Dornach
Stille sitzen mit Blocher bei «SVP bi de Lüüt»

Zwischen Alleinunterhalter und Wanderprediger: Christoph Blocher hat am Montagabend eine Rede in Dornach gehalten. Der SVP-Übervater griff nach wohlbekannten Feindbildern - etwa der EU, einem «Gross-Konstrukt, das nicht funktionieren kann.»

Benjamin Wieland
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Unter Freunden – gegen die EU: Christoph Blocher reproduziert in Dornach wohlbekannte Feindbilder.

Unter Freunden – gegen die EU: Christoph Blocher reproduziert in Dornach wohlbekannte Feindbilder.

Martin Toengi

«Stille sitzen». So habe man früher in Bern Neutralität verstanden. Und genau das sollten auch die heutigen Politiker wieder häufiger tun, statt sich überall einzumischen.

Der das fordert, sitzt selber nicht stille. Er steht auf einem Podium in der Festhalle des Restaurants Schlosshof in Dornach und donnert in ein Mikrofon. Stille sitzen – das wollen die Zuhörer ebenso wenig. Sie lachen, wenn sich der Redner einen Scherz erlaubt, sie klatschen Beifall, wenn er etwas sagt, was ihnen besonders gefällt, ihre Mienen verfinstern sich, wenn er warnt vor dem Untergang der Schweiz. Und das tut er an diesem Montagabend oft.

«Vordenker der Schweiz»

Christoph Blocher ist nach Dornach gekommen, zu «SVP bi de Lüüt», gemeinsam veranstaltet von der SVP Solothurn und der SVP Baselland. Dies passte jeodch nicht allen (die bz berichtete).

«Ich bin hier», gibt er sich gleich zu Beginn seiner Rede vor den rund 500 Gästen bescheiden, «weil ich eingeladen worden bin. Man sagte, ich sollte ein paar Worte zu den Wahlen sagen.» Als «Vordenker der Schweiz» wurde der alt Bundesrat von Christian Imark angekündigt. Der Solothurner SVP-Kantonsrat war wegen des Besuchs des Partei-Übervaters wohl etwas nervös – so vergass er prompt, den Jodlerklub Therwil einzuführen, der zuvor ein Ständchen halten wollte.

Die Jodler durften dann doch noch ran. Sie besangen eine Schweiz, die es so nicht gibt, nie gab und auch nie geben wird, wie sie Blocher aber sicher behagen würde: Gotthard, Enzian, Matten, Berge – das Paradies. Blocher nimmt den Liedtext auf. Der Chor habe schon ein wenig übertrieben, flachst er. Ein Paradies, das sei die Schweiz nicht, aber trotzdem wunderschön und vor allem frei, und deshalb würden ja auch alle hierher kommen wollen. Und das müsse verhindert werden, bei den eidgenössischen Wahlen am 18. Oktober.

In der gut 50-minütigen Rede zeigt sich: Blochers Welt hat sich nicht verändert. Sie ist eine durch und durch klare, logische. Jede Wirkung hat eine eindeutige Ursache. Simple Losungen erklären die Wirklichkeit. Eritreer sind keine echten Flüchtlinge. Politikern darf man nicht trauen. Tritt die Schweiz der EU bei, sind wir verloren.

Die Schweiz - ein Fahrgeschäft

Blochers Schweiz funktioniert wie ein Fahrgeschäft am Jahrmarkt: Drückst du auf diesen Knopf, passiert das. Ziehst du an jenem Hebel, passiert dies. Und dieses Fahrgeschäft ist bedroht, von innen und von aussen. Die Feinbilder sind wohl bekannt, und sie finden in seiner Rede alle Platz: der Bundesrat, Politiker generell (vor allem «die in Bern»), dann Bundesrichter, fremde Richter, fremde Gesetze, die Universitäten, die «Gescheiten» und eine Angela Merkel, der es doch tatsächlich in den Sinn komme, Deutschlands Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen und dann zu verkünden: «Wir schaffen das!» Und die EU, die EU, die EU.

Gerade die EU. Eindringlich warnt er vor diesem «Gross-Konstrukt, das nicht funktionieren kann». Noch mehr warnt er vor den Politikern, die die Schweiz in diese EU führen wollten. Die Politiker wollten heutzutage Europa mitgestalten. Vom Polarkreis bis nach Sizilien, von England bis zum Ural wollten sie Europa mitgestalten, diese Politiker. Sie hätten so Freude daran, dieses Europa mitzugestalten, wusste Blocher zu berichten, dass manchem von ihnen gar der Speichel aus dem Mund laufe. Dabei sollten sie nicht umherreisen, sondern sich um das eigene Land kümmern. Eben: «Stille sitzen.»

Acht Flaschen Wein

Die Rede kommt gut an. Stehende Ovationen für Blocher und acht Flaschen Wein. Nach ihm erheben noch weitere Personen das Wort, darunter der Solothurner SVP-Nationalrat Walter Wobmann. Doch der Geräuschpegel ist oft so hoch, dass man Mühe hat, das Gesagte zu verstehen.

Blochers Rede ist vorüber. Stille sitzen – das will jetzt erst recht niemand mehr.

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