Paralympics
Tobias Fankhauser: «Jetzt muss ich runterfahren»

Der Hölsteiner erzählt im Interview mit der bz, wie er an den Paralympics in Brasilien seinen bisher grössten Erfolg erlebt hat. Er spricht unter anderem auch über die Gefühle kurz nach der Ziellinie und bei der Siegerehrung.

Simon Tschopp
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«Wenn man hört ‹Representing Switzerland, Tobias Fankhauser› ist das Gänsehaut-Feeling pur», schwärmt der Baselbieter Handbiker.

«Wenn man hört ‹Representing Switzerland, Tobias Fankhauser› ist das Gänsehaut-Feeling pur», schwärmt der Baselbieter Handbiker.

KEYSTONE

Er hat sehr emotionale Momente hinter sich: Tobias Fankhauser gewann an den Paralympics im Handbike-Strassenrennen Edelmetall. Diese Woche ist der Oberbaselbieter aus Rio de Janeiro zurückgekehrt und spricht nun über seine Erlebnisse.

Herzliche Gratulation zu Ihrem Erfolg. Lässt sichs schöner heimreisen mit einer Bronzemedaille im Gepäck?

Tobias Fankhauser: Ganz sicher. Es ist cool, dass ich am Tag X wieder bereit gewesen bin und diese Medaille gewonnen habe. Das hilft, auch im Flugzeug gute Träume zu haben. Denn die Heimreise ist immer enorm anstrengend, vor allem nach zwei solch intensiven Wochen.

Auf den Wettkampftag fokussieren und das volle Potenzial abrufen – gehört das zu Ihren Stärken?

Bis jetzt ist es immer aufgegangen. Es ist auch eine Stärke meines Trainers Paul Odermatt, der die Trainingspläne erstellt. Diese helfen mit, dass ich im entscheidenden Zeitpunkt parat bin.

Wie wertvoll ist diese Bronzemedaille für Sie?

Das ist mein bisher grösster Erfolg. Ich habe zwar schon an den Paralympics 2012 in London Silber und auch an den letzten Weltmeisterschaften stets eine Auszeichnung gewonnen. Aber wegen der Voraussetzungen, mit denen ich in Rio ins Rennen gegangen bin, ist es für mich der mit Abstand wertvollste Erfolg. Während des ganzen Jahres hatte ich immer wieder muskuläre Probleme und konnte nie so trainieren, wie ich wollte. Zudem entsprach die komplett flache Strecke in Brasilien gar nicht meinem Geschmack, denn ich bin eher ein Bergfahrer.

Wie erlebten Sie das Handbike-Strassenrennen über 45 Kilometer?

Die zwei Besten fuhren schon früh auf und davon. Ich war in einer Vierergruppe zusammen mit einem Amerikaner, Schweden und Belgier. Das Durchschnittstempo betrug deutlich über 30 Kilometer pro Stunde. Auf den letzten Kilometern erhöhte der Amerikaner, mein grösster Konkurrent in dieser Gruppe, das Tempo. Doch stürzte er in der zweitletzten Kurve. In diesem Moment war ich überzeugt, dass ich es aufs Podest schaffen kann. In der letzten Kurve wählte ich eine bessere Linie und fuhr an den beiden anderen vorbei. Aber eigentlich habe ich immer an eine Medaille geglaubt.

Welches Gefühl hatten Sie kurz nach der Ziellinie?

Das ist schwierig in Worte zu fassen. Es war eine riesige Erleichterung, als ich als Dritter über die Ziellinie fuhr. Die zahlreichen harten Trainings in den vielen Jahren haben sich ausbezahlt. Super war, am Strassenrad meine Leute und den Staff zu treffen und mit ihnen zu jubeln und zu feiern. Das war genial.

Die Siegerehrung muss auch ein ganz spezieller Moment gewesen sein.

Mega eindrücklich war das. Zwar protokollarisch, aber wenn man hört «Representing Switzerland, Tobias Fankhauser» ist das Gänsehaut-Feeling pur. Ebenfalls wunderschön war die Kulisse am Strand.

Wie erlebten Sie die Stimmung in Rio de Janeiro?

Die Leute waren sehr freundlich, die Volunteers hatten immer ein Lächeln im Gesicht. Viele sprachen nur portugiesisch, da mussten wir uns mit Händen und Füssen verständigen. Alle waren zuvorkommend und versuchten stets zu helfen. Von den Zuschauermassen her wurden wir in London verwöhnt, dort war ausverkauft. In Rio säumten nur wenige Leute die Strecke – ein kleiner Wermutstropfen.

Immer nach Olympischen Sommerspielen finden an selber Stätte die Paralympics statt. Olympia ist in den Medien omnipräsent, von den Paralympics erfährt man nicht so viel.

Ich habe keine Probleme damit, wenn ich nicht der Schweizer Illustrierten Auskunft geben muss. Das ist ohnehin nicht mein Ding. Schön finde ich, wenn meine Leistungen respektiert werden. Das Schweizer Fernsehen hat einen grossen Teil der Leichtathletik-Events und die Eröffnungsfeier gezeigt. Das hilft uns extrem. Vielleicht braucht die Schweiz länger als andere Länder. Die Engländer machen es vor mit Channel 4. Dieser Sender hat in London die Rechte gekauft, um die Paralympics zu übertragen. Er machte eine riesige Show. Dies ist ein guter Weg zu zeigen, dass wir Menschen eine Behinderung haben, uns aber nicht bremsen lassen. Auch wir müssen viel arbeiten, um grossartige Leistungen zu erzielen.

Welches ist Ihr nächstes grosses sportliches Ziel?

Das kann ich im Moment nicht sagen. Zuerst muss ich Rio verarbeiten, dafür brauche ich wahrscheinlich ein paar Wochen. Ich muss runterfahren und wieder ganz zu Hause ankommen, um mir neue Ziele zu setzen. Nach wie vor habe ich grosse Freude am Sport und mache gerne weiter. Nächstes Jahr sind Weltmeisterschaften in Südafrika, in vier Jahren die Paralympics in Tokio. Es würde mich reizen, dort nochmals anzugreifen.

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