SENSATION
Dieser seltene Schmetterling ist nach fast 50 Jahren zurück im Baselbiet

Die Rückkehr des Trockenrasen-Dickleibspanners kommt einem Qualitätssiegel für die Baselbieter Naturschutzgebiete gleich.
Die Hoffnung ist gross, dass sich der Nachtfalter regional wieder stark ansiedelt.

Eva Oberli
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Das pelzige Weibchen (rechts) unter dem Flügel des Männchens.

Das pelzige Weibchen (rechts) unter dem Flügel des Männchens.

Bilder: zvg

Fast ein halbes Jahrhundert war er verschwunden, nun ist er wieder da. Der braun-weiss gezeichnete Nachtfalter mit dem klingenden Namen Trockenrasen-Dickleibspanner. Vor wenigen Tagen wurden gleich drei Exemplare der gelb-bläulich gefärbten Raupe bei einer nächtlichen Insektenerhebung im Auftrag des Ebenrain-Zentrums für Landwirtschaft, Natur und Ernährung entdeckt. Fundort der Falterlarven war eine blumenreiche Magerwiese auf Bubendörfer Boden im Gebiet «Fieleten». Dieses gehört zum kantonalen Naturschutzgebiet «Landschachen-Huppergruben» zwischen Bubendorf und Lausen.

Mit dem Lebensraum kehrt die Artenvielfalt zurück

Die Entdeckung des eher unscheinbaren Falters ist für das Baselbiet eine kleine Sensation. Der letzte seiner Art wurde im Jahr 1975 bei Buus gesichtet, danach schien er für Jahrzehnte ausgeflogen.

«Es ist natürlich unsere grosse Hoffnung, dass sich aus diesen ersten drei Raupen eine starke Population entwickelt»,

sagt Markus Plattner, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft beim Ebenrain, auf Anfrage. Weitere mögliche Lebensräume für den Trockenrasen-Dickleibspanner würden sich im Kanton durchaus bieten, etwa auf Trockenwiesenflächen im Laufental.

Drei dieser Exemplare fressen sich derzeit in der «Fieleten» durch die Magerwiesen.

Drei dieser Exemplare fressen sich derzeit in der «Fieleten» durch die Magerwiesen.

Der Trockenrasen-Dickleibspanner ist in seinem Fressverhalten nicht gerade wählerisch. Sein Speiseplan umfasst verschiedene Kräuter, darunter Esparsette, Salbei, Flockenblume und Hornklee. Trotzdem verschwand er vor 46 Jahren scheinbar gänzlich aus der Region. Dies, weil damals nicht genügend Lebensräume für die Tiere vorhanden gewesen seien, erklärt Markus Plattner.

Heute ist das anders. Wie viele andere Akteure setzt sich der Ebenrain stark für die Biodiversitätsförderung im Landwirtschaftsgebiet ein. Auch der örtliche Landwirt, der die Wiesen in der «Fieleten» extensiv bewirtschaftet, wird mit finanziellen Beiträgen unterstützt. Der Plan scheint aufzugehen.

Wildtiere müssen wandern können

Die Vernetzung der trockenen und nassen Lebensräume erfolgt mit Hilfe der vom Bund vorgegebenen Installierung von ökologischen Infrastrukturen. Diese Vernetzungspunkte, zwischen Weihern oder Trockenwiesen beispielsweise, erlauben im Grunde eine selbstständige, flächenübergreifende Wiederansiedelungen ohne menschliches Zutun, wie Plattner erklärt. Anlagen wie Wildtierkorridore sind wichtig, denn sie erlauben verschiedensten Tierarten, zu wandern und neue Lebensräume zu erschliessen.

Die ersten Trockenrasen-Dickleibspanner gibt es nun also bei Bubendorf. Wie der Falter konkret dahin gekommen ist, kann sich Markus Plattner nicht so genau erklären. Denn die männlichen Vertreter der Art können zwar fliegen, die pelzigen Weibchen jedoch sind nur mit kurzen Flügelstummelchen ausgestattet und damit flugunfähig.