Sissach
Lisa Wirz lässt gerne einmal etwas anbrennen

Die junge Sissacherin Lisa Wirz schafft mit ihrer Experimentierlust zwei- und dreidimensionale Kunstwerke: Sie dokumentiert das Abbrennen von Feuerwerk.

Andrea Mašek
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Früher hatte sie Angst vor dem Ablassen von Feuerwerk. Heute experimentiert Lisa Wirz damit, im Namen der Kunst. Den Vorgang hält sie auf Video fest, die Rückstände mit der Fotokamera. Experiment und Endprodukte stellt sie aus – momentan in Zürich.

Scheu erklärt die 23-jährige Sissacherin, dass sie den Geruch von Feuer und Feuerwerk mag. Und sie liebt Holz. Wenn sie von diesem Material spricht, strahlt sie: «Holz ist wahnsinniges Material. Nur schon pur besitzt es eine tolle Struktur.

Es ist hart und weich zugleich, und es riecht so gut.» Wirz hält einen Moment inne und fügt dann an: «Holz sagt etwas über Zeit aus, es braucht Zeit, um zu entstehen.»

Als Kind mit der Arbeit begonnen

Aus ihren Experimenten sind bei Lisa Wirz Kunstwerke entstanden. Sie ist aber zu bescheiden, um sich Künstlerin zu nennen. «Es hat sich einfach so ergeben», sagt sie. Sie sei in einem kulturell interessierten Umfeld und mit Materialien aufgewachsen, mit Holz, Metall und Plastik, mit denen sie heute arbeite. Ihre Eltern besitzen ein Möbelgeschäft.

Schon früh griff sich Lisa Materialien in der Schreinerei oder der Metallwerkstatt, bastelte mit ihnen, probierte schon damals alles Mögliche aus. Von ihrer Ateliernachbarin entdeckt, der Künstlerin Kitty Schaerlin, konnte Wirz 2008 im Kunstraum Sissach zum ersten Mal ihre Werke ausstellen.

Nach wie vor entstehen bei ihr die Dinge «aus dem Bauch heraus. Ich habe eine Idee, aber keine endgültige Vorstellung von dem, was ich machen will.» Sie geht immer vom Material aus, macht dann Eingriffe, beobachtet, wie sich das Material verhält.

In ihren jüngsten Arbeiten arrangierte Wirz Holzkuben sowie Zündhölzer, welche die Spuren von Flammen oder Feuerwerk tragen. Sie sind die Resultate der Experimente. Die Situationen hält sie zweidimensional auf Fotos oder Film fest – oder als dreidimensionale Objekte.

Auch die Fotos sind Kunstwerke

Seit zwei Jahren lässt sie auch im Studium Gelerntes einfliessen. Wirz studiert Innenarchitektur und Szenografie an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Besonders beim Fotografieren kommt ihr das erworbene Wissen um Bildeinteilung zustatten.

Die Bilder ihrer Kunst sind dann wiederum eine Kunst für sich. Experimente seien vergänglich, könnten aber auf Fotos festgehalten werden, meint Wirz. «Für mich sind Fotos ein Mittel, um genau zu beobachten, was während des Experiments abgelaufen ist. Mit Fotos kann ich dokumentieren, was ich gesehen habe.»

In der Freizeit nimmt sie die Kamera nicht gern zur Hand. «In die Ferien nehme ich selten den Fotoapparat hervor, das ist mir oft zu anstrengend, und man kann dann Dinge und Situationen nicht mehr so gut wahrnehmen.»

Diesen Sommer war sie auf einer Studienreise in Schanghai, an der Weltausstellung. «Chinas Kultur ist sehr anders und schwer zu verstehen, aber faszinierend», sagt Wirz. Gerne bleibt sie auch in der Schweiz, es zieht sie an den Thunersee und in die Berge. Auch sonst sei sie gerne draussen, gehe oft mit dem Hund spazieren.

Mit Ausstellungen verwöhnen

Lange hat sie geschwankt, ob sie nach dem Gymnasium eine gestalterische Ausbildung machen oder ins Hotelfach einsteigen soll – sie hat eine Sommersaison im Service gearbeitet. Der Umgang mit den Menschen, die Gastfreundlichkeit hat ihr sehr gut gefallen. «Dass ich die Leute für ein paar Stunden verwöhnen konnte, das war schön.» Das tue sie nun aber auch – mit ihren Ausstellungen.