Liestal
Promis unter sich: Jede und Jeder verfügt über gewisse Begabungen

Baschi und Massimo Ceccaroni wissen, wie aus Jungen das Beste herausgeholt wird.

Dimitri Hofer
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Promis und Talente unter sich: Der Gelterkinder Mundartmusiker Baschi erklärt, er habe schon früh gemerkt, dass mal «etwas Spezielles» aus ihm werde.

Promis und Talente unter sich: Der Gelterkinder Mundartmusiker Baschi erklärt, er habe schon früh gemerkt, dass mal «etwas Spezielles» aus ihm werde.

Martin Toengi

Im Duden findet sich seit einigen Jahren das Adjektiv «talentfrei». Die Wortschöpfung lässt darauf schliessen, dass es Menschen gibt, die keinerlei Fähigkeiten besitzen. Dass dem auf keinen Fall so ist, war eine der wichtigsten Erkenntnisse des hochkarätig besetzten Podiums am Dienstagabend in Liestal. Prominente Vertreter aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen teilten die Meinung, dass jede und jeder über Begabungen verfügt.

Eingeladen zur gut besuchten Veranstaltung im KV-Saal hatten der Kaufmännische Verband Baselland und die Wirtschaftskammer Baselland. Deren Direktor Christoph Buser hob in seinem einleitenden Referat die Bedeutung von Talenten für die Wirtschaft hervor. Deshalb sei es wichtig, Begabungen schon in einem frühen Alter zu erkennen und weiterzuentwickeln. Die Förderung beginnt für ihn in der Schule. Der freisinnige Landrat erinnerte daran, dass nicht für jeden Sekundarschüler in der progymnasialen Abteilung der Weg über das Gymnasium an die Universität der beste sei. «In vielen schlummert das Talent, bereits früh in die Praxis einzusteigen, einen Beruf zu erlernen und im Rahmen des dualen Bildungssystems eine Karriere zu machen». Die Lehrkräfte müssten darauf sensibilisiert werden zu erkennen, was in den Kindern und Jugendlichen steckt.

Unterstützung durch Umfeld

Dass aus ihm «einmal etwas Spezielles wird», war Sebastian Bürgin schon klar, als er noch in den Kindergarten ging. Der Musiker aus Gelterkinden kann heute unter seinem Künstlernamen Baschi schweizweit grosse Erfolge feiern. Der Künstler stellte sich, wie auch die anderen fünf Gäste, den Fragen der souveränen Podiumsleiterin Cornelia Kazis. Die Pädagogin und Fachredaktorin für Erziehungs- und Bildungsfragen beim Schweizer Radio entlockte den Gesprächsteilnehmern immer wieder Aussagen zu Erfahrungen mit Talenten. Für die Fussballlegende Massimo Ceccaroni, der aktuell als Technischer Leiter Nachwuchs beim
FC Basel tätig ist, können Begabungen durch Freude, Motivation sowie der Lust, etwas Neues zu entdecken, letztlich zum Erfolg führen. Er verwies zudem darauf, dass junge Sportler neben ihrer sportlichen Tätigkeit unbedingt einen Ausgleich benötigen. Einen solchen hat Kevin Wandji, der für die Schweizer U-21-Beach-Soccer-Nationalmannschaft auf Torejagd geht, durch ein Praktikum bei einem schwedischen Möbelhaus. Sein Arbeitgeber lasse ihm grosse Freiheiten, damit er mehrmals pro Woche am Training teilnehmen könne, sagte er. Gerade die Unterstützung durch das berufliche und das familiäre Umfeld seien bei der Weiterentwicklung von Talenten von unschätzbarem Wert, stellte Urs Berger klar. Der Leiter der Berufs- und Weiterbildung bei der Wirtschaftskammer Baselland fügte hinzu, dass dabei auch der Durchhaltewille eine wichtige Rolle spiele.

Dem pflichtete der Basler Soziologieprofessor Ueli Mäder mit Verweis auf einen Studenten, welcher sich während des Studiums stark steigern konnte, bei. «Zu Beginn hatte ich grosse Bedenken, ob die Soziologie das Richtige für ihn ist. Er hat mich eines Besseren belehrt und ist heute sogar als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.» Kritik erntete hingegen das Bologna-System mit seinen Kreditpunkten, das in seinen Augen die Freude am Studium mindern kann. Obwohl sie nicht gegen eine Frühförderung sei, machte sich Christine Mangold, Geschäftsführerin des Kaufmännischen Verbands Baselland, dafür stak, Kindern die Möglichkeit zu geben, sich in Ruhe zu entfalten. Wie auch die anderen Anwesenden lauschte die Bildungspolitikerin zum Abschluss des Podiums ihrem Neffen Baschi, der auf der Gitarre zwei seiner Lieder zum Besten gab.

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