Bauprojekte
Schul-Sanierungen fallen dem Baselbieter Spardruck zum Opfer

Viele Sek-Schulbauten sind in die Jahre gekommen. Einige Schulhäuser mussten ihre Sanierung aber aus finanziellen Gründen verschieben.

Michael Nittnaus
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Die Sek-Schule Bachmatten in Reinach ist modern. Der geplante Ergänzungsbau steht aber in der Kritik.

Die Sek-Schule Bachmatten in Reinach ist modern. Der geplante Ergänzungsbau steht aber in der Kritik.

Kenneth Nars

«Geben Sie mir Geld und dann bauen wir alles.» Bei dieser saloppen Bemerkung von Baudirektorin Sabine Pegoraro schwang am Mittwoch auch eine gehörige Portion Verzweiflung mit. Es war ihre Antwort auf die Frage, ob die Verschiebung vieler Sanierungsprojekte von Baselbieter Sekundarschulen nicht zu verhindern gewesen wäre. Denn beim vorgestern präsentierten Investitionsprogramm 2015-24 fällt auf, wie viele Sek-Schulbauten von den zurückgestellt worden sind. Die in die Jahre gekommenen Schulgebäude der Sek Münchenstein, Allschwil, Muttenz, Binningen, Reinach und Laufen müssen bis zu einem Jahrzehnt auf gewisse Sanierungsschritte warten (siehe Kasten).

Die Sanierungen verschieben sich

Gym Münchenstein: Sanierung der Aussenhülle (2. Etappe) und die Innensanierung und Nutzungsanpassungen (2. Etappe) des Gebäudes werden von 2018 auf 2019 verschoben (26 Mio. Fr.). Die Instandsetzung der Innenräume läuft normal weiter, wie auch der für 2017/18 geplante Erweiterungsbau.

Sek Münchenstein: Grossteil der Sanierung des Lerchen-Schulhauses wie geplant (19 Mio. Fr.). Die Turnhalle wird auf nach 2025 verschoben (10 Mio. Fr.).

Sek Allschwil: Die Gesamtsanierung wird auf nach 2025 verschoben. Sofortmassnahmen bei Schulküchen und Gruppenräume werden allerdings umgesetzt.

Sek Muttenz: Erweiterungsbau für Hinterzweien auf nach 2025 verschoben (12 Mio. Fr.). Weiternutzung des alten Schulhauses Gründen.

Sek Reinach: Sanierung des Schulhauses Lochacker auf nach 2025 verschoben (10 Mio. Fr.). Zwischennutzung vorgesehen. Dafür Ergänzungsbau ans Schulhaus Bachmatten 2017–
2020 (12 Mio. Fr.).

Sek Binningen: 1. Etappe der Gesamtsanierung abgeschlossen. 2. Etappe in zwei Phasen geteilt: Sofortmassnahmen werden umgesetzt, Gesamtsanierung auf nach 2025 verschoben.

Sek Laufen: Baustart des Neubaus auf 2018 verschoben, Planung hat begonnen.

«Natürlich gefällt das den meisten Schulleitungen nicht, aber sie wissen um unsere finanzielle Situation», sagt Marco Frigerio auf Anfrage. Der stellvertretende Leiter des Baselbieter Hochbauamtes ist für die Projektierungen zuständig. Tatsächlich zeigen alle von der bz angefragten Schulleiter Verständnis für den Spardruck des Kantons. Auch loben sie die Zusammenarbeit mit der Baudirektion, die sie vorab über die Verschiebungen informiert hatte.

Reinach möchte Neubau

Doch für einige sind sie durchaus problematisch: «Unsere Lehrer sind verunsichert. Schliesslich müssen wir nun die jahrelange Vorarbeit und Planung einstellen», sagt Michael Wüthrich. Der Co-Schulleiter der Sek Muttenz bedauert den Entscheid des Kantons, den Erweiterungsbau für das Schulhaus Hinterzweien auf nach 2025 zu schieben. «Wir brauchen diese Erweiterung», hält er fest. Dass Muttenz nun das alte Schulhaus Gründen statt für zwei für bis zu zehn Jahre weiternutzen muss, stimmt Wüthrich dementsprechend nicht unbedingt glücklich. Das Gebäude sei klar sanierungsbedürftig. Wüthrich weiss aber auch, dass es anderen Sekschulen noch schlechter geht: «Ich vertraue dem Kanton, dass er richtig einschätzt, welche Bauten wie lange noch nutzbar sind.»

Etwas weniger Vertrauen scheint Michael à Wengen zu haben. Für den Schulleiter der Sek Reinach macht das dortige Vorhaben des Kantons wenig Sinn: «Die Aufteilung der Sanierung in zwei Tranchen bringt nichts.» Das Schulhaus Lochacker sei «ziemlich lotterig», eine Sanierung bringe deshalb kaum etwas und könne sicher nicht bis 2025 warten. Und der zur Entlastung ab 2017 geplante kleine Ergänzungsbau ans Schulhaus Bachmatten biete zu wenig Platz. Für à Wengen gibt es nur eine Lösung: ein Ersatzneubau für das Lochacker – und das schon bald. «Ich hoffe, dass der Kanton genügend gesunden Menschenverstand aufbringt, das Projekt in einer einzigen Tranche ab 2018 zu realisieren.» Schliesslich hatte Finanzdirektor Anton Lauber am Mittwoch selbst betont, dass ab 2018 für neue Projekte wieder etwas mehr Luft vorhanden sei. Und à Wengen hat ein gutes Argument: Das Lochacker wird zurzeit zu zwei Dritteln an die Primarschule fremd vermietet. «Deswegen erfüllen wir die Raumvorgaben des Kantons nicht.»

Sicherheit ist gewährleistet

Frigerio sind allerdings die Hände gebunden: «Klar würden wir lieber alle Gesamtsanierungen durchziehen, aber es ist nun mal ein finanzpolitischer Entscheid.» Dass durch die Verschiebungen der Gesamtsanierungen neue Folgekosten entstehen, müsse man in Kauf nehmen: «Der jährliche Unterhalt steigt natürlich. Wenn es durch die Decke tropft, flicken wir das.» Auch bürge der Kanton für die Sicherheit der alten Schulen. Frigerio: «Die Gebäude werden auch in zehn Jahren nicht einstürzen.»

Dass eine Verschiebung auch etwas Gutes haben kann, zeigt derweil das Gymnasium Münchenstein. Rektor Gabriel Hänggi: «Dadurch, dass der Haupttrakt ein Jahr später saniert wird, haben wir den Erweiterungsbau rechtzeitig fertig und müssen weniger Provisorien bauen. Das kommt dem Schulbetrieb zugute. Zu solchen Kompromissen bin ich gerne bereit.»

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