Wintersingen
Mysteriöser Knochenfund: «Plötzlich hatten wir einen ‹Tatort› im Dorf»

Der mysteriöse menschliche Knochenfund in Wintersingen BL beschäftigt den Gemeindepräsidenten Remo Camponovo. Ausgerechnet am Karfreitag wurden die Knochen von einem Gärtner beim Präsidenten gefunden.

Milena Steiger
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Der Gärtner war dabei, diese Mauer einzureissen. So fand er die Knochen.
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Knochenfund in Wintersingen
Die Polizei hat nun am Dienstag den Fundort wieder freigegeben.
Die Knochen werden weiterhin untersucht, um festzustellen, wie alt sie sind.

Der Gärtner war dabei, diese Mauer einzureissen. So fand er die Knochen.

Juri Junkov

Ausgerechnet am Karfreitag wurden auf dem Grundstück von Remo Camponovo, dem Gemeindepräsidenten von Wintersingen, Überreste eines menschlichen Körpers gefunden. Sein Gärtner war gerade dabei, eine neue Einfahrt zu seinem Haus zu bauen, als er die Knochen rund einen Meter unter der Erde entdeckte.

Am Abend informierte er Camponovo, der von den ungeheuren Schätzen im Garten keine Ahnung hatte. «Ich war von der Nachricht erst einmal überrascht», sagt Camponovo. Am nächsten Tag alarmierte er dann die Polizei.

Im sonst so beschaulichen Oberbaselbieter Dorf Wintersingen war am Karsamstag dann plötzlich etwas los: Mehrere Polizeifahrzeuge standen vor dem Haus des Gemeindepräsidenten und Reto Marti, der Baselbieter Kantonsarchäologe, war vor Ort, um den Fund zu sichern. Der Garten wurde abgesperrt, und auch die neugierigen Blicke der Dorfbewohner richteten sich auf Camponovos Anwesen. «Plötzlich hatten wir einen ‹Tatort› im Dorf», erinnert sich der.

Alter der Knochen noch unklar

Die geborgenen Knochen liegen vorerst bei der Polizei. Vieles lässt sich nicht sagen – eine grausame Bluttat aus jüngerer Zeit kann indes wohl ausgeschlossen werden. Herkunft und Alter der diversen Knochen und Knochenteile sind bisher aber noch unklar.

«Wir müssen auf die Radiokarbon-Analyse des Labors warten, die herausfinden wird, aus welcher Zeit die Knochen stammen», sagt Andreas Fischer, stellvertretender Leiter der Archäologie Baselland. «Wir gehen davon aus, dass die Knochen von der Zeit ab dem Spätmittelalter stammen.» Dass die Knochen von einem Menschen vor dieser Zeit stammen, vermutet Fischer nicht: «Im Frühmittelalter gab man den Toten Objekte mit ins Grab. An der Fundstelle wurde jedoch nichts Weiteres gefunden.»

Weil aber auch keine Kleiderreste unter der Erde gefunden wurden, deutet dies darauf hin, dass die Knochen älter sind. In den vergangenen Jahren wurden in Wintersingen schon mehrere menschliche Knochen gefunden. «Die heuristische Fundstelle ist die älteste in Wintersingen. Weiter haben wir auch schon römische Fundstellen und ein Frühmittelalterliches Grab entdeckt», erwähnt Fischer.

Das betroffene Grundstück gehört jedoch nicht nur Remo Camponovo, sondern auch einem Unternehmen, an welchem er beteiligt ist. Seit 1955 ist er im Besitz des Gartens. Um eine Verbindung zwischen seinem und anderen Grundstücken herzustellen, gab er seinem Gärtner den Auftrag, diesen Zugangsweg zu bauen. Dafür musste der Gärtner eine Mauer, die das Grundstück von Camponovo einzäunte, für den Weg einreissen. Dort stiess er schliesslich auf die menschlichen Überreste.

Die Mauer wurde kurz nach dem Kauf des Gartens, in den 50er-Jahren gebaut. Remo Camponovo selbst vermutet deshalb, dass die Knochen älter als 70 Jahre sind. «Nun kann die Arbeit an der Einfahrt aber wieder weitergehen. Die Polizei hat den Fundort am Dienstagmorgen wieder freigegeben», sagt Camponovo erleichtert.

Wann das Rätsel des Knochenfunds gelöst wird, ist noch unklar, wie Andreas Fischer sagt.