Wahlkreis Allschwil
Landratswahlen Baselland: Wahlkampf im Namen des Volkes

Die SVP-Sektion im Wahlkreis Allschwil hat sich aufgespalten – die Jagd auf ihre beiden Sitze ist eröffnet.

Benjamin Wieland
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In Allschwil gibt es gleich drei Parteien mit «Volk» im Namen. Eine davon ist zudem die jüngste politische Kraft im Baselbiet.

In Allschwil gibt es gleich drei Parteien mit «Volk» im Namen. Eine davon ist zudem die jüngste politische Kraft im Baselbiet.

Mirjam Kohler, bearbeitet von Micha Wernli

In Allschwil kämpfen zwei Volksparteien um zwei Sitze. Fest steht: Einer wird verschwinden – wenn nicht zwei. Im Wahlkreis kommt es zum Spiel «Reise nach Jerusalem» auf Politikerart. Auf der einen Seite steht die Schweizerische Volkspartei (SVP), auf der anderen ihr Klon, die Allschwiler Volkspartei (AVP), die sich erst im vergangenen November von ihrer Mutter abgespalten hat.

Die zwei Landratsmitglieder Pascale Uccella und ihr Vater Roman Klauser hatten sich mit anderen Parteigranden hoffnungslos zerstritten. Nach dem Ausschluss aus der SVP-Landratsfraktion gründete das Vater-Tochter-Gespann kurzerhand eine eigene Partei.

Im Allschwiler Einwohnerrat konnten Uccella und Klauser zwei andere SVP-Mitglieder zum Übertritt zur AVP überzeugen. Seither gibt es im Gemeindeparlament sechs Fraktionen. Mit Klauser stellt die AVP zudem einen Gemeinderat. Bei den Landratswahlen dürfte das wenig nützen.

Uccella und Klauser werden ihre zwei Mandate nicht halten können. Nur schon deshalb, weil die AVP in den zwei anderen Wahlkreisen der Wahlregion 1, also in Binningen und Oberwil, nicht antritt, was für die Mandatszuteilung wichtig wäre. Zudem kam der zweite SVP-Sitz vor vier Jahren nur mit Restmandaten zustande, war also rechnerisches Verschiebeglück – solche Überraschungen birgt das komplizierte Baselbieter Wahlsystem.

Uccella ist auf der AVP-Liste auf dem ersten Platz, ihr Vater liess ihr den Vortritt. «Wenn wir Glück haben, können wir einen Sitz halten», sagt Uccella zur bz. «Wir spüren viel Zuspruch aus der Bevölkerung und von den KMU. Das ist uns Ansporn genug.»

Das könnte auch so gedeutet werden: Die AVP nutzt die Landratswahlen als Aufwärmrunde für die Gemeindewahlen im kommenden Jahr.

Laufentaler auf SVP-Liste

Die übrig gebliebenen SVPler konnten offenbar nur mit Mühe und Not eine Sechserliste beisammen kriegen. Unter den Kandidierenden findet sich auch ein Ortsfremder: Yves Bandini gibt als Wohnort Zwingen an. Zweimal aufgeführt ist Florian Spiegel. Dem Einwohnerrat werden realistische Chancen für den Einzug ins Kantonsparlament eingeräumt.

Rein theoretisch bräuchte eine Partei für einen der sieben Sitze 14,3 Prozent der Stimmen im Wahlkreis, in der Wahlregion wären es 4,3 Prozent – für die SVP als wählerstärkste Kraft im Kanton Baselland locker machbar. Wenn da nur nicht die abtrünnigen AVPler wären.

Bleibt die dritte Partei mit «Volk» im Namen, die CVP. Sie kam vor vier Jahren lediglich auf den vierten Platz bei den Parteistimmen, hinter SP, SVP und FDP. Mit Felix Keller können die Christlichdemokraten jedoch den Präsidenten der CVP-Fraktion im Landrat vorweisen – die Wahl des bekannten Bisherigen gilt als einigermassen gesichert.

FDP mit Allschwiler Daig

An wen fällt der eine oder auch beide bisherigen Sitze der SVP/AVP? Am ehesten dürfen sich FDP und SP Chancen auf einen Mandatsgewinn ausrechnen. Beide Parteien besassen vor nicht allzu langer Zeit noch je zwei Mandate, verloren sie jedoch 2015 (SP) und 2011 (FDP).

Die SP hat mit Andreas Bammatter einen sicheren Wert in ihren Reihen. Der alt Einwohnerratspräsident 2013/14 ist in Liestal und im Dorf ein bekannter Name. Der selbstständige Coach und Ausbilder führt die SP-Siebner-Liste an. 2015 erzielte «Bammi», wie Bammatter in Allschwil genannt wird, das klar beste Resultat.

Reichlich Stimmen holen dürften zudem Etienne Winter, der im Dachverband der Pfadi Region Basel aktiv ist. Ein weiterer Stimmenlieferant Winters ist dessen Vater, alt Einwohnerrat Jean-Jacques Winter. Als Primarlehrer hatte er Generationen von Allschwilern unterrichtet und geniesst eine entsprechende Bekanntheit.

Zweiter auf der SP-Liste ist jedoch Mehmet Can. Zumindest im Einwohnerrat ist der Zollfachmann bislang wenig in Erscheinung getreten.

Zitterkandidaten EVP und GLP

Das zweitbeste Resultat bei den Kandidierendenstimmen erreichte 2015 Jürg Vogt von der FDP. Die Freisinnigen gehen nun neben dem bisherigen Vogt mit einem zweiten Vogt – ein alteingesessenes Geschlecht in Allschwil – auf Stimmenfang. Robert Vogt ist Gemeinderat. Zweiter auf der FDP-Siebnerliste ist Einwohnerrat Andreas Bärtsch.

Als Zitterkandidat gilt der GLP-Landrat Matthias Häuptli. Die Grünliberalen kamen 2015 über Restmandate zu ihrem Sitz in Liestal. Häuptli ist im Orts-Parlament eine auffällige Stimme – die übrigen drei Kandidaten auf der GLP-Liste hingegen sind politisch unbeschriebene Blätter.
Schwer einzuschätzen sind die Wiederwahl-Chancen von EVP-Vertreter Werner Hotz. Die Evangelischen dürfen auf einen stabilen Wählerstamm zählen – der jedoch in Allschwil eher bescheiden ausfällt. Und jünger geworden ist er seit den letzten Wahlen auch nicht.

Chancenlos dürfte die BDP bleiben. Das zur Wahl stehende Trio mit Beat Dobler vereinigt zu wenig Zugkraft. Vor vier Jahren kam die Bürgerlich-Demokratische Partei lediglich auf 2,36 Prozent der Parteistimmen.

Die Grünen treten mit einer Alt-Landrätin an: Julia Gosteli. Die Lehrerin sass bereits von 2012 bis 2015 im «Stöckli». Die Einwohnerrätin darf wenigstens ein bisschen auf den Bisherigen-Bonus setzen. Allschwil gilt nicht als Grünen-Hochburg, die Partei kam 2015 lediglich auf den fünften Rang. Doch die Klimaerwärmung treibt die (jugendlichen) Massen auf die Strassen – gut möglich, dass die Grünen vom Phänomen profitieren, wie bereits nach dem Reaktorunfall von Fukushima.

Zwei Mandate scheinen für die Grünen trotzdem unerreichbar. Auf dem zweiten Listenplatz ist Julia Gostelis Einwohnerrats-Kollege Ueli Keller. Er dürfte der Leserschaft dieser Zeitung bereits aufgefallen sein – als Autor in den Kommentar- und Leserbriefspalten, wo er wacker gegen Lärm und Dreck des Flugverkehrs im Allgemeinen und des Euro-Airports im Besonderen anschreibt.

Ein Schönenbucher wills wissen

Ein weiteres bekanntes Gesicht auf den Wahllisten ist Hannes Hänggi. Der Gemeindepräsident von Schönenbuch hat im vergangenen Dezember angekündigt, dass er sein Amt niederlegen wird. Grössere Wahlchancen hat der Geologe jedoch kaum. Die CVP dürfte nicht auf zwei Mandate kommen. Hänggi muss zudem auf der Siebnerliste mit dem dritten Rang vorliebnehmen, hinter Muriel Dietiker.

Hänggi begründete seinen Rücktritt mit Zeitmangel, er übernehme eine Kaderfunktion am Paul-Scherrer-Institut in Villigen. Für ein Landratsmandat fällt der zeitliche Aufwand tiefer aus als fürs Gemeindepräsidium. Der Zufall will es, dass Hänggis Demission genau auf den Termin der Baselbieter Wahlen fällt, auf den Sonntag, 31. März 2019.

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