Sicherheit
Pratteln und das Leben mit der Gefahr: Der Chemiebrand schürt neue Ängste

Regelmässig kommt es in Prattler Chemiefirmen zu Zwischenfällen. Nun wird wieder der Ruf nach Massnahmen laut.

Daniel Ballmer, Kelly Spielmann
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Der Brand vom Sonntagabend bei der Firma Galvaplast richtete grossen Sachschaden an.
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Das Gebäude wurde erheblich zerstört und kann zurzeit nicht betreten werden.
Die Halle ist einsturzgefährdet.
Grossbrand in Pratteln
Die Polizei hat am Sonntagabend den Bahnhof komplett abgeriegelt.
Das Feuer war kurz vor Mitternacht unter Kontrolle, allerdings wuchsen noch immer dicke Rauchschwaden in den Himmel.
Die Feuerwehr löschte den Brand auf hohen ausfahrbaren Leitern. Ein Feuerwehrmann musste ins Spital.

Der Brand vom Sonntagabend bei der Firma Galvaplast richtete grossen Sachschaden an.

Polizei BL

Die SP macht sich Sorgen. «Ist die Bevölkerung wirklich sicher?», fragen die Ortssektionen von Pratteln, Muttenz und Birsfelden in einer gemeinsamen Mitteilung. So sei der Brand vom Sonntag kein Einzelfall. Mehrfach sei es in den vergangenen Monaten in Prattler Chemiefirmen zu Zwischenfällen gekommen: Brände, Lecks oder Explosionen – und das jeweils in der Nähe von Wohngebieten.

Für die SP ist klar: Vielerorts genügten die Sicherheitsmassnahmen nicht, um solche Gefahren zu bannen. Sie seien deutlich zu verbessern, «denn das Vertrauen ist arg ramponiert». In der Pflicht stünden dabei vorab die Baselbieter Kantonsbehörden. «Wir sorgen uns ernsthaft darum, ob noch genügend Kontrollen durchgeführt werden bei den Betrieben», schreiben die drei SP-Sektionen.

Stephan Burgunder, Prattler Gemeindepräsident   

Stephan Burgunder, Prattler Gemeindepräsident   

Kenneth Nars

«Risiko ist heute akzeptabel»

Tatsächlich war die Sicherheit der Chemiefirmen in Pratteln wiederholt ein Thema. Im Einwohnerrat wurde der Ruf nach strengeren Sicherheitsvorschriften laut. Die unguten Gefühle gegenüber dem Risiko-Standort hätten wieder zugenommen, erklärte 2016 Gemeindepräsident Stephan Burgunder. Heute klingt der Freisinnige zuversichtlicher. Die meisten Firmen hätten ihre Sicherheitsmassnahmen deutlich verbessert, das Sorgenkind Rohner AG den Betrieb eingestellt.

«Der jetzige Brand war wohl einfach Pech», so Burgunder. Er glaube nicht, dass ein solcher Fall die Diskussionen um Chemiebetriebe und Siedlungsgebiete neu entfacht. «Wir sind uns bewusst, dass ein gewisses Risiko bestehen kann», sagt er. «Schliesslich aber waren diese Betriebe zuerst da und haben einen wesentlichen Beitrag zum Wohlstand von Pratteln beigetragen.» Zudem wäre es ohnehin schwierig, sie aktiv umzusiedeln.

Das sieht auch der Grüne Philipp Schoch ein. Für den ehemaligen Landratspräsidenten bleibe die Nähe von Chemiefirmen zu Wohngebieten problematisch, die Betriebe hätten mittlerweile aber zahlreiche Massnahmen getroffen. «Die Bedenken sind nicht mehr so gross wie früher.» Das bestätigt die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion: «Natürlich bleibt immer ein Restrisiko, und man würde solche Chemiefirmen nicht mehr an diesem Standort ansiedeln», sagt Sprecher Nico Buschauer. «Mittlerweile aber bewegt sich das Risiko in akzeptablem Rahmen.» Eine Umsiedlung sei nirgendwo ein ernsthaftes Thema.

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