600 Jahre Bruder Klaus
Liestal war der Wendepunkt

Der Schweizer Nationalheilige Bruder Klaus lebte vor 600 Jahren. Das Kloster Mariastein widmet sich anlässlich seines Geburtstag in einer Ausstellung dem Einsiedler.

Boris Burkhardt
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Das Kloster Mariastein widmet sich in einer Ausstellung dem Nationalheiligen Bruder Klaus.

Das Kloster Mariastein widmet sich in einer Ausstellung dem Nationalheiligen Bruder Klaus.

Roland Schmid

«Ein Mönch hat keinen Privatbesitz», erklärt der Historiker und Pater Lukas Schenker: Alle Exponate, die er im kleinen Ausstellungsraum in Mariastein arrangiert hat, sind gemeinschaftliches Eigentum des Klosters.

So wie auch Niklaus von Flüe, genannt Bruder Klaus, Obwaldner Einsiedler aus dem 15. Jahrhundert und Nationalheiliger der Schweiz, dem diese Ausstellung zum 600. Geburtstag gewidmet ist, nichts mehr besass und nur mit anderen teilte. Eine Erfolgsgeschichte, findet Pater Lukas: «Er floh die Welt; und die Welt kam zu ihm.»

Was sonst noch läuft

Unter www.mehr-ranft.ch gibt es alle Informationen zum Jubiläumsjahr 600 Jahre Bruder Klaus, unter anderem auch über eine Wanderausstellung, die in jedem Kanton haltmacht. Im Museum Bruder Klaus in seinem Heimatort Sachseln OW wird neben anderen die Ausstellung «Niklaus von Flüe – Vermittler zwischen Welten» gezeigt.

Im Theater Palazzo in Liestal wird am 21. Mai das Stück «Nimm mich mir!» aufgeführt, das eine fiktive Ausstellung zu Bruder Klaus zum Thema hat. In der Pfarrei Heilig Geist in Basel kommt am 16. und 17. Juni das szenisch-musikalische Spiel «Ein Mensch brach den Schlaf» zur Aufführung; vom 10. bis 25. Juni wird die Fotoausstellung «Gott in der Natur entdecken» gezeigt www.heiliggeist.ch

Das könnte auch das Motto der Ausstellung im Kloster sein; denn Pater Lukas hofft natürlich, dass viele Besucher bis zum 31. Oktober den Weg nach Mariastein finden werden. Eröffnet wird die Doppelausstellung «Niklaus von Flüe» und «Bilder zum Frieden» am Samstag um 16 Uhr.

Bilder, Bücher, Gedenkmünzen, Figuren und Gemälde hat Pater Lukas mit Helfern zusammen in den Vitrinen im Ausstellungsraum arrangiert. Prunkstück der Ausstellung ist laut Pater Lukas ein Originalgemälde auf Leinwand von 1789, das Bruder Klaus fast in Lebensgrösse zeigt und durch eine Erbschaft ins Kloster kam.

Ein weiteres Gemälde aus dem 19. Jahrhundert, dessen Motiv auf den Plakaten für die Ausstellung wirbt, zeigt den Heiligen mit drei jungen Männern. Offensichtlich fragen sie ihn um Rat; aber Pater Lukas gibt zu: «Bis jetzt konnte niemand das Bild deuten.»

Im Windental vor Liestal (im Hintergrund) hat Bruder Klaus eine Engelsvision. Das Erlebnis beeindruckt ihn so sehr, dass er in die Ranftschlucht zurück kehrt. Dort, in der oberen Ranftkapelle, hängt auch das Gemälde aus dem Jahr 1821 vom Balz Hemann.

Im Windental vor Liestal (im Hintergrund) hat Bruder Klaus eine Engelsvision. Das Erlebnis beeindruckt ihn so sehr, dass er in die Ranftschlucht zurück kehrt. Dort, in der oberen Ranftkapelle, hängt auch das Gemälde aus dem Jahr 1821 vom Balz Hemann.

KEYSTONE

Das Wunder von Waldenburg

Viele Dokumente habe er aus Büchern kopiert, verschiedene Illustrationen Bruder Klausens, der schon von den Zeitgenossen als Heiliger verehrt wurde (offiziell erst seit 1947), ein Meditationsbild, das seine Visionen darstellt, ein Familienwappen, das ihm die Schweizer Benediktinermönche unter anderem aus Mariastein kreierten, als sie den Hochaltar für seine neue Grabeskirche in Ranft stifteten, und Protokolle der Vernehmungen der beiden Frauen aus Büsserach und Egerkingen, die 1937 beziehungsweise 1939 durch Bruder Klaus eine Wunderheilung erfuhren.

«Das kann man glauben; sonst ist es wohl Spinnerei», sagt Pater Lukas. Viel Glauben braucht man für das Wunder, das das Baselbiet direkt mit dem Heiligen verbindet: die sogenannte «Hand von Waldenburg». «Das ist eine Collage, kein Foto», sagt Pater Lukas schmunzelnd.

Der Einsiedler: Alles andere als weltfremd

Niklaus von Flüe (1417 – 1487) aus Sachseln OW hatte keine typische Einsiedlerkarriere: Erst mit 50 Jahren entschloss sich der Bauer und Soldat zu diesem Schritt – mit dem Einverständnis seiner Frau. Zuerst pilgerte er bis nach Liestal, wo er im Windental ob einer Vision wieder umkehrte und in der Ranftschlucht in seiner Heimat lebte. Obwohl er angeblich ausser Hostien und Wasser nichts zu sich nahm und intensiv betete, hielt er sich keineswegs von der Welt fern. Im Gegenteil wurde er zu einem beliebten Berater und Streitschlichter; am bekanntesten ist seine Vermittlung im Stanser Verkommnis 1481, wo Stadt- und Landorte miteinander stritten. 1947 wurde er heiliggesprochen; sein Gedenktag ist der 25. September (katholisch) und 21. März (evangelisch).

Auf dem Schwarz-Weiss-Bild zeigt eine grosse knochige Hand hoch in der Luft auf die Ruine Waldenburg. So wollen es 1940 mindestens 14 gut beleumdete Personen gesehen haben und deuteten es als Bruder Klausens Schutz gegen einen Überfall aus Nazi-Deutschland.

Pater Lukas ist vor allem vom Mediatoren Klaus fasziniert: Bei seiner historisch verbürgten Streitschlichtung beim Stanser Verkommnis habe er gesagt, dass beide Parteien auf ihr Recht pochen könnten; aber beide müssten auch auf etwas verzichten. «Das ist höchst modern und gilt heute noch für Ehe und Familie wie für die Weltpolitik», findet Pater Lukas.

Der zweite Teil der Doppelausstellung «Bilder zum Frieden» unter der Leitung von Klostersprecherin Pia Zeugin ist im benachbarten Hotel Kurhaus Kreuz zu sehen. Er zeigt zum titelgebenden Thema knapp 50 Gemälde.

Die Feiern zum Bruder-Klaus-Jubiläum in Mariastein umfassen ausserdem Gottesdienste, Buchpräsentationen, Kontemplationstage und Kurse, die zum Teil bereits am 6. Mai stattfinden. Die Ausstellungen sind täglich geöffnet.

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