Sissach
Soul-Sängerin Ira May: «Ich brauche meine Sissacher Wurzeln»

Sie wird als Amy Winehouse der Schweiz bezeichnet, ist aber trotzdem auf dem Boden geblieben: Die Sissacherin Ira May. Im Interview erklärt sie, warum sie kein Stadtmensch ist, wie viel Heimat in ihren Songs steckt und wie sie ihr Vater geprägt hat.

Michael Nittnaus
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Ira May lebt noch immer in Sissach.

Ira May lebt noch immer in Sissach.

Eva Thar/Maiwolf Photography

Mit dem Erfolg kommt der Trubel: Am Tag, an dem ihr Debütalbum erscheint, reist Ira May von Auftritt zu Auftritt durch die ganze Schweiz. Die bz erreicht sie im Tourbus auf der Fahrt zwischen St. Gallen und Zürich. «Für Euch habe ich natürlich immer Zeit», sagt die Sissacherin und lacht.

Ira May, Sie tragen jetzt einen Künstlernamen, aber im Baselbiet dürften Sie für die meisten noch immer Iris, die Tochter des bekannten Journalisten Robert «Bobby» Bösiger sein. Wie sehr hat er Ihren Werdegang geprägt?

Ira May: Natürlich hat mich mein Vater stark beeinflusst. Er besitzt eine riesige Plattensammlung mit viel Black Music, die ich schon als Kind rauf- und runtergehört habe. Später wetteiferten wir dann sogar, wer mehr Alben sammeln kann. Überhaupt haben mich meine Eltern immer unterstützt und sind jetzt Feuer und Flamme, wie sich plötzlich alles entwickelt. Ohne ihre Unterstützung hätte ich das auch nie durchziehen wollen.

Wie viel Sissach steckt denn noch in Ira May?

Noch sehr viel. Ich brauche meine Sissacher Wurzeln. Meine Familie und Freunde sind alle dort. Das ist für mich das absolut Wichtigste. Deshalb werde ich in absehbarer Zeit auch nicht wegziehen. Und auch wenn ich viel unterwegs bin, komme ich immer wieder heim.

Zieht es Sie denn nicht in eine grosse Metropole wie Berlin? Schliesslich stehen Sie mit «Peripherique» auch bei einem deutschen Label unter Vertrag.

Ich bin kein Stadtmensch und habe nicht das Bedürfnis, der Karriere wegen in eine Metropole zu ziehen. Dafür liebe ich die ländliche Ruhe zu sehr. Überhaupt kann man im heutigen digitalen Zeitalter überall entdeckt werden. So war es ja dann auch bei mir.

Erzählen Sie.

Der deutsche Hip-Hop-Produzent Shuko stiess per Zufall über Facebook auf eines meiner Lieder und kontaktierte mich daraufhin. Das hätte ich wirklich nie zu hoffen gewagt.

Und zwei Jahre später ist nun Ihr erstes Album «The Spell» erschienen. Die bz schrieb am Donnerstag in ihrer Kritik: «Diese Stimme! Dieses dunkle Timbre, diese Hingabe ...» Ist die Platte so geworden, wie Sie es wollten oder wurde viel fremdbestimmt?

Ich habe ja alle Songs selber geschrieben und die meisten auch selber komponiert. Auf das Resultat bin ich wirklich stolz und kann absolut dahinterstehen. Die Produzenten liessen mir alle Freiheiten. Mein Label ist sowieso ein sehr familiärer Betrieb, sodass ich mich sehr wohl fühlte.

Steckt auch etwas Baselbiet in den Liedern?

Natürlich habe ich meine eigenen Erfahrungen in den Liedtexten verarbeitet, doch inspiriert haben mich eher die Menschen, denen ich begegnet bin, als die Landschaft selbst.

Sie werden auch als Amy Winehouse der Schweiz bezeichnet. Ehrt oder stört Sie der Vergleich?

Natürlich ist das eigentlich ein Riesenkompliment, aber mittlerweile stört es mich schon etwas. Ich singe zum Beispiel deutlich tiefer als Amy es getan hat. Letztlich möchte ich als eigenständige Künstlerin wahrgenommen werden.

Ein weiterer Vergleich drängt sich allerdings auf: Vergangenen Herbst veröffentlichte die Birsfelderin Nicole Bernegger ebenfalls ihr Debütalbum. Sie hatte zuvor die Castingshow «The Voice of Switzerland» gewonnen, doch bis jetzt blieb der grosse Erfolg aus. Sie hingegen schieden 2002 bei «Music Star» früh aus und bezeichnen dies rückblickend als Glücksfall ...

Unser Musikstil ist tatsächlich ähnlich, aber jede ist ihren eigenen Weg gegangen. Nicole wünsche ich allen Erfolg. Ich habe Sie früher mal mit ihrer Band «The Kitchenettes» spielen sehen. Bei «Music Star» war ich allerdings erst 15 Jahre jung. Das ist natürlich schon ein Unterschied. Für mich hat es sich so, wie es gelaufen ist, letztlich ausbezahlt.

Was aber, wenn sich der grosse Erfolg doch nicht einstellt?

Ich bin da relativ locker drauf. Das Gute ist ja, dass wir bei der Produktion gar nie im Sinn hatten, damit die Charts zu stürmen. Shuko und ich wollten einfach versuchen, eine Platte zu machen, die mir entspricht. Wenn sie nun auch der Öffentlichkeit gefällt, umso besser. Natürlich ist es Hammer, wie es zurzeit läuft, aber sonst könnte ich mir auch vorstellen, für andere Künstler Songs zu schreiben.

Am 1. Februar stehen Sie im Marabu Gelterkinden auf der Bühne. Freuen Sie sich darauf?

Das ist für mich etwas ganz Spezielles: Auf dieser Bühne habe ich als 13-Jährige meinen ersten Solo-Auftritt überhaupt hingelegt.

Jetzt im Marabu ... und in ein paar Jahren in der Londoner Royal Albert Hall?

Das wäre natürlich das höchste der Gefühle. Aber ich plane fest damit, auch immer wieder in der Region aufzutreten, denn hier leben die Menschen, die mir wirklich wichtig sind.

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