Landrat
Kanton muss sich bei den SBB für Provisorium einsetzen, damit beim Brückenneubau in Muttenz niemand abgeschnitten wird

Die Gemeinde und die SBB haben sich beim Neubau der Verbindungsbrücke Muttenz-Hardwald über den Rangierbahnhof zerstritten. Der Landrat beauftragt die Regierung nun, sich einzuschalten. Doch diese dämpft die Erwartungen.

Michael Nittnaus
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Die SBB planen bei der Grenzacherstrasse in Muttenz einen Neubau der alten Brücke über den Rangierbahnhof, doch ein Provisorium soll es während der Bauzeit nicht geben.

Die SBB planen bei der Grenzacherstrasse in Muttenz einen Neubau der alten Brücke über den Rangierbahnhof, doch ein Provisorium soll es während der Bauzeit nicht geben.

Nicole Nars-Zimmer

Die Situation zwischen den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) und der Gemeinde Muttenz ist «verkachelt», wie es an der Landratssitzung heute Donnerstag gleich mehrere Politiker ausdrückten. Die SBB wollen zwar die baufällige Brücke an der Grenzacherstrasse direkt bei der FHNW und dem Strafjustizzentrum durch einen Neubau ersetzen. Doch während der geplanten Bauzeit von 2022 bis 2026 ist kein Provisorium vorgesehen. Damit würden unter anderem der Robinson-Spielplatz und Tennisclub praktisch abgeschnitten werden.

An der Landratssitzung vor einer Woche hatte Baudirektor Isaac Reber noch betont, dass der Kanton Baselland sich hier nicht einmischen könne, da die Grenzacherstrasse zum kommunalen Strassennetz gehöre. Ausserdem brauche man einen parlamentarischen Auftrag. Der Birsfelder CVP-Landrat Simon Oberbeck nahm Reber beim Wort. In einem dringlichen Postulat forderte er, dass sich die Regierung aktiv für den Bau eines Provisoriums für eine Fuss- und Veloverbindung während der Bauzeit einsetzen solle.

Doch Oberbeck wollte noch mehr: Der Kanton solle zudem prüfen, ob er die Grenzacherstrasse in das kantonale Strassennetz überführen könne. Und zu guter Letzt solle ein sicherer Veloweg an die Hand genommen werden, in Koordination mit der geplanten Velovorzugsroute im Hardwald.

Jetzt geht es nur noch um die Frage eines Provisoriums

«Es ist angezeigt, dass der Kanton Verantwortung übernimmt und aktiv als Vermittler auftritt», hielt Oberbeck an der Sitzung heute Donnerstag fest. Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer, die den abwesenden Reber vertrat, betonte allerdings erneut:

«Wir können nur im Hintergrund unterstützen, da wir keine Verfahrenspartei sind. Das Provisorium bauen müssen Muttenz und die SBB.»

Und genau das soll der Kanton nun auch tun. Das Postulat wurde nämlich mit 67 Ja- zu 15 Nein-Stimmen bei 4 Enthaltungen überwiesen. Allerdings hatte Oberbeck den Inhalt zuvor deutlich abgespeckt. Mehrere Fraktionssprecher hatten ihn darum gebeten, sich ausschliesslich auf das Erstellen des Provisoriums zu konzentrieren. «Dringlich ist bloss die Frage, ob eine provisorische Brücke möglich ist», sagte etwa FDP-Fraktionschef Andreas Dürr.

Provisorium nicht mehr auf Fuss- und Veloverkehr beschränkt

Noch während der laufenden Sitzung nahm sich Oberbeck Zeit, den Vorstoss neu zu formulieren. Und das Resultat weist einen wesentlichen Unterschied zum Original auf: Neu geht es nicht mehr explizit um ein Provisorium für eine Fuss- und Veloverbindung. Das sorgte unter anderem beim Muttenzer Grünen Peter Hartmann für Irritation. Es wird also spannend sein, zu sehen, ob die Regierung nun sogar dafür sorgt, dass das Provisorium auch Auto- und Lastwagenverkehr zulässt.

Hoffnungen der Muttenzer und Birsfelder Landräte, dass der Kanton am Ende die provisorische Brücke sogar mitfinanzieren könnte, schob Finanzdirektor Anton Lauber allerdings einen Riegel vor:

«Die Einmischung des Landrates in die Gemeindeautonomie ist schon speziell, wenn auch gut gemeint. Dass der Kanton aber das Ganze mitfinanziert, das wäre eine ganz neue Dimension und ginge klar zu weit.»