Solarpreis
Mit Diplomen ausgezeichnet: Diese Häuser sind Kraftwerke

Ein Haus, das mehr Energie produziert, als dass es verbraucht - ein Traum eines jeden Umweltaktivisten. Zwei «umweltfreundliche» Häuser in der Region wurden mit Diplomen ausgezeichnet, weil sie genau diese Eigenschaft haben.

Daniel Haller
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... kleidete Jürg Schaub in Ormalingen seinen Gewerbebau mit Dünnschichtmodulen ein, die man kaum von einer Glasfassade unterscheiden kann.

... kleidete Jürg Schaub in Ormalingen seinen Gewerbebau mit Dünnschichtmodulen ein, die man kaum von einer Glasfassade unterscheiden kann.

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Den Spruch «My Home is my Castle» kann die Familie Viva aus Münchenstein vergessen. Bei Vivas heisst es zeitgemäss: «Unser Haus ist unser Kraftwerk.» Seit sie im Frühling das ganze Dach und einen Teil der Südfassade mit Solarzellen eingekleidet haben, produziert das Haus ein Fünftel mehr Energie, als es verbraucht. «Gebaut haben wir vor 10 Jahren», berichtet Isabel Viva. «Doch damals war es noch zu teuer, den Minergiebau mit Photovoltaik zu ergänzen.» Zudem war die Technik nicht so ausgereift wie heute: Das Dach weist keine Flächen in Richtung Süden auf. Im Solarkataster des Kantons weist das Haus deshalb keine sehr gut geeigneten Flächen auf. Lukarnen schatten einen Teil der Solarpanels ab. «Damals hätte das bedeutet, dass der Schatten auf einzelnen Elementen die Leistung aller anderen reduziert hätte. Heute hat man dies technisch aber im Griff», berichtet Viva.

Zudem sind mittlerweile die Solarelemente so leistungsfähig, dass man sie auch mit einer Ost-West-Ausrichtung betreiben kann. Dabei verliert man zwar ein knappes Leistungsfünftel gegenüber einer Südfläche. Doch der erwünschte Effekt ist, dass statt des mittäglichen Spitzenstroms das Kraftwerk auf dem Dach der Familie Viva den Strom gleichmässiger über den ganzen Tag verteilt produziert.

Mit dem Solarstrom betreibt die Familie unter anderem ihre Wärmepumpe. Damit heizt diese CO2-frei. Eine Speicherbatterie im Keller haben Vivas aus Preisgründen nicht angeschafft: «Unser Speicher ist das Auto, das wir jeweils in der Mittagspause direkt an die Solaranlage anschliessen.» Die Familie hat im September einen Elektrowagen angeschafft, mit dem sie den Alltag bewältigt. «Für längere Strecken tauschen wir das Auto mit einer befreundeten Familie und fahren hybrid in die Ferien», berichtet Isabel Viva.

Das Haus der Familie Viva wurde beim Schweizer Solarpreis kürzlich mit einem Diplom ausgezeichnet.

Ästhetik vor Leistung

Während in Münchenstein die Effizienz im Vordergrund steht, sprach die Jury der Solar-Agentur Schweiz dem neuen Anbau des Elektrounternehmens Bracher & Schaub in Ormalingen ein Diplom zu, weil dessen Fassade vollständig, also auch auf der Nordseite, aus Solarpanels besteht. «Wir haben die Masse des Gebäudes, die Türen und Fenster exakt nach dem Rastermass der Panels ausgerichtet», berichtet Inhaber und Geschäftsführer Jürg Schaub. «Wir wollen mit unserem neuen Büroanbau zeigen, dass Photovoltaik und Ästhetik sich nicht gegenseitig ausschliessen.»

Nicht dass Schaub etwas gegen Effizienz hätte. Diese demonstriert der unter anderem in der Solarbranche aktive Unternehmer mit anderen Anlagen auf dem Firmengelände. «Wenn man aber dem Sonnenstrom zum Durchbruch verhelfen will, muss man gerade an Durchgangsstrassen darauf achten, ansprechende Lösungen zu präsentieren.» Entsprechend griff er für sein ästhetisches «Leuchtturmprojekt» zu Dünnschichtmodulen. Diese sind zwar nur halb so effizient, kosten aber auch nur ein Drittel, und vor allem sieht man ihnen nicht an, dass es Solarpanels sind. «Sonst behaupten Solarskeptiker immer gleich, es sei hässlich.» Von der Nordfassade erwartet Schaub keine überragende Stromproduktion. «Aber die Preisdifferenz zu anderen Materialien war nicht gross. Deshalb haben wir uns für eine einheitliche Fassade entschieden.»

Um das Rastermass der Panels einzuhalten, wurde die Fassade mit bis zu 40 Zentimeter Isolation aufgepolstert, weshalb das Gebäude besonders wenig Heizenergie braucht. Zusammen mit seinen anderen Solaranlagen produziert Schaub etwa so viel Strom, wie der ganze Betrieb Energie verbraucht.

Preis für Heftis Lebenswerk

Der dritte diesjährige Solarpreisträger aus der Region ist der Solarunternehmer Giorgio Hefti, CEO der Allschwiler Tritec-Gruppe. Diese international tätige Firma hat in 20 Jahren weltweit über 15 000 Photovoltaik-Anlagen installiert, die mit einer Gesamtleistung von rund 400 Megawatt so viel leisten wie jedes der drei AKW Mühleberg, Beznau I und II.

Dies hält die Solar-Agentur, welche den Solarpreis ausrichtet, ausdrücklich fest. Denn auch die Preisträger sehen ihr Engagement nicht nur unter Rentabilitäts-Kriterien. So betont Isabel Viva: «Wir sind klar für den Atomausstieg.»