Reinach
Überbauung Buch-Hain: Das Volk soll endlich einen Schlussstrich ziehen

Seit 1951 ist die Waldlichtung Buechloch in Reinach Bauland, aber unbebaut. Jetzt sollen fünf naturnahe Häuser den gordischen Knoten lösen. Doch die Gegner halten das Projekt nicht für grün genug. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Volksabstimmung vom 7. März.

Michel Ecklin
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Die Überbauung Buch-Hain in Reinach ist mitten im Grüngebiet geplant.

Die Überbauung Buch-Hain in Reinach ist mitten im Grüngebiet geplant.

Juri Junkov

Worüber stimmt Reinach am 7. März ab?

Über den Quartierplan Buch-Hain, der die Bebauung des Buechlochs regelt. Das 9818 Quadratmeter grosse Areal befindet sich am westlichen Siedlungsrand Reinachs und ist fast eine Waldlichtung. Es wurde 1951 zum Bauland erklärt. Unmittelbar daneben befindet sich ein Naturschutzgebiet, das als von nationaler Bedeutung klassifiziert ist.

Hat Reinach nicht bereits über dasselbe Areal abgestimmt?

Doch, es gab in den vergangenen Jahrzehnten sogar eine ganze Reihe von Urnengängen: über eine Rückzonung, über entsprechende Entschädigungszahlungen, dann über eine Wiedereinzonung und über eine Verkleinerung des Bauareals. Bei der letzten Abstimmung 2014 ging's um einen Quartierplan, der zwei Wohntürme vorsah, einer davon 40 Meter hoch. Das Volk sagte zu 72 Prozent Nein zu diesem «Hochhaus im Wald», wie es die Gegner nannten.

Wieso bleibt Areal nicht einfach unbebaut?

Das wäre bei einem so sensiblen Ort tatsächlich das Naheliegendste. Nach heutigen Umweltmassstäben würde man das Areal kaum mehr einzonen. Aber es ist nun mal Bauland, und bei einer Rückumwandlung in Grünzone müsste die Gemeinde wohl Entschädigungszahlungen leisten, geschätzte fünf bis sechs Millionen Franken.

Und wieso müssen die Reinacher nochmals an die Urne?

Mit dem Quartierplan Buch-Hain schlägt der neue Landeigentümer vor, fünf ovale Wohngebäude auf die Wiese zu stellen, mit insgesamt rund 40 Wohnungen im gehobenen Bereich. Dagegen waren im Einwohnerrat nur die Grünen, die jetzt auch das Referendum ergriffen haben. Vor allem die Anhänger der SP dürften aber gespalten sein. Im Referendumskomitee befindet sich ein ehemaliger SP-Einwohnerrat. Im Pro-Komitee sind ausser den Grünen alle Parteien vertreten.

Was ist jetzt anders als beim 2014 abgelehnten Projekt?

Die Gebäude sind nur noch bis zu 17,5 Metern hoch, dafür sind es fünf. Gemäss Promotoren wird zwischen den Bauten eine Feuchtwiese sein. Private Gärten sind nicht vorgesehen, der Grünraum ist öffentlich zugänglich. Nur im Naturschutzgebiet soll ein Weiher abgesperrt sein, um die Amphibien zu schützen. Alle ökologischen Massnahmen werden vom Bauherrn bezahlt. Gemäss dem Gemeinderat berücksichtigt die Bebauung die besondere Lage beim Naturschutzgebiet und dem nahen Wald. Die Ausnützungsziffer sei mit 60 Prozent nur zehn Punkte höher als im angrenzenden Wohnquartier.

Warum gibt es trotzdem Opposition?

Die Kritiker bemängeln, das Projekt nehme zu wenig Rücksicht auf die ökologisch sensible Lage. Die dicht aneinander gedrängten «Baukolosse» würden wenig Raum für die Natur lassen. Zudem dürfe man so weit vom öffentlichen Verkehr entfernt nicht so dicht bauen, das generiere Autoverkehr.

Die Befürworter reden doch davon, dass nur 17 Prozent der Fläche bebaut werde, der Rest bleibe naturnah.

Diese Zahl bestreiten die Gegner. Sie bemängeln, dass die Pläne nicht die vollständigen Volumen der Bauten darstellen. Man müsse die drei Meter tiefen Holzverkleidungen rund um die Bauten dazurechnen, in denen Lauben und Balkone zu stehen kämen. Und unter Abzug der Waldabstandslinien berechnen die Gegner eine Überbauung von mindestens 42 Prozent.

Stimmen die Bilder, die die Gemeinde verbreitet?

Darüber schwelt ein Streit. Das Bild des Modells, das die Gemeinde früh in Umlauf gebracht hat, stellt die Gebäude ohne die oben erwähnte Holzverkleidung dar. Die Gegner und der Gemeinderat haben sich darauf geeinigt, dass es nicht in den schriftlichen Abstimmungsunterlagen gedruckt wird. Darauf hin hat das Nein-Komitee eine Stimmrechtsbeschwerde zurückgezogen. Es erwägt aber derzeit, eine neue Beschwerde einzureichen, nachdem der Gemeinderat das kritisierte Bild online verwendet hat. Zudem ist es im «Wochenblatt», dem offiziellen Mitteilungsblatt der Gemeinde, wieder aufgetaucht.

Was passiert bei einem Nein?

Der Landeigentümer könnte der Gemeinde einen neuen Quartierplan vorschlagen, oder aber das Land verkaufen. Wahrscheinlich ist aber, dass ein vereinfachtes Quartierplan-Verfahren zur Anwendung kommt. Das hätte aus Sicht der Bauherren den Vorteil, dass es nicht referendumsfähig wäre.

Ist das wünschenswert?

Für die Gegner des jetzigen Projekts Ja. Dann dürfe man nur noch 13,5 Meter hoch bauen. Und angesichts der hohen Anzahl anstehender Quartierpläne dürfe sich Reinach «eine sanftere Überbauung» im Buechloch leisten. Für die Befürworter hingegen wäre ein vereinfachter Quartierplan eine schlechtere Lösung. Es wären dann nur 6 Prozent weniger Ausnützung erlaubt als im aktuellen Quartierplan, aber wegen geringerer Bauhöhe würde mehr Fläche beansprucht. Und die Bauherren könnten nicht dazu verpflichtet werden, ökologische Massnahmen zu finanzieren.

Und was passiert bei einem Ja?

Dann ist Reinach ein 70 Jahre altes Problem los. In dieser Hoffnung wird vermutlich manch ein Reinacher ein Ja einlegen, auch wenn die vorliegende Lösung nicht befriedigend sein mag.

Steigt mit einem Nein am 7. März die Chance, dass das Areal dauerhaft unbebaut bleibt?

Nein. Auch für die Gegner ist eine Rückzonung kein Thema mehr. Es würde dann nur weiter über das Wie einer Bebauung gestritten, nicht über das Ob.