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Volksheld oder Sklaventreiber? Baselland arbeitet die Rolle General Sutters offiziell auf

Die Baselbieter Regierung muss prüfen, wie die koloniale Vergangenheit von Baselbieter Persönlichkeiten aufgearbeitet werden kann. Ein entsprechendes Postulat wurde am Donnerstag überwiesen. Im Fokus steht eine Zusammenarbeit mit der Uni Basel.

Michael Nittnaus
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Das General-Sutter-Denkmal in Rünenberg ist der sichtbarste Ort der Verehrung des umstrittenen Pioniers im Baselbiet.

Das General-Sutter-Denkmal in Rünenberg ist der sichtbarste Ort der Verehrung des umstrittenen Pioniers im Baselbiet.

Nicole Nars-Zimmer

Der Vorstoss von Landrat Jan Kirchmayr (SP) richtet sich generell an «Baselbieter Persönlichkeiten mit kolonialer Vergangenheit». Doch ganz klar Ursprung und Fokus des Begehrens ist Johann August Sutter - genannt General Sutter. 1834 wanderte der Rünenberger nach Amerika aus und gründete in Kalifornien die Kolonie «Neu-Helvetien». Später legte sein Sohn den Grundstein für die Gründung von Kaliforniens Hauptstadt Sacramento. Entsprechend ehrt in Rünenberg ein Denkmal den Pionier.

Dass Sutter gemäss einer wissenschaftlichen Arbeit der Baselbieter Historikerin Rachel Huber aber auch indigene Frauen und Kinder versklavte und dabei besonders brutal vorging, wurde lange ausgeblendet. Die Black-Lives-Matter-Bewegung in den USA führte vor einem Jahr dazu, dass die Stadt Sacramento eine Statue Sutters entfernte. Und die Baselbieter Jungsozialisten verdeckten das Rünenberger Denkmal mit einem blutverschmierten Tuch. Der Rünenberger Gemeinderat entschied in der Folge, eine zweite Tafel anzubringen, die auch auf die Schattenseiten Sutters hinweist.

Nicht alle wollen General Sutter durchleuchten

Mit der Überweisung des Postulats Kirchmayrs - es erhielt 48 Ja- zu 33 Nein-Stimmen bei 2 Enthaltungen - muss die Regierung nun prüfen und berichten, «welche Strategien für die Aufarbeitung und Vermittlung der kolonialen Vergangenheit von Baselbieter Persönlichkeiten gewinnbringend und machbar sind. Namentlich soll auch mit dem Departement Geschichte der Universität Basel Kontakt aufgenommen werden, um eine institutionell abgestützte historische Aufarbeitung zu prüfen.»

Obwohl Kirchmayr im Rat betonte, dass es ihm nicht darum ginge, Statuen zu stürzen, sondern um eine reflektierte Aufarbeitung der Geschichte, stiess sein Vorstoss nicht bei allen Fraktionen auf Gegenliebe. Vor allem der Liedertswiler SVP-Landrat Michel Degen wählte klare Worte:

«Das Pamphlet von Rachel Huber wurde zur Arbeitsgrundlage subversiver Kräfte. Sutter war eine vielschichtige Persönlichkeit.»

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