Abstimmungen
Pro-Komitee hält mit dem Tram Kurs aufs Ja zum Margarethenstich

Das Pro-Komitee lancierte gestern offiziell den Abstimmungskampf um den Margarethenstich. Das Tramprojekt hat zahlreiche prominente Unterstützer und soll das Leimental entlasten.

Julia Gohl
Merken
Drucken
Teilen
Kopie von Medienkonferenz des Komitees «Margarethenstich Ja»
4 Bilder
Das Präsidium des Komitees «Margarethenstich Ja» ist divers und prominent besetzt. Von links: Hanspeter Ryser (SVP), Claude Janiak (SP), Balz Stückelberger (FDP), Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP), Werner Hotz (EVP), Jan Kirchmayr (SP) und Lukas Ott (Grüne)
Im Komitee «Margarethenstich Ja» sind auch viele Gemeindevertreter dabei.
Bei der Haltestelle Dorenbach heisst es Aussteigen.

Kopie von Medienkonferenz des Komitees «Margarethenstich Ja»

zvg

So viel Baselbieter Politprominenz wie am Donnerstag trifft man nicht alle Tage im Tram. Am Donnerstag war aber kein Tag wie jeder andere: Das prominent besetzte Ja-Komitee für den Margarethenstich eröffnete den Abstimmungskampf mit einer Extrafahrt entlang der Route, auf der der 17er einmal fahren soll, wenn das Baselbieter Stimmvolk am 24. September Ja zum Margarethenstich sagt. Davon ist das Ja-Komitee überzeugt, wie es am Donnerstag garantierte. «Wir sind sicher, dass wir ein Ja kriegen, weil die Argumente der Gegner nicht stichhaltig sind», erklärte etwa Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP) kurz vor dem Stopp bei der Haltestelle Dorenbach. Ab dort ging es zu Fuss via Margarethenstich, entlang dessen die zur Debatte stehenden rund 300 Meter Tramschiene verlegt werden sollen, zur Tramhaltestelle Margarethen.

Gleichberechtigt und entlastet

Neben Schneider-Schneiter weibelt mit Ständerat Claude Janiak (SP) noch ein zweiter Bundespolitiker an vorderster Front für den Margarethenstich. Für ihn ist klar: «Das Projekt stärkt das Rückgrat eines ganzen Agglo-Korridors mit über 60 000 Einwohnern.» Denn während andere Täler im Kanton mit einer S-Bahn erschlossen sind, bleibt dem Leimental nur das Tram. «Wir wollen gleichberechtigt mit den anderen Tälern sein», sagte gestern deshalb Schneider-Schneiter. Darum sei eine direktere Verbindung an den Bahnhof wichtig. «Ausserdem wollen wir die Innenstadt entlasten.»

Entlastet würden auch die Hauptstrassen, betonte Janiak. «Man geht von 1000 Personen am Tag aus, die man mit dem Margarethenstich zum Umstieg vom Auto aufs Tram bewegen kann.» All dies würde durch das Referendum – oder wie Janiak sagt durch «Kleingeist, einen eingeschränkten Blick auf die Gesamtverkehrslage und unredliche Argumente» – infrage gestellt. «Dagegen wehren wir uns mit Nachdruck.»

«Ausgerechnet Leimentaler»

Schneider-Schneiter hatte sich bereits zu ihrer Zeit im Landrat für den Margarethenstich eingesetzt. «Damals hätte ich nie gedacht, dass ausgerechnet Leimentaler das Referendum ergreifen würden.» Der Oberwiler Gemeindepräsident Hanspeter Ryser (SVP), der am Donnerstag die Stimme des Leimentals vertrat, hatte eine Erklärung dafür: «Das sind ein paar wenige Binninger, die einfach grosse Angst haben, dass es bei ihnen einen Riesenstau geben wird.» Denn damit der 17er über den Margarethenhügel fahren kann, muss er bei der Haltestelle Dorenbach jeweils die Strasse queren. Die Autos müssen währenddessen warten. Trotzdem sei die Angst vor dem Stau unbegründet, wie Landrat Jan Kirchmayr (SP) darlegte: «Wir sprechen von fünf Tramquerungen pro Halbestunde während der Stosszeiten, wobei die Wartezeit für die Autos jeweils 30 Sekunden beträgt.»

Auf politischer Seite jedenfalls ist sich das Leimental einig: «Wir stehen zu 100 Prozent hinter dem Margarethenstich», gab Ryser die Meinung aus der Plattform Leimental wieder. In deren Rahmen treffen sich regelmässig alle Leimentaler Gemeindepräsidenten. «Die Entwicklung im Leimental wird weitergehen, aber die Arbeitsplätze können nicht gleichzeitig mit dem Wohnraum wachsen. Deshalb müssen wir sicherstellen, dass ein effizienter öV zu den Arbeitsplätzen führt.» Der Margarethenstich möge ein kleines Stück sein, aber für die Entwicklung im Leimental «elementar wichtig».

Das sei die Vorlage auch für den Rest des Kantons, betonte am Donnerstag der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott (Grüne). Denn der Bund habe Gelder für den Margarethenstich gesprochen. So kostet er den Kanton dank Beteiligung von BLT und Basel-Stadt noch 7.3 Millionen. «Wenn wir beim Bund immer die Visitenkarte abgeben, dass solche Projekte bei uns nicht durchkommen, mindert das unsere Erfolgschancen auf Bundesgelder für weitere Projekte im ganzen Kantonsgebiet», mahnte Ott. Zudem liege ein funktionierendes Gesamtverkehrskonzept ebenfalls im Interesse des ganzen Kantonsgebiet. «Verstehen Sie das als Aufruf an alle Kantonsteile, diese Vorlage vehement zu unterstützen.»