Formationsflüge
Nach Unglück in Dittingen: Einschränkungen für Schweizer Flugshows

Der Flugzeugabsturz in Dittingen mit einem Todesopfer hat Folgen: An den kommenden Schweizer Flugshows werden keine Formationsflüge privater Flugteams gezeigt. Militärflugzeuge wie die Patrouille Suisse sind von der Regelung nicht betroffen.

Hans-Martin Jermann
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Formationsflüge privater Teams wie der in Dittingen verunglückten Grasshoppers werden an Schweizer Flugshows vorerst nicht mehr geflogen.

Formationsflüge privater Teams wie der in Dittingen verunglückten Grasshoppers werden an Schweizer Flugshows vorerst nicht mehr geflogen.

Frank Herzog/zvg

Der Absturz zweier Leichtflugzeuge an den Dittinger Flugtagen vom vergangenen Wochenende mit einem Todesopfer zeigt erste Folgen: So werden an zwei grossen Flugshows in den kommenden Wochen keine Formationsflüge geflogen, wie es die deutsche Staffel Grasshoppers in Dittingen mit ihren Ultaleichtflugzeugen vorführten. Betroffen ist das Flugplatzfest in St. Stephan (Obersimmental) vom kommenden Wochenende sowie die «Flügerchilbi» auf dem Flugplatz Langenthal vom 5. und 6. September.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hat sich gemeinsam mit den Organisatoren der erwähnten Flugshows auf den Verzicht von Vorführungen privater Teams geeinigt. Bazl-Mediensprecher Urs Holderegger bestätigt entsprechende Informationen der bz. Es handle sich um eine gemeinsame Absprache und um kein Verbot seitens des Bazl. Ausserdem habe diese keinen präjudizierenden Charakter für Flugshows im kommenden Jahr. «Die Pietät spielt bei dem gemeinsamen Entscheid auch eine Rolle», betont Holderegger. So kurz nach dem tragischen Unglück in Dittingen wolle man nicht bereits wieder ähnliche Programme fliegen. Ein generelles Verbot von Flugshows hält man beim Bazl indes für «unverhältnismässig.»

Allerdings: Formationsflugzeuge von militärischen Flugzeugen wie etwa der Patrouille Suisse sind von der erwähnten Absprache nicht tangiert. Militärflugzeuge unterstehen – selbst wenn sie an zivilen Veranstaltungen fliegen – nicht der Aufsicht des Bazl. Ausserdem habe es an Flugshows in der Schweiz noch überhaupt nie einen Unfall mit Militärmaschinen gegeben, gibt Holderegger zu bedenken. Insgesamt verzeichnete das Bazl in den letzten 30 Jahren rund ein Dutzend Unfälle an Flugshows, dabei sei - zum Glück - kein einziger Zuschauer oder Unbeteiligter getötet worden. «Am Wochenende in Dittingen hätte aber genau das sehr wohl passieren können», räumt Holderegger ein. Das abgestürzte Flugzeug raste nämlich unkontrolliert in ein Gartenhäuschen mitten im Dorfkern von Dittingen, wenige Meter von Wohnhäusern entfernt.

Bazl weist Kritik zurück

Nach dem Unglück in Dittingen stellte ein ehemaliger Trainer der Schweizer Kunstflugnationalmannschaft sowohl die Eignung der C-42-Ultraleichtflugzeuge für Formationsflüge als auch den Ausbildungsstand der Grasshoppers-Piloten infrage. Beim Bazl weist man die Kritik zurück: Die Experten hätten die Grasshopper-Staffel am vergangenen Freitag vor Ort in Dittingen abgenommen. «Wir erachteten die Vorführung als unbedenklich, da waren keine gefährlichen Manöver dabei», sagt Holderegger.

Die Grasshoppers seien zwar erstmals an einer Flugshow in der Schweiz aufgetreten, weshalb man ihren Auftritt auch speziell abgenommen habe. in ihrer Heimat Deutschland seien die Grasshoppers indes bekannte Gäste an Flugshows. «Wären sie da negativ aufgefallen, wüssten wir das», stellt der Bazl-Sprecher klar.