Liestal
KMU ist entsetzt, dass ausgerechnet jetzt Ende fürs Gratisparkieren im Stedtli kommen soll

Der Präsident von KMU Liestal fordert, die Umsetzung des Parkplatzkonzepts wegen Corona auf die lange Bank zu schieben.

Andreas Hirsbrunner
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Der Zeughausplatz könnte dereinst parkplatzfrei werden, falls das Konzept umgesetzt wird.

Der Zeughausplatz könnte dereinst parkplatzfrei werden, falls das Konzept umgesetzt wird.

Nicole Nars-Zimmer

Wenn Matthias Renevey, Präsident von KMU Liestal, von seinem Sorgenbarometer zum Liestaler Detailhandel redet, steht nicht Corona zuoberst. Oder präziser: nicht Corona alleine, sondern in Kombination mit einem Beschluss des Liestaler Einwohnerrats. Ende Januar stellte sich dieser mit relativ knapper Mehrheit hinter das Parkplatzkonzept des Stadtrats. Dessen wichtigsten Elemente heissen: Abschaffung der Gratisparkierstunde, oberirdisches Parkieren im und ums Stedtli verteuern, unterirdisches in den Parkhäusern möglichst vereinheitlichen und vergünstigen, ein Parkleitsystem errichten und längerfristig oberirdische Parkplätze innerhalb der Altstadt aufheben (bz berichtete).

Renevey, beruflich Vorsitzender der Raiffeisen-Bankleitung Liestal-Oberbaselbiet, sagt nun: «Wir wurden nicht angefragt bei der Erarbeitung des Konzepts. In der jetzigen Zeit, in der viele Detaillisten im Stedtli Gefahr laufen, Kunden an den Online-Handel zu verlieren, ist es schlicht nicht nachvollziehbar, die Abschaffung der Gratisparkierzeit zu beschliessen. Das sendet das verheerende Zeichen an auswärtige, automobile Konsumenten, wir wollen euch nicht.» So etwas sei rot-grün geprägte Ideologie ohne Fingerspitzengefühl.

Ja zur Strategie, Nein zum Zeitpunkt

Langfristig halte er die Strategie, die oberirdischen Parkplätze zu verteuern und die unterirdischen zu vergünstigen, nicht für falsch, sagt Renevey und ergänzt: «In der jetzigen Coronakrise muss die Devise aber heissen, wir schieben das auf die lange Bank und packen es frühstens 2022 an.» Renevey relativiert zugleich, dass sich die privaten Parkhausbesitzer kaum auf einheitliche Tarife einigen würden, weil sie unterschiedliche Ziele verfolgten. So etwas funktioniere auch in Basel und Zürich nicht.

Darauf will Stadtrat Daniel Muri nicht eingehen. Er schreibt auf Anfrage: «Die Verhandlungen mit den Parkhausbetreibern werden in den nächsten Monaten im Zusammenhang mit dem Parkleitsystem in Angriff genommen.» Die Einwohnerratsvorlage zu diesem System stellt er auf «Sommer bis Frühherbst» in Aussicht. Zur sonstigen Terminplanung lässt sich der federführende Stadtrat nicht in die Karten blicken.

Zwei Gewerbepräsidenten – zwei Sichtweisen

Eine etwas andere Sichtweise als Renevey hat Stefan Ulrich, Präsident des Vereins Begegnungszone Liestal, dem vor allem Detaillisten angehören. Er sagt: «Seit 15 Jahren ist die Parkierung ein Auf und Ab in Liestal. Man muss überall Parkgebühren zahlen, und ich erachte es nicht als dramatisch, wenn wir das Parkregime ändern. Schliesslich haben wir genügend Parkhäuser.» In einem Punkt aber besteht Einigkeit. «Man sollte nicht gerade jetzt in der Coronazeit das Gratisparkieren aufheben», betont auch Ulrich.

Alles andere als deckungsgleich sind die Aussagen von Renevey und Ulrich zur Lage der Liestaler Detaillisten. Ulrich spricht von «einer sich immer mehr verschärfenden Situation». 23 Geschäftsinhaber hätten seit Anfang 2020 im Zentrum aufgehört, teils wegen Pensionierung oder anderer persönlicher Gründe, teils aber auch wegen der Coronasituation. Renevey dagegen sagt, dass ihm keine Geschäftsaufgabe wegen Corona bekannt sei. Seine Einschätzung lautet: «Die Situation ist verhalten. Bei einigen ist die Lage nicht so schlecht, wie es nach aussen scheint, andere wiederum sind am Ende ihrer Reserven. Für sie ist Schluss, wenn das Ganze noch lange andauert.»

Nationaler Preis für neue Rathausstrasse

Das ist Balsam für die Liestaler Seele und eine Ehre für Christian Stauffenegger: Dessen Büro Stauffenegger und Partner in Basel erhält den mit 10'000 Franken dotierten Hauptpreis des «Flâneur d'Or 2020» für die Neugestaltung der Rathausstrasse. Der Wettbewerb, der innovative Projekte zu Gunsten der Fussgängerinnen und Fussgänger honoriert, wurde von «Fussverkehr Schweiz» zum zehnten Mal durchgeführt und unter anderen vom Bundesamt für Strassen unterstützt. Der Preis zeigt, dass die neue Liestaler Rathausstrasse national wahrgenommen und geschätzt wird. Die Preisverleihung fürs Siegerprojekt und sieben weitere Auszeichnungen findet Ende März statt. (hi)

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