Wettbewerb
Nur jemand kann es werden: Lehrling des Jahres 2019

Im Rennen um den Titel «Lehrling des Jahres» beider Basel stellen sich die zehn Finalisten einem anspruchsvollen Postenlauf. Dabei geben sie alles.

Tanja Bangerter
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Lehrling des Jahres
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Svenja Fuchs lernt Auto-Mechatronikerin.
Fachfrau Kinderbetreuung, Hosanna-Joy Jayanadan, gibt beim Wettbewerb alles.

Lehrling des Jahres

Kenneth Nars

Die fünf Lernenden sind sich vor wenigen Augenblicken das erste Mal begegnet. Gemeinsam stellen sie sich beim Posten Acht der ersten Herausforderung: In knapp drei Stunden müssen sie ein umweltbewusstes, vitaminreiches und allergiearmes Mittagessen für über 20 Personen auf die Beine stellen – und dabei möglichst mit ihrer Sozialkompetenz brillieren. «Dürfen wir Preise googeln?», fragt einer der Finalisten. Berufsinspektor Markus Gsell bejaht und betont: «Die diesjährigen Mittagstischler bereiten sich, samt Preisliste in Excel-Form, akribisch vor.»

Vor drei Jahren hätten die Kandidaten, aus Mangel an einem Wallholz, mit Flaschen frischen Pizzateig ausgewallt. «Da war ein Kochlehrling vom Trois-Rois dabei», erinnert sich die Projektleiterin für Berufsbildung Aline Freier. Das Basler Traditionshaus stellt auch in diesem Jahr einen Kandidaten, Hotel-Kommunikationsfachmann Lukas Fuchs, der «das Gesamtkunstwerk» mit Stolz vertrete, wie er betont.

Drei Wochen am eigenen Bewerbungsbuch gearbeitet

«Der Contest lebt von den Finalisten», betont Freier. Das Interesse seitens der Lernenden sei gross. In den Anfangsjahren nominierten mehrheitlich die Betriebe ihre Lehrjahrs-Besten, in der elften Ausgabe seien es oft die Kandidaten selbst, betont Freier und blättert in einem Pop-Up-Buch. «Die blumigen Origami stachen unter den Motivationsschreiben hervor», sagt Freier begeistert. Über drei Wochen habe sie an ihrer Bewerbung gebastelt, sagt die 24-jährige Detailhandelsfachfrau Tamara Buntschu. «Ich habe letzte Nacht keine Minute geschlafen», sagt sie und zeigt uns ein Foto vom Blumenbogen, den sie später für die Vorstellung ihres Berufs braucht.

Noch steht dieser verhüllt im Prüfungsraum des begehrten Postens Zwei mit dem vielversprechenden Titel «Beruf und Leidenschaft». Soeben rückt die Fachfrau für Kinderbetreuung, Hosanna-Joy Jayanadan, ihren Stuhl näher an die Experten, zückt ein blumiges Kistchen mit bunten Tüchern und räumt mit Vorurteilen auf, die ihr bei ihrer Berufswahl oft begegnen. Sie wechsle nicht lediglich Windeln und füttere Brei. «Ich bin ein sicherer Hafen», betont Jayanadan und legt ein Abbild einer Insel auf das Papier vor ihr – etliche Attribute folgen. Die Wolken am Himmel seien tägliche Herausforderungen, betont Jayanadan. Berufsinspektorin Anja Aeberli zieht ein Bild eines Tempo-Päckchens aus dem Kistchen und vermutet Trost als Bedeutung dessen. «Ich muss die Kinder beobachten, um ihre Bedürfnisse zu kennen», betont Jayanadan, die seit zweieinhalb Jahren eine verkürzte Lehre bei der Familea Kita Margarethen absolviert. «Die Passion, die diese jungen Menschen in zwei, drei Jahren entwickeln, ist bewundernswert», sagt Aeberli und blickt gespannt auf die Miniversion eines VW`s, die Automobil-Mechatronikerin Svenja Fuchs soeben in den Raum hievt.

Nicht nur Muskeln, auch Köpfchen ist gefragt

Fuchs, die nebst ihrer Ausbildung bei der VW-Garage Wicki in Sissach eine Ausbildung zur Hochzolltechnikerin absolviert, habe ihre Erstausbildung zur Primarlehrerin aufgegeben, um sich ihrer Leidenschaft für Automechanik zu widmen: «Für den Beruf braucht es Köpfchen, nicht nur Muskeln», betont Fuchs, die beim Carrera-Autorennen am Posten «Mensch und Umwelt» bisher die Schnellste sei, weiss Expertin Nicole Schwarz. Mit Fragen zu Littering und Klimawandel solle für diese Themen sensibilisiert werden. Bei der Suva spielen Kandidaten mit einem abgedeckten Auge Ping-Pong und der Berufsbildner für Mechanik, Thomas Sommer, erklärt einer Kandidatin soeben die Zusammensetzung eines roten Würfels.

«Hand und Kopf» braucht es beim Posten der Migros, soeben malt Manor-Kauffrau Fiona Boos den Migros-Wichtel Finn auf ihren Entwurf einer Migros-Tüte. «Zwanzig Minuten für Konzept und Umsetzung sind herausfordernd», sagt Boos. Im Gang duftet es mittlerweile nach Apérogebäck. Der Fachmann für Gesundheit in der UPK, David Grütter, der nach dem Mittagessen bei Posten Zwei Vorurteile abbauen will, schmiert Brötchen. «Mein Beruf beinhaltet viel offene Kommunikation», betont Grütter, der die Plattform des Wettbewerbs schätze.

Vom 4. bis 11. November kann man unter www.lehrlingdesjahres.ch für seinen Favoriten abstimmen. Am 19. November findet die Preisverleihung in der UBS Schalterhalle am Bankverein statt.