Medikamentenpreise
Preisüberwacher Meierhans: «Verstehe die besondere Situation Basels»

Preisüberwacher Stephan Meierhans will bei Generikas tiefere Preise durchsetzen und so die Medikamentenkosten um fast 400 Millionen Franken senken. Das trifft auch die beiden Generika-Hersteller aus der Region Basel, Sandoz und Mepha/Teva.

Fabian Schwarzenbach
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Preisüberwachser Stephan Meierhans: «Man will von den Schweizern mehr holen».

Preisüberwachser Stephan Meierhans: «Man will von den Schweizern mehr holen».

Keystone

Herr Meierhans, Sie sitzen als Preisüberwacher gerade in der Höhle des Pharmalöwen. Verstehen Sie die besondere Situation Basels?

Stefan Meierhans: Ja, natürlich. Es ist auch legitim, dass sich eine Region für ihre Wirtschaft und ihre Interessen einsetzt. Es ist aber eine Frage des Ausgleiches: Ich habe eine nationale Aufgabe und frage, was hat das für Auswirkungen für Leute, die nicht in einer Pharmaregion wohnen und trotzdem Krankenkassenprämien bezahlen.

Die Pharma und pharmanahe Ökonomen schlagen das sogenannte Ramsey-Pricing - arme Länder sollen weniger bezahlen - vor. Sie sind skeptisch. Weshalb?

Es ist letztlich aus meiner Sicht eine Preisdiskriminierungsformel. Man will von den Schweizern mehr holen, zu dem Genügenden oder Ausreichenden, das man jetzt schon mit Medikamentenpreisen holen kann. Es ist einerseits nicht gerechtfertigt, die Schweizer Prämienzahler noch mehr zu belasten. Andererseits habe ich auch Zweifel, ob dies in der heutigen globalisierten Welt überhaupt durchsetzbar ist.

Wir bezahlen in der Schweiz fünf Mal mehr für Generika-Medikamente als die Niederländerinnen und Niederländer, dabei werden wir Patienten aufgefordert, beim Arzt auf Generika-Medikamente zu pochen. Macht das noch Sinn?

Grundsätzlich ist die Ersparnis nach wie vor da, aber es ist letztlich eine systemische Frage: Die Generikapreise werden ebenfalls durch die Behörden festgelegt und das System, das wir jetzt haben, ist die sogenannte Abstandsregel. Das halte ich für überholt. Wir sollten auf ein Festbetragssystem umsteigen, das es bereits in 22 anderen europäischen Ländern gibt und letztlich auch die Generikapreise senken würde. Dabei wird bei patentabgelaufenen Präparaten, inklusive Generika, pro Wirkstoff ein Maximalbetrag festgesetzt, der von den Kassen zu bezahlen ist. Dies setzt Anreize für preiswertere Arzneimittel, und zwar sowohl anbieter- als auch nachfrageseitig. Ich rechne mit einem Sparpotenzial von etwa 388 Millionen Franken pro Jahr, das wir relativ rasch realisieren könnten.

Die Pharmafirmen und der Pharmamarkt sind globalisiert. Haben Sie als Schweizer Preisüberwacher überhaupt eine Chance?

Ja, die Medikamentenpreise zulasten der sozialen Krankenkassen werden national fixiert. Der Gesundheitsmarkt ist weltweit reguliert, weil man weiss, dass er nicht normal funktioniert. Die Schweiz hat die Hoheit, das selber zu fixieren und zu regulieren. Wir haben zurzeit im Medikamentenbereich auch keinen Parallelimport im Gegensatz zur EU. Das heisst, wir sind abgeschottet. Die Fixierung durch den Staat ist in den meisten Ländern gegeben, und insofern sind meine Möglichkeiten sehr wohl vorhanden.

Die Medikamentenpreise sind ja nicht alleine an den hohen Gesundheitskosten schuld. Wo müssen Sie noch ansetzen?

Man muss tatsächlich überall ansetzen. Im Moment hochaktuell sind die stationären Spitaltarife. Da gibt es einige Fälle, die vor dem Bundesverwaltungsgericht liegen. Die Differenz, was die Spitäler und die Krankenversicherer wollen, sehe ich in der Tendenz bei einer halben Milliarde Franken. Da dürfte in diesem Jahr ein erster Entscheid fallen.