Baselworld
Lausner Uhrwerke für die Schweiz und die ganze Welt

Der Uhrwerkhersteller Ronda AG produziert für Nischenmärkte. Das 1946 gegründete Unternehmen ist aber der grösste Vertreter der Nordwestschweizer Uhrenbranche. In Lausen sind 260 Mitarbeitende beschäftigt, 400 im Tessin und über 1000 in Thailand.

Daniel Haller
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Erich Mosset, CEO Ronda, bei einer Platinenfertigung.Kenneth Nars

Erich Mosset, CEO Ronda, bei einer Platinenfertigung.Kenneth Nars

Die konzentrierte Stille einer Uhrenmanufaktur sucht man in den Produktionsräumen bei Ronda in Lausen vergebens. Im Gegenteil: Die Arbeiter tragen Lärmschutzstöpsel, denn hier stanzen und fräsen Automaten im Sekundentakt Komponenten für analoge Quarz-Uhrwerke. Das 1946 gegründete Familienunternehmen ist der grösste Vertreter der Nordwestschweizer Uhrenbranche: In Tochterwerken in Thailand arbeiten über 1000 Personen. In Lausen produzieren 260 Mitarbeitende Uhrwerksbestandteile. Und mehr als 400 Jobs bieten die beiden Tochterfirmen im Tessin: die eine für die Montage der Uhrwerke, die andere für die Montage ganzer Uhren für Kunden, die sie dann unter ihren jeweiligen Markennamen verkaufen.

Serie

Mit Blick auf die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld porträtiert die bz Uhrenfirmen aus der Nordwestschweiz. Bereits erschienen: Charmex (15.4.) und Grovana (16.4).

Jährlich 20 Millionen Uhrwerke

Mit einem Ausstoss von knapp 20 Millionen Kalibern ist Ronda auf dem Weltmarkt – jährlich 900 Millionen Quarzwerke – ein kleiner Fisch. Doch unter den Kleinen sei Ronda der Grösste, erklärt CEO und Verwaltungsratspräsident Erich Mosset. Wie hoch der in der Schweiz als «Swissmade» produzierte Anteil ist, will er nicht nennen. Doch bewege sich Ronda «im Quarzbereich auf Augenhöhe mit der ETA», dem Uhrwerksproduzenten der Swatch Group. So treiben Ronda-Kaliber die Zeiger von Marken wie Tag Heuer, Gucci, Victorinox oder Mondaine an.

Die komplexesten Ronda-Kaliber kosten 47 Franken, die günstigsten Dreizeiger-Werke liefert Ronda für 1.50 Franken. Japanische Uhrwerke sind aber teilweise für 50 Rappen zu haben. Doch den extremen Preiskampf der japanischen Weltmarktführer Seiko und Citizen und der chinesischen Billighersteller kann und will Mosset nicht mitmachen. «Wir setzen als Nischenproduzent auf flexiblen Service, Kundennähe und spezielle Funktionen», erläutert Mosset. So hat Ronda den ersten Quarzchronografen mit Grossdatums-Anzeige auf den Markt gebracht.

Neues Produkt zur Baselworld

Um den Spagat zwischen Spezialität – also vergleichsweise kleineren Stückzahlen – und den für konkurrenzfähige Preise erforderlichen grossen Volumen zu bewältigen, hat Ronda ein System entwickelt, Werke modular aufzubauen. So kann man auf einer Konstruktions-Plattform mehrere verschiedene Kaliber herstellen. Auch die automatisierten Produktionsverfahren sind teilweise selber entwickelt.

Die 15 Personen umfassende Entwicklungsabteilung ist im Hauptsitz in Lausen untergebracht. «Entscheidend für den Erfolg ist, dass ein neu entwickeltes Kaliber dem Wunsch unserer Kunden entspricht, sich von der Konkurrenz abhebt und wir es trotzdem in hoher Stückzahl in der gewünschten Präzision herstellen können», betont Mosset. Welche Neuentwicklung Ronda an der Baselworld präsentieren wird, möchte er aber noch nicht bekannt geben.

Die in Thailand gefertigten Kaliber verkauft Ronda auf den Fernostmärkten unter dem Label «Swiss parts». Die in der Schweiz produzierten Uhrwerke hingegen werden als Herzstück von Schweizer Uhren exportiert.

Kritik an Swiss-made-Verschärfung

Eine Verschärfung der Swiss-made-Verordnung würde deshalb die Schweizer Ronda-Kunden treffen. «Die neuen Kriterien sind auf die grossen Luxusmarken und die Swatch Group zugeschnitten, die von der industriellen Basis für die eigene Komponentenproduktion bis zu eigenen Shops für den Vertrieb über die ganze Wertschöpfungskette verfügen», erklärt Mosset.

«Die KMU der Uhrenbranche hingegen werden durch eine Verschärfung benachteiligt.» Der höhere Swiss-made-Anteil verteuere nämlich die Uhren des mittleren und unteren Preissegments, ohne dass diese qualitativ besser würden. Zudem seien gerade die kleinen Hersteller auf das Swiss-made-Label angewiesen, während dieses für grosse Marken weniger Gewicht habe.

Gedämpfter Optimismus

Als Hersteller von Uhrwerken im Volumenmarkt ist Ronda stärker von der Konjunktur abhängig als Uhren des Luxussegments. «Es herrscht keine Euphorie, und wir erwarten kein grosses Wachstum. Aber wir arbeiten auf solidem Niveau mit finanziell guten Resultaten.» Nur zu einem kleinen Teil betroffen sei Ronda vom Eurokurs: «Für uns ist der Dollar viel wichtiger, und der hat in zehn Jahren die Hälfte seines Werts verloren.»

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