich der Verein mit Aktiven verschiedenen Alters und beiderlei Geschlechts. Ihre Gemeinsamkeit: Alle Mitglieder sitzen im Rollstuhl und haben eine körperliche Behinderung.

Elektrorollstuhl-Hockey ist eine Sportart ohne Alterslimit für Menschen, die eine schwere körperliche Behinderung haben wie Muskelschwund, spastische Lähmung oder Glasknochenkrankheit. Ein Team besteht aus vier Feldspielern und einem Torwart. Der Goalie und ein Feldspieler haben einen T-Stick, einen am Rollstuhl befestigten Schläger. Alle anderen Spieler haben einen normalen Hockeyschläger. Die Regeln sind denjenigen des Unihockeys sehr ähnlich. Hinzu kommt, dass es eine Non-Contact-Sportart ist. Die Spieler dürfen nicht mit dem Rollstuhl ineinander hineinfahren, dies könnte gefährlich werden – die Rollstühle haben eine Geschwindigkeit von bis zu 15 Kilometern pro Stunde.

Erste Turniererfahrung

Am Sonntag vor zwei Wochen hatte Jannis mit seinem Team seinen ersten grossen Auftritt. Die Red Eagles konnten sich erstmals seit Bestehen mit anderen Nachwuchsmannschaften bei einem Turnier messen. Nach umkämpften, aber fairen Matches erreichten die Red Eagles einen guten dritten Platz. Dieser ausgezeichnete Schlussrang war auch das Verdienst von Jannis. Er hielt das Team öfters mit guten Paraden im Spiel. Der blonde Junge, der während des Trainingsbesuchs der bz immer ein Lächeln auf den Lippen hat, ist der Liebe zum Ballsport verfallen. Mit seinen Geschwistern spielt er zu Hause gerne Fussball, dann aber nicht im Tor. «Wenn es einen Rollstuhl-Fussballklub gäbe, würde ich Fussball spielen», gesteht Jannis. Der Rollstuhlclub beider Basel bietet für Menschen in einem Rollstuhl zwar viele Sportarten an, jedoch keinen Fussball. Neben E-Hockey gibt es in der Region die Möglichkeit, Basketball, Curling, Tennis oder auch Badminton zu spielen.

Jannis hat eine komplizierte Form einer Cerebralparese. Dabei handelt es sich um eine Bewegungsstörung, deren Ursache in einer frühkindlichen Hirnschädigung liegt. Nur durch Zufall ist er zum E-Hockey gekommen.

Training mit einem Star

Das Team trainiert in der TSM, immer dienstags nach Schulschluss. «So hat mich mal ein Freund darauf angesprochen, und dann bin ich gegangen», erzählt Jannis. Ihm sei schon beim ersten Training bewusst gewesen, dass er die verantwortungsvolle Position des Goalies ausüben wolle. Auch, dass Spieler jeden Alters bei den Red Eagles spielen, gefalle ihm.

Trainiert werden die Red Eagles von Jan Oehninger, einem Schweizer E–Hockey-Nationalspieler. Das Training des Clubs ist gut und straff organisiert. Man trainiert die Basics wie Stock- und Ballführung oder das Suchen und Finden des Freiraums. Zum Abschluss des Trainings gibt es noch einen Match. Jannis ist begeistert vom Sport: «Ich möchte noch lange E–Hockey spielen und noch lange Tore verhindern.»