Protest
Personal wird abserviert wie Fastfood

Marché International stellt alle Cindy’s-Mitarbeiter ohne richtigen Sozialplan auf die Strasse. Die Unia hat sich bereits eingeschaltet.

Andreas Maurer
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Cindy's-Mitarbeiterin Hülya Caliskan legt ihren Protest auf jedes Sandwich. Viele langjährige Mitarbeiter stehen vor dem Nichts.

Cindy's-Mitarbeiterin Hülya Caliskan legt ihren Protest auf jedes Sandwich. Viele langjährige Mitarbeiter stehen vor dem Nichts.

Die grellen Farben und die bunten Luftballons passen nicht mehr zur Stimmung im einstigen Trendlokal Cindy’s. Nach einem Vierteljahrhundert schliesst das Fastfood-Restaurant in der Steinenvorstadt Ende März für immer. Alle 21 Angestellten sind entlassen. Das haben sie zuerst aus der Zeitung erfahren. Einige Mitarbeiter arbeiten seit der Gründung hier. Auch sie haben nur ein unpersönliches Kündigungsschreiben erhalten. Ein Sozialplan, der diesen Namen wert ist, existiert auch für sie nicht.

Dagegen protestiert ein grosser Teil der Mitarbeiter. Am Schaufenster und an der Theke kleben Plakate: «Wir lassen uns nicht wie unsere Burger über die Theke schieben.» Jedem Kunden drücken die Verkäufer ihren Protest mit einem Zettel in die Hand. Neben den Hamburgern liegen Unterschriftenbögen auf.

Innert zwei Stunden haben bereits 300 Kunden beim Konzern ihren Protest deponiert. «Gute Mitarbeiter sind die, die für ihren Job kämpfen», gratuliert eine Frau. Ein anderer Kunde: «Das verstehe ich nicht. Das Geschäft lief doch gut. Es war immer voll hier.»

Unia hat sich eingeschaltet

Das versteht auch die Gewerkschaft Unia nicht. Sie unterstützt die Protestierenden. Unia-Sekretär Roman Künzler sagt immer wieder den einen Satz: «Es ist beschämend, dass sich eine so noble Konzerngruppe mit Jahresumsätzen von über 1,3 Milliarden Franken alles andere als nobel zu ihren Angestellten verhält.

Für ihn sind die Beweggründe von Marché International klar: «Es geht nur um Gewinnoptimierung. Der Konzern will einfach noch mehr Geld verdienen.» Deshalb konzentriere er sich mit dem Fastfood-Geschäft auf Autobahnraststätten.

Der Gewerkschafter wirft dem international tätigen Unternehmen mit Sitz im schweizerischen Kemptthal vor, die drohende Schliessung verheimlicht zu haben. Noch im September sind drei Mitarbeiter unbefristet angestellt worden, obwohl klar war, dass der Pachtvertrag Ende März ausläuft.

Chef steht zwischen den Fronten

Besonders engagiert kämpft Verkäuferin Hülya Caliskan: «Man zeigt uns, dass wir als Menschen nichts wert sind. Deshalb wollen wir uns Respekt verschaffen.» Als Studentin sei der Jobverlust für sie nicht so tragisch, auch wenn sie noch nicht weiss, wie sie ihre Wohnungsmiete ab April bezahlt. «Ich mache mir vor allem Sorge um die Mitarbeiter in der Küche. Einige sind alt, sprechen kaum Deutsch und müssen eine Familie ernähren.»

Hin- und hergerissen ist Ibrahim Turan, stellvertretender Filialleiter. Das Engagement von Mitarbeitern und Kundschaft rührt ihn. Gleichzeitig will er es sich mit dem Konzern nicht ganz verscherzen. Das Plakat am Schaufenster entfernt er. Mit dem übrigen Protest zeigt er sich aber solidarisch: «Ich war noch nie arbeitslos. Und nun ist es nach 27-jähriger Tätigkeit plötzlich soweit.»