Münchenstein
Bequem vom neuen Stadtquartier zur Birs spazieren – dank einer neuen Brücke ist das bald möglich

Das Van-Baerle-Areal in Münchenstein soll dicht bebaut werden – etwas gar zu dicht, findet der Kanton. Eine Passerelle zum Uferweg der Birs soll jetzt den fehlenden Freiraum ausgleichen. Für die Gemeinde wäre sie gratis zu haben.

Michel Ecklin
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Die Passerelle soll vom zentralen Platz des neuen Stadtquartiers aus hoch gehen.
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Auf der Westseite müssen Fussgänger noch ein Stück weit gehen, um zur Birs zu gelangen.
Die Passerelle überquert die Bahnlinie der SBB.

Die Passerelle soll vom zentralen Platz des neuen Stadtquartiers aus hoch gehen.

Raumgleiter AG

Es ist mehr als eine Wohnüberbauung, die auf dem Van-Baerle-Areal in Münchenstein entstehen soll. Der Quartierplan sieht auf den zwei Hektaren Industrieareal «ein funktionierendes neues Stück Stadt» vor, wie den Unterlagen zur Gemeindeversammlung vom 22. März zu entnehmen ist.

Rund um einen zentralen, öffentlich zugänglichen Platz sind bis zu 49 Meter hohe Gebäude mit insgesamt rund 400 Wohnungen geplant, von Singlehaushalten über Genossenschaften bis zur Gross-WG, dies in allen Preisklassen. Für einen urbanen Mix sorgen sollen kleine Verkaufs- und Gastronomieflächen, Urban-Gardening, Kleingewerbe und weitere «quartierdienliche Nutzungen» sorgen.

Angesichts der hohen Dichte will man auch die Freiräume sorgfältig gestalten. Der Gemeinderat verspricht eine «hohe Aufenthaltsqualität» dank eines ausgeklügelten Konzepts aus Begrünungen und Plätzen. Zumindest rechnerisch bleibt aber relativ wenig Freiraum, nämlich zehn Quadratmeter für jeden der vorgesehenen rund 900 Einwohner.

Doppelt so dicht wie vergleichbare Überbauungen

Zum Vergleich: In der Stadt Zürich beträgt der Wert acht Quadratmeter, und der Bund gewährt einer Kuh im Laufhof zwölf Quadratmeter. Die Ausnützungsziffer in der Van-Baerle-Überbauung soll 2,26 betragen, etwa doppelt so viel, wie das in anderen Quartierplänen in Agglomerationsgemeinden üblich ist.

Bein Anblick solcher Zahlen wird manch ein Stimmbürger vor der Gemeindeversammlung vom 22. März leer schlucken, wenn es darum geht, den Quartierplan zu genehmigen. Und es überrascht nicht, dass die kantonale Arealbaukommission den Freiraum als «eher knapp berechnet» beurteilt. Die Freiflächenfrage sei nochmals zu überprüfen, gab sie dem Gemeinderat zur Aufgabe.

Dieser hat auf diese Kritik auf seine Art reagiert. Er stellt in den Quartierplanvorschriften sicher, dass der knappe Freiraum nicht im Verlauf der weiteren Planung beschnitten wird. Und er stellt sicher, dass Bäume im Boden genug Platz zum Wachsen haben. Doch an der Dichte innerhalb des Perimeters ändert er im Grundsatz nichts.

Gesamtkosten betragen 3,5 Millionen

Stattdessen will er ein Vorhaben umsetzen, das bisher erst angedacht war: Eine Passerelle bauen, die den zentralen Platz des zukünftigen Quartiers mit dem Grünraum an der Birs verbindet. Die Fussgängerbrücke müsste das Gleisfeld der SBB überqueren, und auf bestehenden Wegen gelangt man bis zum Uferweg. Besser erreichbar wären auch die Industrieareale westlich der Gleise.

Weil wegen der Hochspannungsleitung Sicherheitsvorschriften gelten, ist ein massives Betonbauwerk geplant, inklusive Liften für die Behindertenzugänglichkeit. Insgesamt soll die Brücke 46 Meter lang werden. Die Kosten betragen 3,5 Millionen Franken.

Zwar sollen mit der Passerelle auch die Bewohner von Münchenstein Dorf oder die Trambenutzer einfacher als bisher zur Birs kommen. Profitieren dürften aber vor allem die Bewohner des zukünftigen Quartiers, das so attraktiver wird. Deshalb ist in den Quartierplanvorschriften festgehalten, dass der Bauherr zwei Drittel der Kosten übernimmt, im Rahmen der Infrastrukturbeiträge an die Gemeinde.

Gemeindeversammlung hat das letzte Wort

Weil der übrige Drittel voraussichtlich vom 4. Agglomerationsprogramm des Bundes übernommen wird, kommt die Gemeinde wohl zum Nulltarif zu einer neuen Fussgängerquerung – und der Gemeinderat schafft so vielleicht auch zusätzlich Akzeptanz für das geplante Stadtquartier bei den Stimmbürgern.

Diese sollen nämlich an der Gemeindeversammlung am 22. März sowohl über den Quartierplan Van Baerle als auch über die Passerelle befinden. Und erfahrungsgemäss stossen Wohnüberbauungen mit hoher Dichte auf einige Kritik.

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