Vorfasnacht
Liestal: «s’Rahmdäfeli» überrascht mit politischer Schärfe

Die dritte Ausgabe der Vorfasnachtsveranstaltung «Rahmdäfeli» im Palazzo feiert am Freitagabend eine rauschende Premiere. Es ist politisch wie nie noch und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Tobias Gfeller
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«s'Rahmtäfeli» im Palazzo Liestal
11 Bilder
Stück Bureschlau
Stück du, Kalle bei dem sich die Deutschen selber loben (2)
Stück du, Kalle bei dem sich die Deutschen selber loben (3)
Stück du, Kalle bei dem sich die Deutschen selber loben (4)
Stück du, Kalle bei dem sich die Deutschen selber loben (5)
Brantgass rag
Erzählerin als Trudi Gerster
Stück mit Narreverstand
Stück mit Narreverstand (2)
Schnitzelbank Stroofrichter, die mit der Heilsarmee gegen Steinbrück antreten wollen

«s'Rahmtäfeli» im Palazzo Liestal

Nicole Nars-Zimmer

Es fühlt sich an, als wäre das «Rahmdäfeli» in Liestal bereits eine etablierte Vorfasnachtsveranstaltung. Der Gang ins Palazzo am Bahnhof gehört im Stedtli mittlerweile zur Fasnachts-Vorfreude dazu. Das Ensemble um Regisseur Dani Muri hat es auch mit dem Jahrgang 2013 geschafft, dass die Besucher bereits sehnsüchtig auf 2014 warten. Eher still, poetisch und sehr musikalisch kamen die beiden Vorgängerausgaben daher. Heuer ist das «Rahmdäfeli» politisch angriffig und schiesst Giftpfeile in alle Richtungen.

Musikalische Begleitung

Den ersten bekommt - da ist das «Rahmdäfeli» ganz unbescheiden -, die Europäische Union ab. Zwei deutsche Jecken diskutieren während einer Karnevals-Sitzung über all die Vor- und Nachteile der Friedensnobelpreisträgerin. «Hochmut, Stolz und Korruption - es lebe hoch die Union.» Bereits im ersten Rahmenstück zeigt sich, dass auch dieses Jahr das «Rahmdäfeli» sehr musikalisch daherkommt. Alle Sketches werden von mehreren Instrumenten begleitet und auch gesanglich verliert «s‘ Mümpfeli Vorfasnecht» überhaupt nichts von der Klasse der Vorjahre. Die vierfache Basler Pfeiferkönigin Stefanie Bossard glänzt wiederum mit der Querflöte. Als übergrosse Braut - oder vielleicht doch als Zürcher Böög -, spielt sie den Marsch «dr Verhäxt». Ein Feuerspektakel auf ihrem Kleid erinnert dabei an den Chienbäse oder eben den brennenden Böög. Michael Rickli, Trommelkönig des «Eidgenössischen», zeigt zu Beginn mit dem «Inferno» sein immenses Können. Den roten Faden durch die ganze Vorstellung spannt das Trudi von gestern, die in ihrem charmanten Ostschweizer Dialekt aktuelle Themen bissig anspricht.

Übersetzer für Kantonsfusion

Auch das «Rahmdäfeli» kommt nicht an der Kantonsfusion vorbei. Dani Muri thematisiert diese überspitzt und zeichnet die Basel-Städter und Baselbieter so, wie sie die radikalen Fusionsgegner wohl auch sehen. Die einen vorlaut und besserwisserisch, die anderen grimmig und im Jodler- und Magd Gewand typisch angezogen. Verstehen tun sich die beiden Lager nicht, weshalb die Städterin auch einen Übersetzer mitgebracht hat.
Als Regula Nebiker, Paul Pfaff, Domenic Schneider (natürlich mit Schal) und Werner Fischer die Bühne betreten, ist der erste Gag bereits im Sack. Sie kommen als Wahlplakate, deren Köpfe von den Schauspielern stammen. Sie necken sich gegenseitig und thematisieren singend die Liestaler Stadtratswahlen. Auch Malermeister Dani Muri, dessen Plakat bereits als Original an der Wand für viele Lacher in Liestal sorgte, will in die Exekutive. In der Zeit, wenn seine Mailerarbeiten trocknen, könne er die politische Arbeit ausführen.

Noch Plätze vorhanden

Das «Rahmdäfeli» beisst kräftig zu. Nicht ganz so streng sind da die beiden Schnitzelbänke. «D‘ Stroofrichter» wünschen sich Silvio Berlusconi, der im Stile von Felix Baumgartner die Schallmauer durchfliegt - nur aber in die entgegengesetzte Richtung. «D‘ Ständerlampe» ist da schon lokaler und thematisiert die Sissacher Eishalle und Peter Zwick als Jagdopfer. Die vierköpfige Band «Inetwa» mit Bläsern und Pauke spielt ein längeres Medley.

Das «Rahmdäfeli» dauert noch bis zum 15. Februar. Treppenplätze sind für alle Vorstellungen ausser jenen vom kommenden Mittwoch bis Samstag erhältlich.

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