Tibet
Rathaus-Fassade bleibt leer: Basel vergisst Tibet-Jahrestag

Am 10. März ist der Jahrestag des Tibet-Aufstands von 1959. An vielen Rats- und Gemeindehäusern in der Schweiz hängt an diesem Tag die Tibet-Fahne – auch Basel zeigte in den vergangenen Jahren Flagge, nicht aber dieses Jahr.

Benjamin Wieland
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Über dem mittleren Eingangsportal flattert am 10. März die Tibet-Fahne. Nicht aber am 10. März 2020.

Über dem mittleren Eingangsportal flattert am 10. März die Tibet-Fahne. Nicht aber am 10. März 2020.

Keystone

Am Dienstag blieb die Rathausfassade nackt. Keine Tibet-Fahne weit und breit, auch nicht auf der Mittleren Brücke. Wollte es sich die Basler Regierung nicht mit China verscherzen? Machte die Partnerstadt Shanghai Druck? Wurde die Aktion klammheimlich beendet? Die Erklärung ist simpler. Marco Greiner, Regierungssprecher, sagt: «Die Hängung der Fahne ging dieses Jahr vergessen.»

Flagge ist in China verboten

Den «Tag des Tibetaustands» begehen zahlreiche Gruppierungen, die sich für die Unabhängigkeit oder mehr Autonomie für Tibet einsetzen. In Bern gibt es jeweils auch eine Kundgebung. In diesem Jahr wurde sie jedoch in stark reduzierter Form durchgeführt – Grund ist der Corona-Virus.

China betrachtet Tibet als integralen Teil des Landes, die Flagge ist in der Volksrepublik verboten. Der Tibetaufstand bracht am 10. März 1959 in der tibetischen Hauptstadt Lhasa aus. Er richtete sich gegen die Chinesische Besatzungsmacht.

Tibet war nach dem Abzug der Briten 1912 jahrzehntelang ein international nicht anerkannter, de facto jedoch unabhängiger Staat. Das änderte sich 1950: Damals marschierte die Volksbefreiungsarmee in das Hochland ein. Im Jahr darauf unterzeichnete das tibetische Parlament mit der zentralen Volksregierung das so genannte 17-Punkte-Abkommen zur friedlichen Befreiung Tibets.

Muttenz, Füllinsdorf und Liestal gedenken dem Aufstand

Der Vertrag sollte dem Gebiet innenpolitische Autonomie und Religionsfreiheit garantieren. Weil das aber nie richtig umgesetzt wurde, machte sich in der Bevölkerung rasch Unmut breit, was im Aufstand gipfelte. Ihn schlug die Zentralmacht brutal nieder. Der Dalai Lama, das geistige Oberhaupt der Tibeter, floh ins Exil ins indische Dharamsala, wo er noch immer residiert. Bis heute ist die Lage in Tibet, das 1965 im neu geschaffenen Autonomen Gebiet Tibet aufging, angespannt.

Nicht versäumt haben den Gedenktag Riehen, Muttenz, Füllinsdorf und Liestal. Die Gemeinden hissen ebenfalls seit Jahren die Tibet-Flagge, und das taten sie auch in diesem Jahr. So jedenfalls war es online angekündigt worden.