Reinach
Theaterstück «Ego» verbindet die Generationen der Theatergruppen

Seit 10 Jahren stehen bei der Theatergruppe «Wechselstrom» Kinder und Betagte gemeinsam auf der Bühne. Auch mit ihrem neusten Theaterstück «Ego» spielen verschiedene Generationen zusammen und möchte kritische Fragen stellen.

Thomas Brunnschweiler
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Führen gemeinsam Regie und leiten das Projekt: Priska Sager und Antonio Turchiarelli aus Reinach. Im Hintergrund: Ein Teil des Spielteams.

Führen gemeinsam Regie und leiten das Projekt: Priska Sager und Antonio Turchiarelli aus Reinach. Im Hintergrund: Ein Teil des Spielteams.

Thomas Brunnschweiler

Der Begriff Wechselstrom verweist einerseits auf die Wechselwirkung zwischen zwei unterschiedlichen elektrischen Polen, andererseits auf den menschlichen «Fantasiestrom» und die Energie, die Menschen miteinander verbindet. Diese Energie kommt insbesondere im Theaterspielen stark zum Tragen.

In einer der Sonntagsproben Mitte März in der Aula des kvBL in Reinach ist diese Energie zu spüren, aber es harzt noch etwas mit der Textsicherheit. Einzelne Szenen werden ganz geprobt, andere angespielt und besprochen. Da stehen etwa ein Mann und eine Frau im stecken gebliebenen Lift und kommen sich näher. Andere Mitspielende bilden mit ihren Rücken die Liftwände.

«Ego» als Wirklichkeit und Wahn

In diesem Jahr spielt die Gruppe aus Basel zusammen mit der Schülertheatergruppe «tiramisù» aus Reinach. Die Teilnehmenden sind zwischen 17 und 77 Jahre alt. Das Stück «Ego» entstand aus Improvisationen, die vom Deutschlehrer und Theaterpädagogen Antonio Turchiarelli in ein Textbuch überführt wurden. Das Thema «Ego» ist wie kaum ein anderes geeignet, die unterschiedlichen Selbstwahrnehmungen der Generationen zur Sprache zu bringen, Ich-Entwürfe zu diskutieren, kritische Fragen zu stellen. So heisst es irgendeinmal im Stück: «Auch die teuerste Fassade bröckelt irgendwann ab. Aussen, draussen alles fein, drinnen bin ich ganz allein.»

Aufführungen von «Ego»

Reinach: 29.03.2014, Aula Bildungszentrum kvBL, Weiermattstrasse 11.

Aesch: 4. und 5.04.2014, Schloss-Chäller, Hauptstrasse 23.

Basel: 10. und 11.04.2014; Quartiertreffpunkt Burg, Burgweg 7.

Jeweils um 20 Uhr.

Das 2004 von Priska Sager und Turchiarelli gegründete integrative Theaterprojekt erhielt 2007 den 13. schappo der Stadt Basel, was zeigt, welchen Stellenwert man der generationenübergreifenden Theaterarbeit zuerkennt. Priska Sager hat sich in ihrer Abschlussarbeit mit «Wechselstrom» auseinandergesetzt.

Für sie eröffnet die Theaterpädagogik einen neuen Zugang zu den Mitmenschen und sich selbst, erhöht die Körperwahrnehmung, führt zu präziserem Sprachgebrauch, schafft Selbstbewusstsein und fördert die Sozialkompetenz im Alltag. «Ein Auslöser für ‹Wechselstrom› war eine Anfrage der Grauen Panther. Das gab den Impuls, auch die vierte Generation einzubeziehen», erklärt Priska Sager im Gespräch.

«Wechselstrom» möchte den Generationenkontakt nicht nur auf, sondern auch neben und vor der Bühne fördern. Die Zuschauer sollen in den integrativen Prozess einbezogen werden. «Alle Teilnehmenden müssen vorgängig einen Kurs besuchen, da wir eine gewisse Professionalität voraussetzen», sagt Sager.

Selbstsicherheit gewonnen

Mike Ritter gehört mit seinen 19 Jahren zu den jüngeren Schauspielern. Er spielt im dritten Jahr bei «tiramisù» mit und jetzt erstmals bei «Wechselstrom». «Es macht Spass auf der Bühne zu stehen und Leute zu unterhalten», sagt er, «besonders gerne spiele ich komische Rollen. Dieses Mal spiele ich jemanden, der vorgibt, Kaiser zu sein. Das Theaterspielen hat mich etwa bei Vorträgen selbstsicherer gemacht.»

Laura Kammerer (30) spielt ebenfalls erstmals bei «Wechselstrom» mit. Schon während ihres Studiums der Sozialpädagogik stand sie auf der Bühne. «Es ist spannend, etwas ganz anderes zu spielen, als man selbst ist. Ich spiele eine verrückte Person mit ADHS», erklärt sie, «ich habe unglaublich Freude an der Zusammenarbeit mit den Jungen. Gerade das Generationenübergreifende hat mich angesprochen.»

Susann Müller, ehemalige Sozialarbeiterin, ist mit 77 Jahren die älteste Akteurin und hat seit rund zehn Jahren immer wieder mitgespielt. «Es ist eine Bereicherung, Junge kennen zu lernen», sagt sie, «ihre Hilfsbereitschaft und ihr Engagement brechen das eher negative Bild der heutigen Jugend auf. Ich spiele eine alleinstehende Frau, die via Inserat einen Partner sucht. Das Spielen dieser Rolle, in der es um Verschämtheit und Neugier geht, ist sehr spannend.»

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