Hölstein
Sie stimmen nicht ins Klagelied ein und starten mit Dorfladen durch

Die beiden tamilischen Schwestern Pamini Sabesan und Samini Yoganathan starten mit ihrem Laden durch.

Andrew Antonius und Lukas Hayoz*
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Die Ladenbetreiberinnen Pamini Sabesan (links) und ihre Schwester Samini Yoganathan setzen auf Frischprodukte vom Bauern nebenan.

Die Ladenbetreiberinnen Pamini Sabesan (links) und ihre Schwester Samini Yoganathan setzen auf Frischprodukte vom Bauern nebenan.

zvg

Vor einem Jahr haben die beiden tamilischen Schwestern Pamini Sabesan und Samini Yoganathan den Dorfladen in Hölstein übernommen – jetzt ziehen sie eine positive Bilanz. Das ist bemerkenswert in einer Region, in der fast alle Lebensmitteldetailhändler wegen des starken Frankens mit rekordhohem Einkaufstourismus im benachbarten Ausland zu kämpfen haben.

Einen Quartierladen zu führen, war der Traum der gelernten Detailhandelsfachfrau Sabesan. Diesen setzte sie vor vier Jahren erstmals in Ormalingen um, wo mittlerweile der Mann ihrer Schwester wirkt. Sie selbst ist jetzt in Hölstein gelandet. In beiden Fällen wurde respektive wird sie von ihrer Schwester tatkräftig unterstützt. Die beiden Frauen leben seit 18 Jahren in der Schweiz, sind verheiratet und haben Kinder. Wie sieht die Erfolgsformel der beiden Schwestern aus?

Beliebter Sonntagsverkauf

Zuoberst steht für die beiden Frauen die Kundenzufriedenheit. Deshalb nehmen sie sich viel Zeit, um ihre Kunden kennen zu lernen und mehr über deren Wünsche zu erfahren. Sie können so ihr Sortiment entsprechend anpassen. Die Kunden, so sagt Sabesan, wollten frische, regionale, teilweise auch vegetarische Produkte. Sie bezieht deshalb viel frische Ware von Bauern aus der Region, die die beiden Schwestern wie auf dem Markt präsentieren.

Dazu gehören saisonales Gemüse, Eier und Fleisch, aber auch regionale Spezialitäten. Sabesan sagt aber auch: «Ich will die Bauern in der Umgebung fördern und zahle ihnen einen fairen Preis für ihre Produkte. Gleichzeitig will ich die Verbundenheit der Kunden zur Region stärken. Das kommt gut an und ist nachhaltig.» Die Kunden wünschten daneben auch günstige Fertigprodukte. Diese beziehen die beiden Schwestern von der Spar-Zentrale in St. Gallen.

Ohne Fleiss kein Preis: Pamini Sabesan steht jeweils frühmorgens auf, um die beliebten frischen Sandwiches – jeweils 80 an der Zahl – vorzubereiten. Und seit der Neueröffnung steht der Hölsteiner Dorfladen auch sonntags offen. Dies sei sehr beliebt bei den Kunden und helfe dem Geschäft, trotz hohem Konkurrenzdruck durch Grossverteiler und Einkaufstourismus rentabel zu bleiben.

Das bedeutet für die beiden Frauen ungewöhnliche Arbeitszeiten, wobei sie am Sonntag Hilfe von ihrem Cousin erhalten. Samini Yoganathan sagt: «Jeder Rappen zählt. Und für die Kunden ist das Einkaufen am Sonntag besonders stressfrei und sie schätzen diesen Tag.»

Nähe und Frische vor Preis

Die Schwestern führen ihren Laden damit weitgehend so, wie es eine Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) von 2015 über die Erfolgsfaktoren im Detailhandel proklamiert. Dort ist unter anderem zu lesen, dass der Kunde der Zukunft informative Nähe, das Spezielle, ein ausgesuchtes regionales Angebot und Convenience anstelle von Standardisierung, Globalisierung und Kommerzialisierung wünscht.

«Im Food-Bereich wird Nähe, Frische und Freude den Kern des Erfolgs ausmachen. Das Argument Preis ist wichtig, aber nicht Priorität.» Und weil sich die Erwartungen der Kunden an den Handel ändern, gewinne, wer seine Kunden am besten kenne und die besten Beziehungen zu ihnen aufbauen könne, so die Studie des GDI.

Pamini Sabesan und Samini Yoganathan versuchen auch, sich in die Situation ihrer Kundinnen und Kunden zu versetzen. So sagen die beiden unisono: «Wenn wir alt sind und nicht mehr Auto fahren können, finden wir es auch gut, wenn es einen Laden im Dorf gibt und wir nicht mit dem öV einkaufen gehen müssen.»

*Die beiden Autoren Andrew Antonius und Lukas Hayoz besuchen das Gymnasium in Liestal und haben diesen Text im Rahmen des freiwilligen Akzentfachs Spurensuche recherchiert und geschrieben.

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