Pratteln
Ordnung im Schilderwald: Wer sucht, der soll auch finden

Das Gastgewerbe will mit Schildern im öffentlichen Raum auf sich aufmerksam machen. Die Betriebe sollen die Schilder zahlen und selber gestalten können. Gegner des Projekts befürchten eine «Überbeschilderung».

Michel Ecklin
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In Allschwil erhalten alle Firmen, die dies wünschen, ein Hinweisschild

In Allschwil erhalten alle Firmen, die dies wünschen, ein Hinweisschild

Martin Töngi

Ohne Ortsplan eine Firma zu finden ist in Pratteln Glückssache. Manche Firmen findet man dank Hinweisschildern an Kreuzungen mühelos. Andere hingegen sind nicht ausgeschildert. «Wenn in einem Gewerbegebiet mehrere Firmen ansässig sind, machen wir ein Sammelschild», erklärt Gemeinderat Ruedi Brassel (SP) die Beschilderungs-Strategie der Gemeinde. Allein stehende Firmen würden ein eigenes Schild erhalten. Die aktuelle Beschilderung sei aber historisch gewachsen. Einige Schilder stünden seit 30 Jahren, und niemand wisse, warum man sie aufgestellt habe. «Die Beschilderung weist eine gewisse Uneinheitlichkeit auf», räumt Brassel ein.

Gute Gastronomie für Ortsfremde

Doch jetzt soll im Prattler Schilderwald Ordnung einkehren – zumindest im Bereich Gastronomie. Mit einem Postulat will SP-Einwohnerrat Claudio Rossi Restaurants ermöglichen, auf eigene Kosten im öffentlichen Raum Schilder aufzustellen. Die Betriebe sollen die Schilder zahlen und selber gestalten können.

Vorstellen kann sich Rossi die Einrichtung von einigen Knotenpunkten mit Schildern. «Wir wollen Ortsfremden zeigen, dass wir in Pratteln gute Gastronomie haben», sagt er. Zum Beispiel müssten Besucher der Geschäfte im Grüssen wissen, dass es nicht nur das Ikea-Restaurant gebe. Gastgewerbe, das nicht an einer Durchfahrtsstrasse auf sich aufmerksam machen könne, sei auf Schilder im öffentlichen Raum angewiesen. Laut einer Umfrage des Vereins Prattler Gewerbe, dem Rossi vorsteht, wünschen sich nur rund sieben von 25 Prattler Gastgewerbebetrieben eine solche Lösung. Die Gefahr einer «Überbeschilderung» sieht er nicht.

Doch genau das befürchtet Brassel. Zu Rossis Postulat will er sich nicht äussern, er lässt aber eine kritische Haltung erkennen. «Wenn wir für fünf Firmen Schilder bewilligen, melden sich sofort zehn weitere, die das auch wollen», sagt er.

Ähnliche Befürchtungen hat man in Reinach. «Würde im Gewerbegebiet Kägen jede Firma ein Schild erhalten, die das wünscht, gäbe es dort nur noch Wegweiser», sagt Stefan Haller, Leiter Departement Stadtentwicklung. Deshalb bewilligt die Verwaltung generell keine Firmenschilder. Einzige Ausnahme: Wenn der Verkehr gezielt zu einer Firma gelenkt werden soll, etwa Anlieferungen. In allen anderen Fällen müssen sich Auswärtige mit Ortsplänen an einigen neuralgischen Punkten begnügen. Die restriktive Haltung hat laut Haller nicht dazu geführt, dass das Gewerbe vermehrt auf privatem Grund auf sich aufmerksam macht.

Kompromisse möglich

Dass auch ein liberalerer Weg gangbar ist, zeigt das Beispiel Allschwil. Dort erhalten Firmen, die das wünschen, ein Schild. «Wir finden immer einen Kompromiss», sagt Andreas Meyer, Leiter der Gemeindepolizei. Zu einem Schilderwald hat diese Praxis aber nicht geführt, obwohl Allschwil nicht gerade arm an Gewerbe ist. In den letzten sechs Jahren haben gerade mal zehn Firmen Anträge gestellt. Alle wurden bewilligt.