Baselbieter Kirschen
Optimismus nach dem miesen Frostjahr – nur der Regen bereitet Sorgen

Alles spricht derzeit für eine sehr gute Kirschenernte. Zumindest für die geschützten Früchte. Die frühen Kirschen an den Hochstammbäumen haben unter Regen und Hagel gelitten.

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Baselbieter Kirschenernte
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Kenneth Nars

Es liess sich an wie im Bilderbuch: Im warmen, sonnigen April erblühten die Kirschbäume fast schon explosionsartig, sodass Experten von einer Turboblütezeit reden. Und Frost und Schädlinge waren kein Thema. Das Hoch bei der Fruchtentwicklung hielt an, was nach dem katastrophalen Frostjahr 2017 doppelt ästimiert wird.

So konnte der Schweizerische Obstverband Ende Mai mit einer sehr optimistischen Ernteschätzung aufwarten. Er sagte landesweit 3000 Tonnen Tafelkirschen voraus. Das entspreche der dritthöchsten Ernte in diesem Jahrtausend. Führend ist immer noch die Nordwestschweiz mit erwarteten 1120 Tonnen, dicht gefolgt von der Region Thurgau-St. Gallen mit 1022 Tonnen Tafelkirschen.

Hochstamm-Früchte im Nachteil

Wie sieht die Situation jetzt, nach etlichen Tagen mit feucht-warmer Witterung und partiellem Hagel, aus? «Der Stand ist immer noch gleich optimistisch, zumindest was die geschützten Anlagen betrifft», sagt Ernst Lüthi, Präsident des Baselbieter Obstverbands.

Schlechter sehe es bei den Hochstammbäumen aus: «Für frühe Sorten ist das momentane Wetter nicht optimal. Die reifen Früchte springen auf vom Regen und die Pilzkrankheit Monilia macht sich breit.» Zudem habe der Hagel, der sehr lokal aufgetreten sei, den ungeschützten Früchten geschadet.

90 Prozent der Kirschen aus dem Baselbiet, die als Tafelkirschen über den Ladentisch gehen, stammen laut Lüthi aber aus mit Plastikdächern geschützten Anlagen. Die Hochstammbäume liefern vor allem Kirschen für die Konservenindustrie und fürs Brenngeschäft.

Niederstammanlagen sind aber nicht nur mit Dächern, sondern überwiegend auch mit Netzen geschützt. «Das ist mehr und mehr Standard heute», sagt Franco Weibel, der beim Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain den Bereich Spezialkulturen leitet.

Die Netze sind derzeit der wirkungsvollste Schutz gegen den mittlerweile grössten Feind der Kirschen – die Kirschessigfliege. Sie liebt das vorherrschende feucht-warme Wetter mit Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad. Weibel beruhigt und warnt fast im gleichen Atemzug: «Wir machen ein Monitoring mit Fallen und Fruchtproben, im Moment ist es ruhig. Aber die Kirschessigfliege ist ein unberechenbares Viech, das mit seiner enormen Vermehrungsrate schnell explodieren kann. Deshalb können wir nicht entwarnen.»

Kirschen wieder wichtiger

Heikel ist vor allem die Zeit kurz vor der Ernte, weil die Früchte spätestens sieben Tage zuvor nicht mehr behandelt werden dürfen. Auch Netze seien kein 100-prozentiger Schutz gegen die Fliege, merkt Lüthi an. Denn man könne eine Anlage nie ganz dicht abdecken. Trotzdem: Lüthi und Weibel schauen erwartungsfroh auf die in den letzten Tagen langsam und wetterbedingt im unteren und oberen Kanton fast gleichzeitig angefahrene Kirschenernte. Mengenmässig einschenken wird sie am meisten in der letzten Juni- und den ersten beiden Juliwochen. Der Kirschenanbau in Anlagen habe in den letzten Jahren im Baselbiet an Bedeutung gewonnen, freut sich Lüthi.

Zuversichtlich ist auch Christian Weber vom Hof Baregg in Hemmiken. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe Hochstamm des Baselbieter Obstverbands und meint: «Der Behang ist recht gut. Natürlich bleiben das Wetter und die Kirschessigfliege bei den Hochstammbäumen immer ein höheres Risiko. Aber zumindest den späteren Früchten konnte der Regen bis jetzt nichts anhaben.» Es könnte also auch enden wie im Bilderbuch.

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