Baselland
Spanplatten, Unkraut und vergitterten Fensterfronten: Rund um Ex-Poststellen herrscht Tristesse

In einigen Baselbieter Gemeinden stehen ehemalige Post-Filialen verlassen da. Umnutzungen sind oft schwierig – und brauchen viel Zeit.

Hans-Martin Jermann
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Die ehemalige Poststelle von Frenkendorf befindet sich heute in privater Hand und steht seit 2013 leer da. Zumindest von aussen ist eine Nutzung nicht erkennbar.
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In Hölstein scheint es, als würden die Postfächer täglich geleert. Das gelbe Brett anstelle des Briefkastens gibt einen Hinweis.
Die ehemalige Poststelle Am Eingang der Post Grellingen.
Rund um Ex-Poststellen herrscht Tristesse
Gelungen: In die Post von Schönenbuch ist der Volg eingezogen – mit Postagentur.

Die ehemalige Poststelle von Frenkendorf befindet sich heute in privater Hand und steht seit 2013 leer da. Zumindest von aussen ist eine Nutzung nicht erkennbar.

CH Media

Das ehemalige Postgebäude von Frenkendorf bietet einen trostlosen Anblick: Der Zugang zur Loggia mit den Postfächern ist mit Spanplatten verrammelt, auf dem Vorplatz, der nicht durchgängig geteert ist, spriesst Unkraut. An der vergitterten Fensterfront erkennt man, dass das Gebäude mal eine Post oder etwas Ähnliches gewesen sein muss. Seit Schliessung der Filiale im Oktober 2013 ist das Erdgeschoss im Gebäude unweit des Bahnhofs ungenutzt. Zumindest ist von aussen keine Nutzung erkennbar. Post-Dienstleistungen werden seither im Volg im Ortskern Frenkendorfs angeboten. Das ehemalige Post-Gebäude befindet sich nun in privater Hand.

Dutzende Baselbieter Gemeinden haben im vergangenen Jahrzehnt ihre Poststelle verloren. Die Schweizerische Post zählt derzeit gerade noch 23 eigenbetriebene Filialen im Kanton. In Bottmingen und Läufelfingen steht die Schliessung bevor. Mit den beiden Gemeinden suche man derzeit nach Alternativlösungen, teilt die Post auf Anfrage mit. Ein Entscheid steht noch aus.

«Hier bitte nicht kiffen und auf den Boden spucken»

Mancherorts herrscht in ehemaligen Poststellen traurige Leere. Etwa in Grellingen: Hier wurde die Filiale am 19. November 2018, vor ziemlich genau zwei Jahren, geschlossen und im Coop eine Agentur eröffnet. Wie in anderen Gemeinden hat die Post das Gebäude nach Schliessung verkauft. Doch eine neue Nutzung wurde auch hier trotz guter Lage am Bahnhof bisher nicht gefunden. An die Eingangstür hat jemand einen Hinweiszettel geklebt: «Hier bitte nicht kiffen und nicht auf den Boden spucken, danke.» Der Vorplatz kämpft augenscheinlich mit Problemen öffentlicher Orte, obwohl er streng genommen kein solcher mehr ist.

Gepflegter sieht es in Hölstein aus. Kein Wunder: Die Post ist hier noch mit einem kleinen Paketverteilzentrum fürs Waldenburgertal vertreten. Gleichwohl wirkt der Anblick skurril; die Schliessfach-Anlage erweckt den Eindruck, als sei sie noch in Betrieb, nur ein gelbes Brett anstelle des Briefkastens weist auf Veränderungen hin. Am Eingang klebt ein Zettel, der darauf aufmerksam macht, dass die Filiale am 29. Juni 2018 definitiv schliessen werde. Auch eine Telefonkabine – die ehemalige PTT lässt grüssen – steht da. Es wirkt, als wäre die Zeit stehen geblieben.

In Hölstein ist die Post künftig ein Gemeindehaus

Hinter den Kulissen ist in Hölstein zuletzt allerdings einiges passiert: Die Gemeinde hat von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht und das ehemalige Postgebäude per 1. November für 640'000 Franken erworben. Weitere 540'000 Franken werden für Sanierungs- und Umbauarbeiten nötig sein. Beide Kredite wurden von der Gemeindeversammlung kürzlich abgesegnet.

Der Schalterraum wird von den einst von der Post genutzten Gebäudeteilen getrennt und künftig als Mehrzweckraum dienen. Dieser soll sowohl den Gemeindebehörden als auch Vereinen und sonstigen Mietern offenstehen. Gemeindepräsidentin Andrea Heger bezeichnet den Kauf als «interessante Gelegenheit». In einer Umfrage habe die Bevölkerung ihr Bedürfnis nach einem solchen Lokal kundgetan, betont sie. Mit der Agentur im zentraleren Dorfladen sei diese punkto Postdienstleistungen gut versorgt. Für Hölstein kann man das Fazit ziehen: Ende gut, alles gut.

«Storchen»-Neubau wird erst in ein paar Jahren stehen

In Grellingen ist man noch nicht soweit. Seitens der Gemeinde besteht derzeit kein Interesse, das Gebäude zu kaufen, sagt Gemeindepräsident Alex Hein. Eine Umnutzung der Filiale würde man jedoch sehr begrüssen, gerade wegen der zentralen Lage. «Wir verfolgen derzeit andere und grössere Projekte zur Entwicklung Grellingens», betont Hein.

Gleich neben der Post steht seit Jahren das ehemalige Hotel Storchen leer. Gemeinde und Grundeigentümer stehen in Verhandlungen für einen Neubau. Darin könnte es im Erdgeschoss kleine Läden oder Praxen und in den oberen Stockwerken Wohnungen geben. «Ist dieses Projekt realisiert, dann verleiht das sicher auch Schwung für eine neue Nutzung der Poststelle», sagt Hein. Die Gemeinde wünscht sich daher eine zeitnahe Realisierung des «Storchen»-Neubaus. Dennoch wird dieser wohl erst in ein paar Jahren stehen.

Wirtschaftliches und soziales Leben aufrechterhalten

Im Nachbardorf Zwingen wurde die Filiale erst im Juli geschlossen; seither betreibt eine Tankstelle eine Post-Agentur. Die Post strebt einen Verkauf des verwaisten Gebäudes an, heisst es. Demgegenüber wurde die Rauracher-Post in Riehen bereits 2015 geschlossen. Auch hier wurden bauliche Provisorien angebracht, das Gebäude ist noch immer als ehemalige Poststelle erkennbar.

In anderen Fällen ist die Umnutzung gelungen: In Schönenbuch ist der Dorfladen in die Filiale eingezogen – letzterer betreibt erst noch die Postagentur. Der Idealfall. Am Lindenplatz in Allschwil ist ein Schnellimbiss in die ehemalige Post eingezogen, in Reigoldswil ein Veloladen. Auch das sind gute Lösungen, weil sie wirtschaftliches und soziales Leben in den Quartieren und Gemeinden aufrechterhalten. Offensichtlich aber ist: Die Transformation ehemaliger Poststellen stellt eine Herausforderung dar. Und sie benötigt Zeit, viel Zeit.

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