Baselbiet
Reorganisation der Standesämter verdirbt Heiratswilligen die Hochzeit

Im Rahmen des Programms Focus zieht der Kanton Baselland die Zivilstandesämter zusammen. Darunter leiden nun die Heiratswilligen, da erst ab Sommer klar ist, wo sie sich im Herbst zivil trauen können.

Benjamin Wieland
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Die Baselbieter Standesbeamten ziehen um. Das führt zu Termin-Komplikationen.

Die Baselbieter Standesbeamten ziehen um. Das führt zu Termin-Komplikationen.

bz-Archiv

Das Restaurant hat sie schon ausgesucht, das Brautkleid ebenso. Und als Ort kommt sowieso nur einer infrage: Schloss Binningen. Melanie S.* will im Oktober heiraten. Doch die Hochzeit im Schloss bleibt ein Traum. Denn der Kanton kann der Bottmingerin nicht garantieren, dass sie auch wirklich am gewünschten Datum die Ringe tauschen wird. Angefragt hatte sie frühzeitig: Mitte Dezember 2013 – mehr als zehn Monate vor dem geplanten Hochzeitstag. «Als ich wegen des Termins auf der Zivilrechts-Verwaltung anrief, schien es, als wüsste dort niemand so recht Bescheid», erzählt Melanie S.: «Es herrschte totale Konfusion.»

Beim Kanton widerspricht man dieser Aussage. Zwar sei es zurzeit nicht möglich, bei Terminen ab September den Ort des Trauzimmers zu garantieren, räumt Andreas Rebsamen ein, Leiter der Baselbieter Zivilrechtsverwaltung. Die Termine hingegen, die könnten sehr wohl garantiert werden.

Zügelei bereitet Probleme

Standesamt: Ausnahmen gibts nur beim nahenden Tod

Eine Heirat will rechtzeitig geplant sein. Die Zivilstands-Verordnung schreibt jedoch keine Frist vor, innerhalb derer die Standesämter einen Termin anbieten müssen.

Es ist aber so, dass eine Trauung frühestens zehn Tage und höchstens drei Monate nach der Zulassung stattfinden muss. Einzige Ausnahme: Einer der beiden Verlobten schwebt in naher Todesgefahr - dann gehts schneller.

Jährlich werden im Baselbiet zwischen 1200 und 1400 Ehen geschlossen. Die Auswahl an Trausälen ist gross. Neben den offiziellen Lokalen kann auch in den Schlössern Angenstein, Binningen, Bottmingen, Ebenrain, Wildenstein sowie in den Burgen Reichenstein und Weissenstein geheiratet werden. Weiter gibt es 28 kommunale Trauzimmer - darunter das Prattler Schloss.

Hinter die Aussage von Melanie S. setzt der Dienststellenleiter ein Fragezeichen – und beteuert: Die Schlösser seien von der Zügelei nicht betroffen und fix buchbar. «Es muss sich also um ein Missverständnis handeln.» Die Betroffene hält an ihrer Version fest.

Für Melanie S. hat die Unsicherheit Konsequenzen: Die Buchung in einem Restaurant für 80 Personen hat sie storniert. Und nach der zivilen Trauung wollten sie und ihr Verlobter ursprünglich gleich weiter in die Kirche. Mit der Reservation halten sie sich jedoch zurück. Denn spätestens vor dem Altar müssen die amtlichen Dokumente vorliegen. Führt der Pfarrer die Trauung ohne diese durch, macht er sich strafbar.

Rebsamen sagt, dass im Baselbiet im Vergleich zu anderen Kantonen bisher eine sehr lange Frist von sechs bis zwölf Monaten eingeräumt worden sei. Es gebe jedoch «keinen Rechtsanspruch auf langfristige Trauungs-Termine».

Melanie S. ist inzwischen der Geduldfaden gerissen. Sie und ihr zukünftiger Ehegatte haben entschieden, sich in einem anderen Kanton trauen zu lassen. Nun fällt ihr gemeinsames Ja-Wort in Basel-Stadt.

* Name der Redaktion bekannt.

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