Mosaik
Kunstfans wollen eingemauerte Liestaler «Sphinx» befreien

Seit rund 40 Jahren prägt das in der Wand eingelassene Mosaik «Sphinx» den Eingang des KV Liestal. Doch nun ist es verschwunden. Kritiker wollen, dass das am KV zugegipste Werk freilegt wird, um es im Museum in Känerkinden auszustellen.

Andreas Hirsbrunner
Drucken
Teilen
Die «Sphinx» hat Walter Eglin während seines Israel-Aufenthalts im Jahr 1961 geschaffen.

Die «Sphinx» hat Walter Eglin während seines Israel-Aufenthalts im Jahr 1961 geschaffen.

Zur Verfügung gestellt

Besuche im KV Liestal waren für Toni Eglin (76) in den letzten Wochen frustrierende Ereignisse: Mitte September war er zu früh an einem Termin in Liestal und wollte die Zeit nutzen, um das seit rund 40 Jahren im KV-Eingang in die Wand eingelassene Mosaik «Sphinx» von seinem Vater Walter Eglin wieder einmal anzuschauen. Doch das Kunstwerk war verschwunden. Letzten Freitag machte sich der in Olten wohnhafte Eglin junior erneut zum KV Liestal auf, um das mehrere Meter lange Sgraffito «Weltenbaum» seines Vaters zu suchen – ebenfalls vergeblich. Denn dort, wo es Eglin zu wissen glaubte, war es nicht mehr. Und beim KV konnte man gestern keine schlüssige Auskunft über dessen Verbleiben geben.

Der Künstler Walter Eglin

Walter Eglin war Kunstmaler, Holzschnitt- und Mosaikkünstler. Sein wohl bedeutendstes und auch bekanntestes Werk hängt im Eingang der Universität Basel: das 3,5-mal 30 Meter grosse Mosaik namens «Sendung».

Eglin hat sich in einem Wettbewerb gegen fast 50 Künstler durchgesetzt und das Werk von 1938 bis 1946 mit selbst gesuchten Steinen angefertigt. In der Folge wurde er überhäuft mit Aufträgen, die teilweise noch heute in Kirchen, Schulhäusern, Banken und öffentlichen Bauten zu finden sind. Eglin wurde 1895 in Känerkinden geboren und starb 1966 in Diegten.

Widersprüchlicher Kanton

Die eingegipste «Sphinx» hat mittlerweile eine kleinere Lawine an Reaktionen ausgelöst: Hans Furer (GLP) hat im Landrat eine Interpellation eingereicht, der Freundeskreis Walter Eglin, der zum 50. Todestag des Künstlers im Jahr 2016 ein Erinnerungsbuch herausgeben will, hat Regierungspräsident Urs Wüthrich einen geharnischten Brief geschrieben, und letzte Woche doppelte der Gemeinderat von Känerkinden nach. So hält die Behörde von Walter Eglins Geburtsort fest: «Die Gemeinde Känerkinden kann, als stolze Besitzerin des Walter Eglin-Museums, einen solchen unwürdigen Vorfall mit einem solchen Kunstwerk nicht verstehen. Auch wir wünschen deshalb, dass die ‹Sphinx› wieder freigelegt wird.»

Dass der Gemeinderat und der Freundeskreis Walter Eglin an Wüthrich und nicht an den KV gelangen, hat seinen Grund: Der Kanton ist offensichtlich Besitzer der «Sphinx». Dies belegt ein Auszug aus dem Kunstwerk-Inventar, laut dem die kantonale Kunstkreditkommission das Mosaik 1970 für 10 000 Franken erstanden hat. Der Inventar-Auszug widerspricht Aussagen des Baselbieter Kultur-Chefs Niggi Ullrich, der gegenüber «OnlineReports» sagte, eine Intervention des Kantons zur zugegipsten «Sphinx» dränge sich nicht auf, weil der Kanton nicht Eigentümer sei. Inzwischen ist Ullrich zurückgerudert und hat den Freundeskreis Walter Eglin im Namen von Regierungspräsident Wüthrich mit «einer qualifizierten Antwort» auf Anfang Dezember vertröstet, da einige vertiefende Abklärungen notwendig seien. Ullrich schrieb: «Es hat sich nämlich gezeigt, dass etliche Aspekte des mehr als nur bedauerlichen Vorgangs nicht so einfach ‹rekonstruierbar› sind, wie das auf den ersten Blick den Anschein hat.»

Was die beste Lösung für die «Sphinx» wäre, da sind sich alle einig – vom Freundeskreis Walter Eglin über den Gemeinderat von Känerkinden bis zu Sohn Toni Eglin: Das Mosaik soll vom Gips befreit, demontiert und als Leihgabe ins Walter Eglin-Museum nach Känerkinden transferiert werden. Damit würde die «Sphinx» einen ähnlichen Weg gehen wie «Mirjam»: Auch dieses Mosaik aus Negev-Steinchen hat der Kanton gekauft, dann hing es einige Zeit im Büro des früheren Regierungsrats Clemens Stöckli, bis es auf Umwegen ins Walter Eglin-Museum gelangte. Die barbarisch anmutende Zugipserei blieb «Mirjam» indes erspart.

Aktuelle Nachrichten