Gempen-Nord-Trail
Schluss mit dem Fahrverbot im Wald: Freie Fahrt für freie Biker

Einst wurden die Mountainbiker im Wald in Muttenz mit Felsbrocken vertrieben, nun wurde für sie mit dem Gempen-Nord-Trail ein wahres Bike-Mekka erschaffen. Doch die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden lässt noch zu wünschen übrig.

Benjamin Wieland
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Auch der Muttenzer Gemeindeverwalter Aldo Grünblatt nutzt den beliebten Bike-Trail Gempen-Nord.

Auch der Muttenzer Gemeindeverwalter Aldo Grünblatt nutzt den beliebten Bike-Trail Gempen-Nord.

Kenneth Nars

Der Gempen-Nord-Trail in Muttenz ist bei Mountainbikern aus der ganzen Region beliebt. Die 3,4 Kilometer lange Strecke schafft ein geübter Fahrer in weniger als 15 Minuten – hinunter selbstverständlich, hinauf dauerts etwas länger.

Lange dauerte es auch, bis die Strecke eröffnet werden konnte. Von den ersten Ideen bis zur Einweihung im Frühling 2011 verstrich über ein Jahrzehnt. Die Verhandlungen gestalteten sich als äusserst schwierig. Dafür gilt der Trail – er war die erste legale Abfahrtsstrecke in der Region Basel – heute als Vorzeigeprojekt. Das bestätigt auch Aldo Grünblatt, Muttenzer Gemeindeverwalter und selber begeisterter Mountainbiker: «Dieses Jahr durften wir im Rahmen der Bauverwalterkonferenz Baselland über unser Bikekonzept berichten, das auf grosses Interesse stiess.»

Das Muttenzer Bikekonzept wurde im Rahmen des Waldentwicklungsplanes (WEP) Schauenburg-Hard-Birseck erarbeitet; die Waldentwicklungspläne regeln die Freizeitnutzung der Wälder im Baselbiet. Deren Nutzer kamen sich in Muttenz in die Quere: Wanderer, Jogger und Spaziergänger fühlten sich durch die Mountainbiker gestört, Reiter befürchteten, ihre Pferde könnten durchbrennen, und auch die Bürgergemeinde, der ein grosser Teil des Walds gehört, wollte die Wege nicht für die Zweiräder freigeben.

Biker und Wanderer trennen

Die Lösung im Falle Muttenz: Die Nutzergruppen trennen und klare Regeln festlegen. Die Mountainbiker erhielten auf weiten Strecken ihren eigenen Pfad, eben einen Trail. Für diesen war eine Baubewilligung notwendig. Die Abschnitte auf befestigten Wegen, die sich die Biker mit Spaziergängern teilen müssen, werden speziell gekennzeichnet, etwa mit der Gefahrensignal-Tafel «Ende Freeride».

Seit der Bike-Trail Gempen-Nord geöffnet ist, kommen Erholungsuchende und Mountainbiker gut aneinander vorbei. Gebaut wurde der Weg von der Basler Sektion von Trailnet, einem Schweizer Verein. Dieser ist auch für den Austausch mit den Behörden zuständig. Vereinsmitglieder unterhalten die Strecke. Diese überwindet rund 200 Höhenmeter, vom Startpunkt, dem Gruthweg im Gebiet «Rothalden» auf rund 470 Meter über Meer, bis zur sogenannten «Bananenbrücke» über die Autobahn 18, (270 Meter über Meer). Kurz vor dem Ziel gibt es Mulden und Sprünge.

Noch klappt die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden noch nicht so reibungslos – etwa in Arlesheim. Trailnet plant eine weitere Gempen-Route, die auch über Arlesheimer Territorium führt. Gemeindepräsident Karl-Heinz Zeller sagt auf Anfrage der bz, man sei daran, eine Lösung zu finden, die den Bedürfnissen aller Interessensvertreter entspreche.

Die Bürgergemeinde Arlesheim, über deren Gebiet der Trail dereinst führen würde, ist wenig optimistisch. «Dort, wo die Biker durchwollen, hats auch ein Naturschutzgebiet», sagt Stephan Kink, Präsident der Bürgergemeinde Arlesheim. «Deswegen glaube ich nicht, dass wir einen Bike-Trail genehmigen können.»

Dass die Stimmung gegenüber den Mountainbikern generell nicht zum Besten steht, zeigt auch ein Entscheid des Baselbieter Landrats vom Februar: Er will sie nicht auf Wanderwegen fahren lassen (siehe Kasten). Entspannung ist aber möglich. Das zeigt – wiederum – der Fall Muttenz. Im Jahr 2000 verstellte die Bürgergemeinde den Banntagsweg mit Felsbrocken, um damit die Zweiradfahrer zum Absteigen zu zwingen. Diese zerstörten Verbotstafeln. Über den «Biker-Knatsch» in Muttenz berichtete sogar das Schweizer Fernsehen.

Ganz anders das Verhältnis heute. «Gerade mit den Erbauern des Biketrails haben wir ein gutes Einvernehmen», sagt Hans Löw, Waldchef der Bürgergemeinde Muttenz. Man dulde die Biker gerne – ja, der Trail sei «eine gefreute Sache».

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