Zunft zum Stab
Potente Männerschaft feiert sich zünftig

Zunft zum Stab, die einzige Liestaler Zunft, fördert seit 25 Jahren das Brauchtum und stösst vielfältige Projekte an

Andreas Hirsbrunner
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Die Liestaler Stab Zunft feiert ihr 25 Jähriges Bestehen mit Gottesdienst und Umzug durch Liestal.
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Wichtigster Mann beim Umzug: René Steinle mit Meisterkette um den Hals.
Die Liestaler Stab Zunft feiert ihr 25-jähriges Bestehen.

Die Liestaler Stab Zunft feiert ihr 25 Jähriges Bestehen mit Gottesdienst und Umzug durch Liestal.

Martin Töngi

Im Vergleich zu den Jahrhunderte alten Basler Zünften ist sie ein Wickelkind: Die Zunft zum Stab Liestal konnte am Samstag ihr 25-Jahr-Jubiläum feiern. Das allerdings machte sie wie eine alte Gestandene mit Festgottesdienst, Umzug, Apéro im Rathaus und gediegenem Zunftessen mit vielen geladenen Gästen, darunter auch der Baselbieter Regierungspräsident Isaac Reber und der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott. Und die Teilnahme der beiden Staatsrepräsentanten zeigt: Die Jubilarin ist trotz ihres jugendlichen Alters nicht ganz unbedeutend. Doch wer ist eigentlich in dieser Zunft und was macht sie?

Schaut man die Namensliste der aktuell 59 Zunftmitglieder an, so fällt auf, dass es sich in der Mehrheit um ältere, bürgerliche, in Liestal einflussreiche und in Fasnacht und Banntag verankerte Männer handelt. Zunftmeister René Steinle (66) sagt dazu: «Bei uns kann Mitglied werden, wer mindestens seit zehn Jahren in Liestal lebt. In der Regel fragen wir mögliche Neumitglieder an, ob sie bei uns mittun wollen, denn sie müssen zu uns passen. Die Mitgliedschaft selber bringt keinen Nutzen, aber unser Netzwerk ist gewaltig und kann Türen öffnen.»

Frauen bleiben draussen

Die Zugehörigkeit zur Zunft zum Stab hat auch eine gewisse Exklusivität, denn die Vereinigung will nicht gross wachsen. Hauptgrund dafür ist der beschränkte Platz im Zunftsaal im Liestaler Restaurant Stadtmühle, wo die für die Mitglieder obligatorischen Jahresversammlungen und Zunftessen stattfinden. Gleichzeitig will sich die Zunft zum Stab verjüngen. Steinle: «Wir wollen pro Jahr zwei Neumitglieder aufnehmen und suchen gezielt Junge.» Frauen, ob jung oder alt, haben allerdings keinen Zugang als Mitglieder. Steinle begründet dies mit der Tradition. Zünfte seien früher unter anderem für militärische Aufgaben wie Wachaufzüge, aber auch für Feuer- und Marktkontrollen zuständig gewesen, was reine Männerdomänen waren.

In Sachen Frauen hinkt das Liestaler «Wickelkind» jenen alten Basler Zünften hinterher, die sich in erster Linie als Vereinigung von Berufsleuten verstehen. So nimmt etwa die Zunft zu Schneidern seit zwölf Jahren auch ausgebildete Schneiderinnen auf.

Die Pflege des Brauchtums – der Liestaler Banntag ist bekanntlich ebenfalls eine reine Männerangelegenheit – steht denn auch ganz oben auf der Prioritätenliste der Zunft zum Stab. Doch die Zunft ist auch offen für Neues. So gehörte sie laut Steinle zu den «Geburtshelfern» des Tierparks Weihermätteli, des Dichter- und Stadtmuseums sowie der jährlichen Jubilaren-Feste und Neuzuzüger-Empfänge. Zudem unterstützt sie regelmässig Projekte wie die Sanierung des Aussichtsturms oder die Beschilderung der Liestaler Waldwege. Das Geld dazu komme ausschliesslich von den Mitgliedern, Sponsoren habe man keine, sagt Steinle. Sie leisten Jahresbeiträge und einen Obolus in die Fondskasse, sodass der siebenköpfige Zunftrat über ein jährliches Budget von gegen 20 000 Franken verfügt. Und wenn es an einer Ratssitzung hoch kommt, werden auch visionäre Ideen gewälzt. So eine ist der Wiederaufbau des unteren Stadttors in Liestal.

Zurück zum samstäglichen Jubiläumsfest: In der Stadtkirche überwogen die feierlichen Töne, wobei die Frauen, seis als Sopransängerinnen oder an der Orgel, einen schwergewichtigen Teil beisteuerten. Und Pfarrer Andreas Stooss sorgte fürs Schmunzeln. Er erinnerte an die Bewohner der griechischen Insel Ikaria, die unter anderem dank weniger Stress, mehr Sex und mehr Zusammengehörigkeitsgefühl länger lebten. Und zu einem solchen Zusammengehörigkeitsgefühl trage auch die Zunft zum Stab mit ihren Symbolen, der Pflege von Traditionen und ihren gemeinnützigen Projekten bei. Danach wurde es fast schon militärisch: In Vierer-Kolonne defilierte die etwa hundertköpfige Festgesellschaft hinter den Pfeifern und Trommlern sowie den Fahnenträgern der fünf regionalen Talzünfte durchs Stedtli.

Das Jubiläumsfest war auch der Schlusspunkt von René Steinles 18-jähriger Zeit als Zunftmeister. Er übergibt das Zepter an der nächsten Versammlung an den Liestaler Arzt Hans Vogt.

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