Lausen
110-jährige Jugendstilvilla muss Dreifachkindergarten weichen

Lausen plant einen grossen Kindergarten. Dafür wird die Villa zur Garbe abgerissen. Doch vorerst dient das Gelände als Lagerplatz für ein anderes Bauprojekt.

Simon Tschopp
Merken
Drucken
Teilen
Die Villa zur Garbe wird dem Erdboden gleich gemacht.

Die Villa zur Garbe wird dem Erdboden gleich gemacht.

Simon Tschopp (Lausen, 21. April 2021)

Die Tage der 1912 erbauten Jugendstilvilla zur Garbe sind gezählt. Die Bagger sind aufgefahren, um das stattliche Landhaus dem Erdboden gleich zu machen. Auf dem Areal soll in ein paar Jahren ein Dreifachkindergarten entstehen. Vorerst benötigt es die Gemeinde Lausen aber als Installationsplatz für die Totalsanierung der Sportanlage Bifang, die bis 2022 dauert. Der ursprüngliche Lagerplatz war auf dem anliegenden Parkfeld der Sporthalle Stutz vorgesehen. Weil er zurzeit durch das Impfzentrum Ost benutzt wird, kam diese Variante nicht in Frage.

Als «kommunal zu schützen» eingestuft

Die Villa zur Garbe, die einst der Liestaler Architekt Wilhelm Brodtbeck für den Müller August Hägler-Koch gebaut hatte, ging vor 28 Jahren an die Gemeinde Lausen über. Sie wurde in einem Papier von 2008 zum Bauinventar Kanton Basel-Landschaft als «kommunal zu schützen» eingestuft – was jedoch nie geschah.

«Die Bausubstanz ist in einem sehr schlechten Zustand»,

erklärt Gemeindepräsident Peter Aerni, der Keller sei komplett feucht. Die Mieter, die im März ausgezogen sind, hätten im Winter zu kalt und im Sommer zu heiss gehabt. «Wir hätten enorm viel Geld investieren müssen», sagt Aerni. Solches habe Lausen nicht zuhauf, weshalb sich der Gemeinderat für einen Abbruch entschieden habe.

Über Abbruch sind nicht alle glücklich

Dass daran nicht alle Lausnerinnen und Lausner Freude haben, versteht der Gemeindepräsident. Dieser gibt jedoch zu bedenken:

«Wenn man es nicht finanzieren muss, kann man schon sagen, es sei ein schönes Haus und man solle dazu schauen.»

Wäre Lausen eine reiche Kommune und hätte das nötige Geld, in alte Liegenschaften zu investieren, wäre die Ausgangslage anders. In der jetzigen Zeit des Klimaschutzes ist ein altes Haus ein Handicap. Eine Sanierung samt Hülle und Heizung kommt wesentlich teurer zu stehen als ein Neubau.

Denkmalpflege oder Heimatschutz intervenierten bei der Gemeinde Lausen nicht gegen den Abriss der bald 110-jährigen Villa. Er habe das schon seit fünf Jahren immer wieder an Gemeindeversammlungen oder im «Lausner Anzeiger» kommuniziert, dass dieses Gebäude dem Abbruch geweiht sei, betont Peter Aerni.

Lausen wächst und braucht einen siebten Kindergarten

Das Projekt Dreifachkindergarten mit Tagesstrukturen wird erst in Angriff genommen, wenn die Sportanlage Bifang erneuert und der Installationsplatz geräumt ist. Die 5500-Seelen-Gemeinde Lausen betreibt derzeit sechs Kindergärten; ein siebter ist nötig wegen des starken Bevölkerungswachstums in Aussenquartieren. Mittel- bis langfristig dürfte die Ortschaft 6000 Einwohnerinnen und Einwohner zählen. Dafür ist die Schule bereits gerüstet. Vor fünf Jahren wurde zusätzlicher Schulraum geschaffen.

Die in die Jahre gekommenen Kindergärten Brühl-Ost und Brühl-West haben ausgedient und werden nach Inbetriebnahme des Dreifachkindergartens zurückgebaut. Dort sind dann Wohnungen möglich. Dazu müsste das Gelände, das momentan in der Zone für öffentliche Werke und Anlagen liegt und sich mitten in einem Wohngebiet befindet, der Bauzone zugeführt werden.

Bessere Durchmischung von Kindern

Mit dem Zusammenführen von Kindergärten will die Gemeinde auch die Durchmischung von Kindern fördern. In einzelnen Quartieren leben teilweise vermehrt fremdsprachige Personen.

«Es kam schon vor, dass Schweizer Familien sich daran stiessen, weil sie ihre Kinder in einen Kindergarten mit hohem Ausländerkinder-Anteil schicken mussten»,

erzählt Gemeindepräsident Peter Aerni. Mit den in Lausen noch fehlenden Tagesstrukturen soll zudem ein grosses Bedürfnis befriedigt werden. Für Aerni ist das eine «gute Kombination».