Reinach
Reinach besiegelt Rauswurf der Inter-GGA aus Kabelnetz

Die Kabelnetzbetreiberin verliert ihre grösste Gemeinde in ihrem Versorgungsgebiet definitiv – Tausende Kunden müssen migrieren.

Benjamin Wieland
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Seit mittlerweile sechs Jahren wird in Reinach darüber debattiert, welches Unternehmen im kommunalen Kabelnetz tätig sein darf. Jetzt ist der Entscheid bestätigt. (bz-Archiv)

Seit mittlerweile sechs Jahren wird in Reinach darüber debattiert, welches Unternehmen im kommunalen Kabelnetz tätig sein darf. Jetzt ist der Entscheid bestätigt. (bz-Archiv)

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Seit mittlerweile sechs Jahren wird in Reinach darüber debattiert, welches Unternehmen im kommunalen Kabelnetz tätig sein darf. Jetzt ist der Entscheid bestätigt. Neue Providerin wird die Improware AG – die Inter-GGA AG muss sich zurückziehen. Ihre rund 8300 Kunden erhalten per Anfang 2021 Fernsehen, Internet, E-Mail-Dienste und Telefonie von der neuen Anbieterfirma aus Pratteln.

Den Wechsel segnete der Einwohnerrat am vergangenen Montag ab, an seiner ersten Sitzung nach der coronabedingten Zwangspause. Das Ortsparlament folgte fast einstimmig der Empfehlung des Gemeinderats. Er hatte eine Submission durchgeführt und bereits im März Improware den Zuschlag erteilt (siehe bz vom 6. Mai). Deren Offerte erreichte mit Abstand die höchste Punktzahl.

Improware könnte an sich auch das Kabelnetz kaufen

Neben der Inter-GGA hat auch deren Providerin, Quickline, das Nachsehen. Weil die Kabelnetzbetreiberin Inter-GGA den Auftrag verliert, kann auch Quickline ihre Dienstleistungen der Reinacher Kundschaft nicht mehr anbieten. Improware wird künftig in Reinach direkt als Providerin tätig sein, wie sie das auch andernorts bewerkstelligt, etwa in Riehen. Eine Zwischenhändlerin, wie es eine Kabelnetzbetreiberin darstellt, ist technisch nicht notwendig.

In Reinach steht eine weitere wichtige Weichenstellung an. Zusammen mit der Submission zum Providerauftrag führte der Gemeinderat ebenfalls eine Submission zum Verkauf des Kabelnetzes durch. Auch bei dieser Ausschreibung machte die Improware das Rennen. Ob es jedoch überhaupt zu einer Veräusserung der Anlagen und der Infrastruktur kommt, steht noch gar nicht fest. Der Gemeinderat ist erst daran, Details zu einem möglichen Verkauf abzuklären. Die Einwohnerratsvorlage soll zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Die einzige andere Mitbewerberin, die Inter-GGA, bot nur einen Bruchteil des Kaufpreises fürs Netz. Demnach wäre Improware bereit, knapp 14,6 Millionen Franken auf den Tisch zu legen. Die Inter-GGA hätte etwas über fünf Millionen bezahlt. Der Wert der Anlagen dürfte bei rund 7,7 Millionen Franken liegen, wie eine Schätzung ergab.

Vorsorgliche Kündigung per 31. Dezember 2020

Der Entscheid zum Providerwechsel hat weitgehende Folgen. Die Inter-GGA ist ein Gemeinschafts-unternehmen von mehreren Gemeinden im Birstal und Leimental. Der Reinacher Gemeinderat hat die Verträge vorsorglich per 31. Dezember 2020 gekündigt. Was nun mit dem Reinacher Aktienanteil geschehe, könne man noch nicht sagen, beantwortete die zuständige Gemeinderätin Doris Vögeli (BDP) eine entsprechende Frage aus dem Einwohnerrat. Die Inter-GGA ist derzeit in elf Gemeinden tätig. Reinach, wo sich der Unternehmenssitz befindet, war bislang der grösste Ort Versorgungsgebiet.
Der Einwohnerrat wich für seine Sitzung in die Weiermatthalle aus. Dort sind die Platzverhältnisse grosszügiger als im Gemeindesaal – die Abstandsregeln konnten eingehalten werden.