Füllinsdorf
Quartierschulen gescheitert – Schulen sollen sozial besser durchmischt sein

Die Primarschule wird zentralisiert. Die Forderung nach Quartierschulen lehnt die Gemeindeversammlung ab. Ob gegen diesen Entscheid das Referendum ergriffen wird, ist noch unklar.

Daniel Aenishänslin
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Die Gemeindeversammlung in Füllinsdorf lockte viele Bürger an.

Die Gemeindeversammlung in Füllinsdorf lockte viele Bürger an.

Martin Toengi

«Ob wir das Referendum ergreifen oder sogar rechtliche Schritte in Erwägung ziehen, möchte ich im Moment offen lassen.» Dies sagte nach der Füllinsdörfer Gemeindeversammlung Sascha Makivic vom Verein IG für starke Quartierschulen in Füllinsdorf. Zuvor war der Verein in der Abstimmung überraschend deutlich gescheitert. Somit sollen im Dorfschulhaus die Schülerinnen und Schüler bis zur 2. Klasse unterrichtet werden, im Schulhaus Schönthal jene bis zur 6. Klasse. So, wie es der Gemeinderat dem Stimmvolk schmackhaft gemacht hatte.

Der Verein wollte am Status quo festhalten, der die Kinder sofern möglich dem näher gelegenen Unterrichtsort zuordnet. «Dass jetzt noch mit Beschwerden gedroht wird, zeigt mir: Es geht nicht mehr um das Wohl des Kindes», sagte Alexandra Bernauer von der Gemeindekommission. «Wir müssen nächstes Jahr bereit sein.»

«Integration durch Individualförderung statt Durchmischung», verlangte Makivic. Er zitierte den Basler Erziehungsdirektor Christoph Eymann mit den Worten, der Durchmischung erteile er eine Abfuhr, sie sei in Basel-Stadt bereits gescheitert. Von Vorteil sei auch, wenn sich statt der Kinder die Lehrer zwischen den Schulhäusern verschieben. «Das ist besser als eine Völkerwanderung junger Menschen.» Die Gemeinde plant einen Schulbus.

Krass sei die finanzielle Differenz zum Status quo, die sich aus dem Unterfangen ergebe. Sascha Makivic berief sich auf publizierte Zahlen des Gemeinderates, die je nach Posten Abweichungen zwischen einigen 100'000 Franken oder gleich einigen Millionen Franken ausgewiesen hätten. Gemeinderätin Karin Thommen sprach von unterlaufenen aber bemerkten Fehlern. Gemeindepräsident Roger Matter führte aus: «Unabhängig von unserem Entscheid kommen Mehrkosten auf uns zu, aber keine Infrastruktur-Mehrkosten.» Thommen betonte, Pädagogen seien in der Neuausrichtung federführend gewesen, die Mehrheit der Lehrkräfte stehe ebenfalls dahinter.

In einer Kaskade von Abstimmungen, in denen sich verschiedene Anträge gegenüberstanden, unterlag der Verein IG für starke Quartierschulen bereits gegen den Antrag von Xaver Schuler, der die Kinder bis zur zweiten Klasse an ihren bisherigen Standorten belassen, danach aber dem Modell des Gemeinderats folgen wollte. 147 zu 85 lautete das klare Verdikt. Der Gemeinderat setzte sich mit seiner Neuorganisation schliesslich knapp – mit 129 zu 122 Stimmen – gegen einen Antrag von Anna Kessler durch. Kessler wollte wegen des Schulwegs nur die Kindergärten an ihren bisherigen Orten belassen, sie stellte sich aber klar gegen den Status quo: «Wollen wir weiterhin die da oben und, die da unten haben, oder wollen wir probieren, ein Dorf zu werden.»

Ein Vorwurf, den einige an den Verein IG für starke Quartierschulen richteten. Übersetzt: Die besser Situierten aus dem oberen Dorfteil würden lieber unter sich bleiben. Diesen Vorwurf oder gar jenen der Fremdenfeindlichkeit wies Makivic als «extrem bedenklich» zurück. «Widerrechtlich» nannte er dagegen das Verhalten von Ortsschulrat und Schulleitung, welche die Kinder im Vorfeld der Versammlung «Propaganda» in schriftlicher Form nach Hause hätten tragen lassen. Gut möglich, dass das letzte Kapitel noch nicht geschrieben ist.

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