«Die Zigeunerin»
Künstler-Erbe Toni Eglin will nicht mehr

Die Rettung des Walter-Eglin-Wandbilds «Die Zigeunerin» schien auf gutem Weg. Doch jetzt will sein Sohn Toni Eglin alles hinschmeissen und die ganze Aktion abblasen. Das Protokoll eines turbulenten Wochenendes.

Bojan Stula
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Für ihn setzt er sich ein: Toni Eglin vor einem Bild seines Vaters Walter-Eglin im gleichnamigen Museum in Känerkinden.

Für ihn setzt er sich ein: Toni Eglin vor einem Bild seines Vaters Walter-Eglin im gleichnamigen Museum in Känerkinden.

Martin Toengi

Die Nerven liegen blank. Am vergangenen Donnerstag will Toni Eglin aufgegeben und die ganze Sache abblasen. Die E-Mail an seinen Partner Hans Frech hat er schon abgeschickt. Wegen der befürchteten Kosten und der zu knappen Zeitvorgabe durch die Gemeinde Ormalingen.

Dann am Freitag der nächste Tiefschlag: In die alte Ormalinger Turnhalle bohrt ein Abbruchbagger ein Loch in die Wand. Eglin glaubt, er werde von den Gemeindebehörden hintergangen, und der Abriss des ganzen Gebäudes finde heimlich früher statt, als ihm behördlich zugesichert worden ist. Jetzt ist er erst recht fix und fertig. Schluss, aus.

Es geht um die Rettung des Wandbilds «Die Zigeunerin» von Walter Eglin, eine beinahe schon epische Geschichte. Der 80-jährige Toni Eglin scheint der Rettung des letzten von seinem Vater geschaffenen Kunstwerks schon ganz nahe, als ihm der Ormalinger Gemeinderat am 9. August die «Zigeunerin» schenkt und 30 000 Franken Zuschuss für die Umplatzierung zusichert. Dem vorausgegangen ist ein wochenlanges Tauziehen um das sogenannte «Sgraffitto». Zehn Tage später hingegen will Eglin alles nur noch hinschmeissen. «Mir ist das ganze mittlerweile nicht mehr wert. Also bitte, alles stoppen. Danke. Toni», schreibt er an Frech.

Der Abbruch hat begonnen.

Der Abbruch hat begonnen.

zvg

Ringen um Verlängerung

Montagmorgen. Zu Beginn der neuen Woche hängt die «Zigeunerin» noch immer an der Fassade der abbruchreifen Turnhalle, das Loch in die Seitenwand wurde nur gebohrt, damit die Bauarbeiter schon einmal mit dem Aushöhlen des Gebäudes beginnen können. «Wir halten die Spielregeln und Abmachungen ein», beruhigt der Ormalinger Gemeindeverwalter Felix Beyeler den verzweifelten Senior in einer weiteren E-Mail: «Die Fa. Erny AG wurde auch dahingehend informiert, das Sgraffitto bis Ende August 2017 unversehrt zu lassen.»

Offiziell bis zum 31. August hat Toni Eglin gemäss Gemeinderatsbeschluss Zeit, die «Zigeunerin» zu entfernen und an die private Hausfassade des Ormalingers Ueli Schaffner umzuplatzieren. Gegenüber Radio SRF sagt Gemeindepräsidentin Verena Schürmann, dass sich die Frist um ein paar Tage erstrecken lasse, «aber bestimmt nicht um Monate». Für Toni Eglin ein weiterer Beweis, das die Gemeinde gar nicht ernsthaft an der Rettung interessiert ist. Eglins Koordinator und Verhandlungsführer Hans Frech hat ursprünglich errechnet, dass die sichere Entfernung der «Zigeunerin» bis 18. September dauern muss. Eglin lässt sich nicht beruhigen.

«Das geht wirklich nicht!»

Jetzt greift Frech ein. Mit dem Abbruchunternehmer Ernst Erny habe er auf der Baustelle bereits ein Gespräch geführt. Dieser habe von sich aus angeboten, eine Verlängerung von zwei Wochen für den Ausbau der «Zigeunerin» zu gewähren. Auch sei Frech überzeugt, gemäss neuen Berechnungen statt am 18. September schon früher fertig sein zu können, schreibt er zurück an Eglin und beschwört ihn: «Lieber Toni. Warum nun die Flinte ins Korn werfen, jetzt wo wir seit gestern Nachmittag (Donnerstag; Anm. der Red.) die wirkliche endgültige Lösung zur Rettung unserer Zigeunerin gefunden haben? Das geht wirklich nicht!»

Auch der Gemeindeverwalter Felix Beyeler sagt, dass man ja die Gemeinde wegen einer Verlängerung anfragen könne. Dies sei bis vergangenen Freitagabend nicht geschehen. Seit dem Gemeinderatsbeschluss habe man von Toni Eglin nichts mehr gehört. Es sei ja nicht so, dass man mit den Behörden nicht reden könne, findet Beyeler.

Montagmorgen: «Ich habe das Projekt aufgegeben. Wenn es Hans Frech und Regina Rodmann glückt, das Sgraffito zu retten, dann freut es mich. Mit freundlichen Grüssen Toni Eglin.» Der Sohn des bedeutenden Baselbieter Künstlers will definitiv nicht mehr und reicht den Stab schriftlich an eine Gruppe von regionalen Kunstfreunden weiter, die neben Frech, Rodmann und Schaffner auch noch aus Thomas Schweizer, Sandra Ammann, Willi Homberger, Giovanni Mazzucchelli und Hansruedi Roth besteht. «All diese Personen haben wirklich vieles für die Rettung der Zigeunerin geleistet», schreibt Toni Eglin zu Abschied.

Fazit: Noch ist die «Zigeunerin» von Ormalingen nicht gerettet. Aber auch noch nicht verloren - trotz des Ausstiegs von Toni Eglin. Fortsetzung folgt. Nur die Nerven behalten.

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