Partnerschaft beider Basel
BL-Bildungsdirektorin Monica Gschwind: «Universität Basel ist auch in unserem Kanton angekommen»

Die beiden Basel haben den Kostenteiler im Universitätsvertrag neu ausgehandelt und die Verantwortlichkeiten bei Bauprojekten klarer geregelt. Baselland muss künftig zumindest ein bisschen weniger an die Uni bezahlen. Monica Gschwind erklärt die wichtigsten Details.

Hans-Martin Jermann
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Standortvorteil Basel: Die Stadt profitiert direkt und indirekt von der Uni und den Studierenden. Baselland wird deshalb beim Tragen des Defizits um 18 bis 19 Millionen Franken pro Jahr entlastet.

Standortvorteil Basel: Die Stadt profitiert direkt und indirekt von der Uni und den Studierenden. Baselland wird deshalb beim Tragen des Defizits um 18 bis 19 Millionen Franken pro Jahr entlastet.

Nicole Nars-Zimmer

Monica Gschwind, Sie haben lange mit Basel-Stadt um den Kostenteiler des Uni-Restdefizits gerungen. Resultat: Baselland spart in der kommenden Leistungsperiode wenige hunderttausend Franken pro Jahr. Ein Klacks, werden jene Baselbieter sagen, welche die hohen Abgeltungen an die Uni kritisieren.

Monica Gschwind: Man darf den Standortvorteil für Basel-Stadt von 10 Prozent nicht vergessen, den wir im revidierten Universitätsvertrag fixiert haben. Dieser reduziert die Höhe des Restdefizits, das Baselland alimentiert, um 18 bis 19 Millionen Franken pro Jahr. Wichtig am Kostenteiler ist die Einführung eines dynamischen Modells, das die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der beiden Kantone berücksichtigt. Aktuell stellen wir fest, dass Stadt und Land wirtschaftlich fast gleich stark sind (49,5% BL / 50,5% BS); entsprechend gering sind daher die Unterschiede bei der Aufteilung des Restdefizits. Wenn es aber einem der beiden Kantone einmal schlechter geht, wird sich dies stärker niederschlagen – ohne dass die Universität darunter leidet.

Neben der St.Jakobshalle entsteht gerade der Neubau des Departements für Sport, Bewegung und Gesundheit. Im Frühjahr 2022 geht dieser in Betrieb. Es ist das erste Bauprojekt überhaupt der Uni im Landkanton. Geplant ist aber ein noch ein grösserer Uni-Standort auf Baselbieter Boden. Wo stehen die Planungen?

Die Regierungen beider Basel haben sich bereits im Herbst 2018 darauf geeinigt, dass die Universität mit einem bedeutsamen Standort im Baselbiet verankert werden soll, und zwar im Dreispitz auf Münchensteiner Boden. Sie haben auch definiert, dass es dort einen Universitätscluster geben soll, in Nachbarschaft zur bestehenden Hochschule für Kunst der FHNW sowie zur Hochschule für Wirtschaft, die ebenfalls dorthin kommen soll. Zuständig für die Evaluation des genauen Uni-Standorts für die Wirtschaftswissenschaftliche und die Juristische Fakultät ist nun der Universitätsrat.

Wie werden die Neubauten der Uni auf Baselbieter Boden finanziert?

Allgemein wird dies von Fall zu Fall entschieden. In Bezug auf den neuen Standort in Münchenstein wurde vereinbart, dass nicht der Kanton Baselland bauen, sondern die Universität zuständig für die Realisierung sein wird. Der Universitätsrat wird somit als Bauherr auftreten. Die Folgekosten für den Neubau werden wie bisher über das Globalbudget beziehungsweise über die Speisung der Immobiliensparte durch die beiden Trägerkantone abgegolten.

«Es war wichtig für Baselland als Trägerkanton, den Präsidenten des Unirats stellen zu können», betont Bildungsdirektorin Monica Gschwind.

«Es war wichtig für Baselland als Trägerkanton, den Präsidenten des Unirats stellen zu können», betont Bildungsdirektorin Monica Gschwind.

Juri Junkov

Die beiden Kantone haben generell die Zuständigkeiten bei Bauprojekten der Uni neu geregelt. Weshalb?

Die Uni ist in vielen Liegenschaften des Kantons Basel-Stadt eingemietet. Diese Verbindung zwischen Uni und Stadt ist historisch bedingt und verständlicherweise sehr eng. Für uns als Partnerkanton ist aber wichtig, dass wir «gleich lange Wege» zur Uni haben und in alle relevanten Geschäfte einbezogen werden. Eine saubere Trennung der Zuständigkeiten war deshalb nötig. Der Universitätsrat wird künftig selber die Bauherrenrolle übernehmen können. Und die beiden Regierungen werden in einem sehr frühen Planungsstand bei Grossprojekten einbezogen. Künftig baut entweder ein Kanton oder die Universität oder ein Investor. Bisher waren die Verantwortlichkeiten zwischen Uni und Kanton geteilt. Das hat teilweise zu Schwierigkeiten geführt.

Seit Anfang 2020 hält der ehemalige BLKB-Chef Beat Oberlin das Präsidium des Universitätsrats. Erstmals in der Geschichte der Uni ist dieses nun in Baselbieter Hand. Was hat das aus Ihrer Sicht verändert?

Es war wichtig für Baselland als Trägerkanton, den Präsidenten stellen zu können, der jeweils bikantonal gewählt wird. Beat Oberlin ist nicht nur eine Identifikationsfigur und ein Brückenbauer – er macht dies auch ganz ausgezeichnet und besitzt profunde Führungserfahrung. Er legt beispielsweise grossen Wert darauf, dass die Uni nicht als abgehobene Bildungsinstitution daherkommt, sondern in Gesellschaft und Wirtschaft fest verankert ist und Begeisterung auslöst. Ich unterstütze diese Haltung zu hundert Prozent und bin überzeugt, dass dies viel dazu beigetragen hat, dass die Uni Basel in den vergangenen Jahren auch in unserem Kanton angekommen ist.

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