Baselland
Nach Flugzeugunfall: Dittinger diskutieren über Zukunft der Flugtage

Nach dem Absturz zweier Flugzeuge im Dorfkern von Dittingen ist die Bevölkerung verängstigt und verunsichert. Der Gemeinderat hat nun beschlossen, dass im Rahmen eines Runden Tisches alle Betroffenen Ideen zur Zukunft der Flugshow einbringen können.

Roland Bürki
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Schrecken für die Bevölkerung: Dieses Flugzeug der Staffel «Grasshoppers» landete im Garten eines Einfamilienhauses. Zum Glück wurde hier niemand verletzt.

Schrecken für die Bevölkerung: Dieses Flugzeug der Staffel «Grasshoppers» landete im Garten eines Einfamilienhauses. Zum Glück wurde hier niemand verletzt.

zvg

«Unsere Bevölkerung, die seit Jahren einen Grossteil der Helferinnen und Helfer stellt und sich mit den Flugtagen traditionell verbunden fühlt, ist seit der tragischen Kollision zweier Leichtflugzeuge verunsichert oder gar verängstigt», sagt Gemeindevizepräsident Edi Jermann am Rande der Sitzung des Dittinger Gemeinderates zur bz. Ein Gang zur nahen Absturzstelle, die exakt auf der Strassenmarkierung «Schule» liegt, macht deutlich, mit wie viel Glück Dittingen an einem noch grösseren Unglück vorbeigeschrammt ist. Für Jermann, der am Montagabend anstelle der ortsabwesenden Gemeindepräsidentin Regina Weibel die Ratssitzung leitet, ist deshalb klar, dass der Gemeinderat nun gefordert ist, der Verunsicherung und der Verängstigung in der Bevölkerung zu begegnen.

Einer Bevölkerung, die am schwarzen 23. August in Sachen Nachbarschaftshilfe über sich hinausgewachsen sei: «Dittingen ist ein Dorf, wo man sich gegenseitig hilft und das Dorfleben noch intakt ist.» Die Gedanken von Edi Jermann, Edmond Bernard, Sven Stegmüller und Marco Zutter sind in diesem Moment aber auch beim ums Leben gekommenen Piloten, der vermutlich in dieser Strasse noch einen allerletzten Ausweg gesehen habe. Emotional zeigt sich insbesondere Edi Jermann, der als Verantwortlicher für die Sicherheit und als Mitglied des Krisenstabes Gemeinde/ Segelfluggruppe Dittingen (SGD) in vielen zusätzlichen Stunden einfach nur noch funktioniert hat.

Flugverbot über Siedlungsgebiet

Wie die vier Ratsmitglieder der bz erklären, haben sie die Frage «Flugtage – wie weiter?» eine gute Stunde lang intensiv und kontrovers diskutiert. «Klar ist, dass die Kompetenzen in Sachen Flugbetrieb sowohl an den Flugtagen als auch im normalen Flugplatzbetrieb beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) liegen. Der Einfluss der Gemeinde beschränkt sich auf die Aktivitäten auf dem Boden», erklärt Jermann. Für den Gemeinderat wichtig sei die Tatsache, dass das vom Bazl genehmigte Betriebsreglement für das Flugfeld Dittingen während des ganzen Jahres eine Motorflugzeugverbotszone über das gesamte Siedlungsgebiet von Dittingen verhängt und für Überflüge der Nachbargemeinden eine Flughöhe von mindestens 1000 Metern vorschreibt.

«Aber», schränkt der Gemeindevizepräsident ein, «für die Flugtage regelt das Bazl die Überflüge über das Dorf.» Nach Abwägen dieser Fakten habe sich der Gemeinderat zur Schaffung eines Runden Tisches entschieden, so Jermann. Die Bevölkerung, die SGD, das Bazl und der Gemeinderat hätten so die Gelegenheit, sich über Ängste, Fragen, Vorschläge auszutauschen und konstruktive Lösungen für künftige Flug-Events zu finden.