Pratteln
Nach dem Schuldbekenntnis: Politiker vertrauen der Cabb vorerst

Die Cabb schafft mit ihren Ankündigungen einiges an Wohlwollen. Aber das ist weg, sobald wieder ein Unfall geschieht.

Michel Ecklin
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Sie müssen nun das Vertrauen zurückzahlen: Sicherheits-Manager Uwe Herfet (von links), Gruppen-CEO Peter Vanacker und Interims-Standortleiter Thomas Eizenhöfer.

Sie müssen nun das Vertrauen zurückzahlen: Sicherheits-Manager Uwe Herfet (von links), Gruppen-CEO Peter Vanacker und Interims-Standortleiter Thomas Eizenhöfer.

Juri Junkov

Es war ein regelrechtes Schuldbekenntnis, das die versammelte Cabb-Führungsriege gestern in Pratteln abgab. Man müsse die Sicherheit verbessern, weil die Unfälle der vergangenen Wochen nicht hinzunehmen seien, lautete der Tenor. Das Mea Culpa kulminierte in einer formellen Entschuldigung des Geschäftsführers Peter Vanacker «für die wiederholten Stoffaustritte».

Einher ging diese Demut mit der Ankündigung einer Charmeoffensive. Die zur Verbesserung der Sicherheit eingesetzte Task Force soll nämlich für eine offenere Kommunikation sorgen und so das Vertrauen von Bevölkerung und Behörden zurückgewinnen. «Vielleicht werden wir einen Tag der offenen Türe abhalten oder einen Stand am Weihnachtsmarkt aufstellen», sagte der interimistische Leiter des Cabb-Werks Pratteln, Thomas Eizenhöfer.

Der Prattler Weihnachtsmarkt 2016 ist zwar bereits – aber die Kommunikationsoffensive der Cabb lässt den Gemeindepräsidenten Stephan Burgunder (FDP) nicht kalt. «Ich kann mir vorstellen, dass ein Teil des Unwohlseins betreffend Cabb damit zu tun hat, dass man zu wenig weiss, was die Firma tut.»

Dahindens Abgang sieht er als «Zeichen, dass die Bevölkerung ernst genommen wird». Doch mit neuen Köpfen erreiche man noch keinen Neuanfang. Die angekündeten Massnahmen zur Hebung der Sicherheit gehen für ihn zwar «in die absolut richtige Richtung». Doch gemessen werde Cabb letztlich an Taten. Und das heisst für ihn «absolute Nulltoleranz. Es darf einfach kein Unfall mehr geschehen.»

Kanton ist sich uneinig

Ähnlich sieht das der Prattler Landratpräsident Philipp Schoch (Grüne). «Die Toleranz ist jetzt auf dem Nullpunkt», sagt er. Es werde sich noch zeigen müssen, ob die jetzt getroffenen Massnahmen die richtigen seien. «Aber ich anerkenne, dass Cabb gewillt ist, in die Sicherheit zu investieren.» Und für ihn noch fast wichtiger: Die Firma habe erkannt, dass der Rückhalt in der Bevölkerung schlecht sei. Um das zu ändern, müsse sie erst die Sicherheitsprobleme in den Griff kriegen, und danach könne sie das kommunizieren. «Befindlichkeiten sind wichtig», sagt Schoch. «Die Bevölkerung will wissen, ob Cabb einfach nur billig produzieren will und ihr alles andere egal ist, oder ob sie sich um die Menschen kümmert.»

Burgunder erwartet jetzt, dass der Kanton weiterhin durch das Sicherheitsinspektorat die Cabb kontrolliert. Das dürfte auch geschehen.

Ohne die angekündeten Massnahmen im Detail zu kennen, stellt Sicherheitsinspektorats-Leiter Gregor Pfister klar, dass er darin den Anfang sieht. Die Diskussionen zwischen der Cabb, seiner Stelle, dem Kiga, und der Suva würden weiter gehen. Letztlich müsse Cabb zeigen, wie es zu Verbesserungen kommen solle und wie diese umzusetzen seien. «Und wir sind in diesem Prozess dabei», sagt er. Gleichzeitig begrüsst er es, dass sich die Firma selber und mit Hilfe von externen unabhängigen Experten durchleuchten wolle. «Wir erwarten, dass dabei eine ernsthafte Verbesserung herauskommt.»

Allerdings scheint der Kurs gegenüber Cabb in der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion nicht eindeutig definiert zu sein. Auf Anfrage schreibt der Mediensprecher Rolf Wirz: «Mit Umsetzung der definierten Massnahmen und den verstärkten Kontrollen in der Eigenverantwortung der Firma Cabb geht die Regierung davon aus, dass die Sicherheit der Bevölkerung gewährleistet ist.»

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