Kriminaltourismus
Lörracher Polizei jagt Einbrecher nach Baselbieter Vorbild

Das Polizeipräsidium Freiburg im Breisgau inspirierte sich an der Baselbieter Taktik gegen Einbrecher und das mit durchschlagendem Erfolg.

Bojan Stula
Merken
Drucken
Teilen
Verhaltenstipps in den Briefkasten: Im Landkreis Lörrach sind Präventionsstreifen im Einsatz.

Verhaltenstipps in den Briefkasten: Im Landkreis Lörrach sind Präventionsstreifen im Einsatz.

ZVG/Polizeipräsidium Freiburg

Bei der Bekämpfung der Einbruchskriminalität befindet sich die Baselbieter Polizei im Höhenflug. Nach dem Rückgang der Einbruchdiebstähle 2015 um 29 Prozent konnten die kantonalen Sicherheitskräfte die Werte 2016 nochmals um 13 Prozent verbessern. Gleichzeitig verdoppelte sich die Aufklärungsquote auf beachtliche 22 Prozent.

Sicherheitsdirektor Isaac Reber und Polizeikommandant Mark Burkhard machen für den Erfolg in erster Linie die Schwerpunktaktion «Ladro» verantwortlich, deren Hauptelemente – das flexible und mobile Einsatzkonzept sowie die genaue Lageanalyse – im Zuge der laufenden Polizeireorganisation dauerhaft verankert werden sollen.

Die in den vergangenen Tagen publizierten Kriminalstatistiken anderer Kantone weisen indes ebenso markante Rückgänge beim Kriminaltourismus aus. Der von der Ausgangslage her vergleichbare Nachbarkanton Solothurn vermeldete soeben einen Rückgang um sogar 19 Prozent (Vorjahr: – 18 Prozent).

Schweizweit wurde vergangenes Jahr im Schnitt um 13 Prozent weniger oft eingebrochen als 2015, in absoluten Zahlen 36 970 Mal (BL: 1467, BS: 1339). Da stellt sich die Frage, ob in Baselland nicht ähnliche Erfolge möglich wären, ohne gleich sechs Polizeiposten zu schliessen und einen Grossteil der Verkehrspolizei in die mobile Polizei zu überführen.

Rückgang um 61 Prozent

Polizeikommandant Mark Burkhard hält diese Frage für berechtigt. «Tatsächlich gehen in der ganzen Schweiz die Einbrüche zurück. Deshalb stellen wir uns schon die Frage, was der ganze Aufwand nützt, den wir betreiben.» Allerdings gebe es auch ausserhalb der Region Basel «klare Hinweise» dafür, dass mobile Einsatztaktiken erfolgreich sind. Burkhard kann da auf ein Beispiel verweisen, zu dem Baselland sogar den Anstoss geliefert hat: Das Polizeipräsidium Freiburg im Breisgau, dem der benachbarte Landkreis Lörrach unterstellt ist.

Im vergangenen Herbst startete Freiburg die Aktion «Rote Karte für Einbrecher», die je nach aktueller Lagebeurteilung Schwerpunktkontrollen und verstärkte Polizeipräsenz in Wohnquartieren vorsieht. Wie in Baselland meldet ein Ampelsystem die gerade herrschende Einbruchgefahr, und bei Stufe Rot rücken alle verfügbaren Kräfte aus, um Kriminaltouristen abzuschrecken oder auf frischer Tat zu ertappen.

«Man kann jetzt nicht behaupten, dass das Freiburger Modell eine genaue Kopie von ‹Ladro› ist», stellt der Baselbieter Kommandant Burkhard fest, «aber der Input dazu kam zweifellos von uns.» Polizeikommissar Frank Fanz bestätigt das: «Das basellandschaftliche Modell hat uns aufgrund seiner Flexibilität überzeugt», sagt der Sprecher des Freiburger Polizeipräsidiums. Die süddeutschen Kollegen, selber unter Druck wegen einer Einbruchswelle um die Jahreswende 2015/16, passten die Vorgaben aus Baselland auf ihre Bedürfnisse an und starteten am vergangenen 17. Oktober eine eigene Aktion.

Der wichtigste Unterschied zum Baselbiet: Für die personalintensiven Schwerpunktaktionen bei Ampelstufe Rot kann Freiburg nicht nur innerhalb des eigenen Polizeipräsidiums Einsatzkräfte zusammenziehen, sondern auch auf die in Göppingen und Bruchsal stationierte, etwa 2500 Personen starke Bereitschaftspolizei des Bundeslandes Baden-Württemberg zurückgreifen.

Eine weitere Eigenheit sind die sogenannten «Präventionsstreifen», bei denen Fusspatrouillen gefährdete Wohngebiete durchstreifen und neben verdächtigen Hinweisen auch auf Nachlässigkeiten der Bevölkerung achten. Wer nicht zu Hause ist, aber beispielsweise sein Fenster offen gelassen hat, erhält eine freundliche Mahnung in Form eines Flyers in den Briefkasten.

Der Erfolg ist sensationell, insbesondere im Landkreis Lörrach: In der besonders kritischen dunklen Jahreszeit von Oktober bis Dezember 2016 gingen die Einbrüche um 61,1 Prozent zurück. «Im Vergleich mit anderen Präsidien sind wir in Freiburg bei den Einbruchszahlen in der dunklen Jahreszeit sehr gut gefahren», bestätigt Fanz. Darum könne jetzt schon mit Bestimmtheit gesagt werden, dass trotz des hohen Aufwands die Aktion «Rote Karte für Einbrecher» auch in Zukunft weitergeführt wird.

Der Blick nach Norden bestärkt den Baselbieter Polizeikommandanten Mark Burkhard, mit Ladro nicht ganz daneben zu liegen: «Ich bin überzeugt, dass das, was wir machen, seinen Teil zum Rückgang der Einbruchkriminalität beiträgt, vermutlich sogar über die eigenen Kantonsgrenzen hinaus. Aber es ist auch nicht der einzige Faktor.»