Informatik
Technik-Notstand: Wüthrich packt endlich IT-Problem in Schulen an

An den Baselbieter Schulen ist die Informatik-Infrastruktur mangelhaft. Bildungsdirektor Wüthrich schlägt vor, dass die Lehrer ihre privaten Pc's beutzen und dafür entschädigt werden. Eltern von Schulkindern sind verärgert über die Computer-Probleme.

Benjamin Wieland und Michael Nittnaus
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Gestern sah sich Wüthrich vor den Lehrern viel Kritik ausgesetzt.

Gestern sah sich Wüthrich vor den Lehrern viel Kritik ausgesetzt.

Kenneth Nars

Seit Monaten hält die mangelhafte Informatik-Infrastruktur an den Baselbieter Schulen die Regierung auf Trab. Zwar ist zurzeit eine Vorlage im internen Mitwirkungsverfahren und soll noch 2012 in den Landrat kommen. Doch solange wollen sich die Lehrer nicht gedulden – das wurde an der gestrigen Delegiertenversammlung der Amtlichen Kantonalkonferenz der Baselbieter Lehrer (AKK) klar: Bildungsdirektor Urs Wüthrich wurde mit Fragen zur Schul-IT überhäuft. «Es besteht tatsächlich viel Nachholbedarf. Baselland ist bei der technischen Ausrüstung der Schulen deutlich im Hintertreffen», gestand er ein.

200 Franken für privaten PC

Eine kleine Spitze konnte sich Wüthrich dabei nicht verkneifen: «Das liegt auch daran, dass die Gemeinden ihre Sekschulen vor der Übergabe an den Kanton vernachlässigt haben.» Der Bildungsdirektor wartete gestern mit einem neuen Vorschlag auf: Die Lehrer verwenden ihren privaten Computer und erhalten dafür eine Entschädigung. Auf Nachfrage der Lehrer liess sich Wüthrich etwas widerwillig eine Zahl entlocken: Er gehe von rund 200 Franken im Jahr aus. Genau diese Nutzung der Privatgeräte hatte der Lehrerverband Baselland (LVB) in der letzten Ausgabe seiner Zeitschrift «Inform» kritisiert. Es sei ein «veritabler Skandal», entrüstet sich der LVB: «Kein Pizza-Kurier liefert Pizzas mit seinem Privatauto aus.» Der neue Vorschlag Wüthrichs könnte die Gemüter etwas besänftigen.

Auch auf der Seite der Eltern werden die Zustände offenbar nicht mehr länger hingenommen. Christina Aenishänslin hat Anfang November beim Regierungsrat Beschwerde eingelegt. Ihre Tochter besucht die erste Klasse in der Sekundarschule Liestal. Auch die Widrigkeiten im dortigen Informatik-Unterricht sind seit Monaten bekannt. Bereits im September richtete sich Schulleiter Thomas Hostettler in einem Brief an die Eltern. Darin teilte er ihnen mit, dass sich die Reklamationen über Probleme mit der Informatik gehäuft hätten, Schuld daran seien jedoch nicht die Lehrer, sondern schlechte Server und ungenügende Router.

Unterricht suspendieren

In der Zwischenzeit hätten die Schwierigkeiten etwas abgenommen, sagt Hostettler zur bz. Man habe Verbesserungen vornehmen können und in Kürze würde ein leistungsfähigeres Modem installiert, so der Schulleiter weiter. Anders beschreibt Aenishänslin die Situation: Rund zwei Monate nach dem Elternbrief sei an einen normalen Unterricht immer noch nicht zu denken. Sie hat auch eine Lösung auf Lager: den Informatik-Unterricht vorerst aussetzen. «Die Schüler könnten während dieser Lektionen etwas anderes lernen und das Verpasste im kommenden Jahr nachholen», schlägt die besorgte Mutter vor.

Wüthrich: «Bei Bildungs-Initiativen wird gelogen»

Urs Wüthrich packte gestern die Gelegenheit beim Schopf, an der Delegiertenversammlung der Amtlichen Kantonalkonferenz der Baselbieter Lehrer (AKK) in Muttenz gegen die drei Bildungs-Initiativen Stimmung zu machen, über die in zehn Tagen abgestimmt wird. Seine Mission war klar: «Die Delegierten sollen nicht zu Komplizen einer Ja-Kampagne werden, die Lügen verbreitet», wird er gegenüber der bz deutlich. So könne von einem «Bildungsabbau» nicht die Rede sein und auch die Behauptung, dass 39 Prozent der Schüler repetieren müssten, sei schlicht falsch.

Im Plenum stiess Wüthrich auf viel Skepsis. «Ich bedaure ihre Position, Herr Wüthrich. Es scheint mir sie werden von allen Seiten ‹gezwickt und geballmert›», liess sich ein Lehrer zu einem Wortspiel hinreissen. Die Situation an den Schulen sei keineswegs gut und müsse sich ändern. «Die Schulen werden nicht zusammengespart», betonte Wüthrich.

Gleichzeitig verwies er darauf, dass durch das Nein zu den Sparvorlagen vom 17. Juni 26 Millionen Franken nun an anderer Stelle gespart werden müssten: «Und es gibt Direktionen, die sagen, nun müsse auch ich mal drankommen.» Einen Sonderapplaus erntete eine Lehrerin, die vorschlug, anstatt der ewigen Spardebatten sich doch zu einer Steuererhöhung durchzuringen. Wüthrich trocken: «Ich werde Finanzdirektor Ballmer ausrichten, dass erstmals für eine Steuererhöhung geklatscht wurde.» Er verwies darauf, dass in Baselland wegen der sozialen Steuerkurve höchstens niedrige Einkommen stärker besteuert werden könnten. Für diese Bemerkung gab es erwartungsgemäss keinen Applaus mehr. (mn)

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