Muttenz
Landeigentümer dreht am Rad: Er wurde nicht über Windrad-Pläne informiert

Alle betroffenen Grundeigentümer seien für das Windpark-Projekt im Hardwald, teilte Muttenz mit – stimmt nicht, sagt einer von ihnen.

Benjamin Wieland
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So könnte es dereinst aussehen, wenn sich über dem Muttenzer Dächermeer plötzlich zwei Windräder erheben.

So könnte es dereinst aussehen, wenn sich über dem Muttenzer Dächermeer plötzlich zwei Windräder erheben.

Visualisierung/ZVG

Primeo Energie will im Muttenzer Hardwald einen Windpark bauen. Bereits 2023 sollen zwei rund 200 Meter hohe Windräder Strom liefern. Mit Vertretern aller betroffenen Grundeigentümer seien bereits Gespräche geführt worden, schreibt die Gemeinde Muttenz in ihrem Planungsbericht zur fürs Projekt notwendigen Zonenplan-Mutation Die Rückmeldungen seien positiv: Die Areale stünden «für die Realisierung der Planung zur Verfügung».

Dem widerspricht einer dieser Grundeigentümer. Jakob Brunner teilt der «Schweiz am Wochenende» mit, er sei von der Gemeinde nie informiert worden, «weder mündlich, noch schriftlich». Folglich habe er auch nie die Gelegenheit gehabt, sein Okay zu geben – und das habe er auch nicht im Sinne.

«Ich habe nichts derartiges unterzeichnet»

Brunner ist laut eigenen Angaben Mitglied der Erbengemeinschaft einer Parzelle, die vom Vorhaben direkt betroffen wäre, weil eines der Windräder gleich daneben zu stehen kommen soll. Primeo Energie (vormals EBM) plant, die westliche Anlage auf dem Areal zu bauen, auf dem Muttenz heute eine Kompostieranlage betreibt. Die Gemeinde strebt an, das umliegende Land umzuzonen: von der Spezialzone für Zwischenlager in die Spezialzone Ver- und Entsorgung. Damit ist Brunner nicht einverstanden. Er werde deshalb Einsprache gegen die Zonenplan-Mutation einreichen, kündigt der Muttenzer an. Auch das Baugesuch für den Windpark werde er anfechten: «Ich bin nicht grundsätzlich gegen Windkraft. Aber an diesem Standort sind Windräder nicht rentabel und somit nicht sinnvoll. Ich bin nicht bereit, mein Land für solch ein Projekt zur Verfügung zu stellen.»

Brunner hat laut eigenen Angaben an der jüngsten Veranstaltung der Gemeinde zum Windpark das Wort ergriffen und den zuständigen Gemeinderat Thomi Jourdan (EVP) auf das Versäumnis aufmerksam gemacht. Jourdan habe versprochen, sich um die Angelegenheit zu kümmern.

Laut dem erwähnten Planungsbericht sind nicht nur alle Landbesitzer dem Projekt positiv gesinnt. Die Eigentümer der Parzelle, die Brunner mitbeansprucht, hätten auch Windmessungen zugestimmt – eine entsprechende Nutzungsvereinbarung sei mit der Aventron AG abgeschlossen worden, die Firma ist mit der Umsetzung des Windparks beauftragt. Auch diese Information sei falsch, sagt Brunner: Er habe nichts derartiges unterzeichnet.

Der Muttenzer Bauverwalter Christoph Heitz schreibt, es gebe sehr wohl eine Vereinbarung. Die Aventron AG habe direkt mit Vertretern der Eigentümer, also auch der Erbengemeinschaft der genannten Parzelle, Gespräche geführt. Alle Kontaktierten stünden den Plänen positiv gegenüber. Schon im vergangenen Jahr habe die Gemeinde versucht, mit allen Personen der Erbengemeinschaft Kontakt aufzunehmen. Eine Besprechung sei jedoch «unmittelbar vor dem vereinbarten Termin vom Rechtsvertreter von Jakob Brunner abgesagt» worden, schreibt Heitz. Ein neuer Termin sei nicht vorgeschlagen worden.

Erben sind im Grundbuch (noch) nicht aufgeführt

Die Gemeinde hat die Mutation der Zonenvorschriften per 21. September zur Mitwirkung und Anhörung unterbreitet. Noch bis zum 26. Oktober sind Eingaben möglich.

Dass Brunner nicht von Beginn an kontaktiert worden ist, könnte mit dem Grundbuch zusammenhängen. Die Parzelle gehörte seinen verstorbenen Eltern – zumindest im elektronischen Grundbucheintrag sind sie noch immer als einzige Eigentümer aufgeführt.

Nicht einverstanden mit den Windrädern zwischen Eisenbahn und Autobahn ist auch das Aktionskomitee gegen Windkraft in der Muttenzer Hard. Es reichte am vergangenen Dienstag eine Petition mit 195 Unterschriften ein, die verlangt, der Gemeinderat solle seine Haltung zum Projekt überdenken.

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