Investoren gesucht
Neue Geldgeber müssen her: Letzte Gnadenfrist für Zwingner Golfplatz

Werden bis Juni keine Investoren gefunden, muss die Anlage an der Birs definitiv schliessen.

Dimitri Hofer
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Die Betreibergesellschaft Birs Golf AG ist hochverschuldet und dringend auf neue Geldgeber angewiesen. (Themenbild)

Die Betreibergesellschaft Birs Golf AG ist hochverschuldet und dringend auf neue Geldgeber angewiesen. (Themenbild)

KEYSTONE/MARTIAL TREZZINI

Auf dem einzigen Baselbieter Golfplatz sieht es auch in diesen Tagen aus wie immer: Golfbegeisterte schlagen in Zwingen die Bälle über den Rasen. Aus der ganzen Region Basel finden Golferinnen und Golfer den Weg ins Laufental.

Hinter den Kulissen der Golfanlage Birs Golf brodelt es jedoch seit langem gewaltig. Die Betreibergesellschaft Birs Golf AG ist hochverschuldet und dringend auf neue Geldgeber angewiesen. Vom Zivilkreisgericht Basel-Landschaft West erhielt das Unternehmen kürzlich eine letzte Gnadenfrist, um eine Lösung zu finden. Soll der Platz offen bleiben, müssen bis Mitte Juni neue Investoren gefunden werden.

Dass in Zwingen überhaupt noch Golf gespielt werden kann, verdankt der Betrieb seinen Mitgliedern. «Bis Mitte Jahr ist die Finanzierung durch die Beiträge der gegen 300 Mitglieder gesichert», sagt Urs Baumann, der die Birs Golf AG als Sachwalter vertritt. Der Treuhänder hat seit Dezember 2019 die Aufgabe, eine definitive Nachlassstundung durchzuführen. Dafür muss er mit den rund 80 Gläubigern einen Nachlassvertrag aushandeln. Bei einem solchen Vertrag wird das Kapital einer Aktiengesellschaft abgeschrieben und neu aufgestockt. Man einigt sich dann auf einen Schuldenschnitt. Die Gläubiger erhalten dadurch zwar weniger Geld zurück, als ihnen zustehen würde. Gelingt es hingegen nicht, sich auf einen Nachlassvertrag zu einigen, muss das Unternehmen Konkurs anmelden und die Kreditoren gehen leer aus.

Betrieb braucht «mehr als eine Million Franken»

Damit der Vertrag überhaupt abgeschlossen werden kann, muss neues Kapital vorhanden sein. Dieses aufzutreiben hat Baumann seit über einem Jahr nicht geschafft. Das Zivilkreisgericht verlängerte die Frist für die definitive Nachlassstundung bereits zwei Mal, was eher ungewöhnlich ist. «Ein drittes Mal wäre zwar möglich, macht aber keinen Sinn. Irgendwann muss man das abschliessen und wissen, woran man ist.» Heisst: Stehen bis Juni nicht genügend Investoren auf der Matte, bedeutet dies das Ende des Golfplatzes an der Birs.

Um die Zuständigen beim Zivilkreisgericht zu überzeugen, ihm eine zweite Fristverlängerung zu gewähren, reichte Urs Baumann Absichtserklärungen zweier Investoren bei, die Interesse bekunden, Geld bei der Birs Golf AG einzuschiessen. «Diese beiden alleine reichen aber nicht.» Insgesamt sei eine Summe von «mehr als einer Million Franken» nötig. Könne man in den nächsten Monaten einige vertragliche Anpassungen vornehmen, schätzt Baumann die Chancen auf «über 50 Prozent» ein, dass der Platz weiter existieren kann.

Zuerst die Gläubiger, dann das Zivilkreisgericht

Die Zeit, die dem Treuhänder bleibt, um noch weitere Geldgeberinnen und Geldgeber zu finden, ist aber beschränkt. In einem ersten Schritt müssen die Gläubiger einen allfälligen Nachlassvertrag genehmigen, in einem zweiten das Zivilkreisgericht. Urs Baumann hat noch ein halbes Jahr, um den einzigen Golfplatz im Baselbiet zu retten.

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